Ist die Magie zurück?

Von: Malte Arndt

Dwight Howard Großes Theater um Dwight Howard, sportlich nach dem Erstrundenaus gegen die Atlanta Hawks im Nirwana des ganz gut, aber doch nicht gut genug angekommen, eine mehr als unsichere Zukunft – die Lage in Orlando während des Sommers und Herbsts war nicht gerade als rosig zu bezeichnen. Das hat sich binnen kürzester Zeit geändert – auch nachhaltig? (mehr…)

Ich gebe es zu, ich habe mir nie besonders viel aus den Magic gemacht. Klar, sie haben den besten Center der Liga in ihren Reihen, eine Ein-Mann-Defensive, die Gott weiß wie will Würfe pro Spiel beeinflusst. Trotzdem hat irgendwie immer der Respekt gefehlt, den ein vermeintliches Spitzenteam verdient gehabt hätte und der mit der Finalteilnahme 2009 kurzzeitig da war. Aber nur einen Sommer später wurde diese nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden aus den Eastern Conference Finals trotz Heimvorteil gegen die Celtics in Frage gestellt: War der Gewinn der eigenen Conference tatsächlich Zeugnis eigener Stärke oder der Verletzung Garnetts? Selbst ohne ihn zwang Boston sie in ein siebtes Spiel; auch LeBron James‘ Cavaliers werden nach dessen Abschied, verbunden mit dem desaströsen Auftritt der Mannschaft seither, und den (Stand heute) fragwürdigen Crunchtime-Auftritten von James selbst , mittlerweile in einem völlig anderen Licht gesehen.

Wieso sollte überhaupt ein Team, das den Kader nur in der zweiten Reihe veränderte und, wie schon erwähnt, relativ deutlich von den Hawks in der ersten Playoffrunde 2011 eliminiert wurde, besser sein? Natürlich, abschließend wird diese Frage erst nach der Endrunde 2012 zu beantworten sein. Aus meiner Sicht ist zumindest eine Entwicklung als äußerst positiv zu betrachten – die des „anderen Big“ in der Starting Five der Magic.

Ryan Anderson wurde in den bisherigen zwei Saisonwochen schon oft gehyped, aber das völlig zurecht: Er ist der beste Long Range-Shooter in einem in dieser Hinsicht ohnehin außergewöhnlichen Team und einer der effektivsten Scorer. Dass seine Produktion bei vermehrter Spielzeit (und mehr Aufmerksamkeit im Gameplan des Gegners) nicht abreißt, beweist, dass er weit mehr ist als ein Rollenspieler von der Bank, den man besser nur für zwanzig Minuten ins Rennen schickt (aka Glen Davis). Im Gegenteil: Beinahe durchweg schnellen nicht nur seine reinen Statistiken, sondern auch seine Advanced Stats in die Höhe, je mehr er spielt – meistens mit der beste Indikator, wem wieviel Spielzeit zugestanden werden sollte. Ein Blick auf seine Seite bei hoopdata.com verrät: Seine True Shooting Percentage hat sich noch einmal deutlich verbessert, seine Usage Rate ist die zweithöchste der bisherigen Laufbahn, sein Turnoverrating sensationell (was seine Effektivität enorm erhöht), sein Shot Chart zeigt, dass er entweder direkt am Korb oder von Downtown punktet – und damit seine Fähigkeiten maximiert. Dass er sich keinen eigenen Wurf kreieren kann? Geschenkt. Die offenen Dreier kommen sowieso, sobald sein Gegenspieler bei Howard aushelfen muss, was beinahe zwangsläufig der Fall ist. Was im letzten Jahr in Dallas mit der Kombination Nowitzki/Chandler allerorten gelobt wurde – der eine kaschiert die Schwächen des anderen – hat Orlando in diesem Jahr mit Howard/Anderson.

Ohne Wenn und Aber ist Ryan Anderson eine der Erfolgsgeschichten der bisherigen Saison

Ohne Wenn und Aber ist Ryan Anderson eine der Erfolgsgeschichten der bisherigen Saison

Was meiner Meinung nach ebenso hilft: Man hat überbezahlte Altstars, die vor Jahren mal gut waren, den Magic aber nicht mehr geholfen haben, nach und nach aus der Rotation getilgt. Das fing mit dem Abgeben von Rashard Lewis und Vince Carter an, hat mit der Amnestierung von Gilbert Arenas Vertrag seinen Fortgang gefunden und momentan ist Hedo Turkoglu das einzige Relikt des alten Supporting Casts, der mit Howard die Finals erreichte und auf den oben genannte Erscheinungen zutreffen. Dass er dabei dieses Jahr sogar wieder etwas besser agiert als im gruseligen 2010/11er Auftritt, ist vielleicht Ironie des Schicksals, vielleicht aber auch ein besseres Einsetzen seiner Qualitäten im Teamgefüge. Defensiv hält er sich merklich öfter am Perimeter auf, was auf der einen Seite sein schwächeres Rebounding erklärt, auf der anderen Seite aber dafür sorgt, dass Turkoglu meistens Dirigent der Fastbreaks der Magier ist – und hierbei sowohl als Passgeber als auch als Vollstrecker von Downtown gefährlich ist. Im Halbfeld hingegen wird er zumindest gefühlt weniger eingebunden, was vielleicht auch ganz gut so ist.

Soweit also die positiven Effekte der Strukturveränderung im Magic-Kader, denn bei aller Hochachtung, die ich vor dem bisherigen Saisonstart habe: Insgesamt hat man sich nirgends deutlich verbessert, teilweise eher noch verschlechtert. So war trotz aller Kritik die offensive Effizienz im letzten Jahr besser (um ca. zwei Punkte pro 100 Ballbesitze), der aktuelle Record von 6-3 speist sich vor allem aus Siegen gegen den Bodensatz der Liga. Die beiden echten Tests bisher (OKC und Chicago) gingen verloren, was einen faden Beigeschmack gibt. Dabei hat gerade die Klatsche gegen die Bulls (83:97) besonders weh getan, ging es hier doch gegen einen direkten Konkurrenten im Osten. Klar, dass die Magic als ein solcher überhaupt wahrgenommen werden, ist positiv und war vor der Saison nicht so zu erwarten. Ebenso, dass sich momentan das ganze Boohay um Howard etwas gelegt hat – wohl mit der größte Erfolg, den man über den gelungenen Start erzielen konnte. Hinter die eingangs erwähnte Frage der Nachhaltigkeit setzte ich dann aber doch lieber ein nicht zu kleines Fragezeichen – dafür muss man erstmal sehen, wie sich die Magic gegen wirklich starke Konkurrenz schlagen. Eine Antwort darauf sollte es noch diesen Monat geben, wenn man u.a. auf die Celtics, Pacers, Sixers, Blazers, Lakers und Spurs trifft und somit gegen (auf dem Papier) etliche stark einzuschätzende Mannschaften in ihrer jeweiligen Conference. Bleibt aus Magic-Sicht zu hoffen, dass die Entwicklung Andersons nicht die einzige positive Story der Saison bleibt…

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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