Von: David Lorenz
Vom 13. bis 15. Februar ist es wieder so weit, die Liga lädt zum alljährlichen All-Star-Weekend. Dieses mal in die Wüste nach Phoenix, Arizona.
Sinn und Zweck dieses Großereignisses ist es, die Fans der NBA mit verschiedenen Events bestmöglich zu unterhalten (Ereignisse, Termine, Spieler, Aufstellungen). Den Höhepunkt der Veranstaltung stellt die Partie der besten Spieler aus dem Osten gegen die des Westens dar. So lautet der Plan.
Früher für jeden NBA-Fan eine absolute Pflichtveranstaltung via TV, verkam das Wochenende in den letzten Jahren immer mehr zur reinen Show um das eigentliche Ereignis. Spannung kam nur noch selten auf. Man wird das Gefühl nicht los, die Halbzeit-Show und diverse Ereignisse rund um die Partie hätten den Fokus von den entscheidenden 48 Minuten am Sonntag längst abgelenkt.
Angefangen bei der Partie Sophomores vs. Rookies, in der die Frischlinge der Liga in schöner Regelmäßigkeit den Hintern versohlt bekommen. Hier schaut jeder Spieler nur auf seine eigenen Statistiken, Passen ist verpönt.
Zum Slam-Dunk-Contest werden seit kurzem nur noch vier Spieler zugelassen, die dann zum Teil auch nicht wirklich spektakuläre Dunkings zeigen. Konzentriert wird sich neuerdings auf das Implementieren der verschiedensten „Spielzeuge”. Sei es das Ausblasen einer Geburtstagstorte während des Dunking-Versuches oder das Anbringen eines Stickers am Brett. Man sehnt sich förmlich Athleten wie Dominique Wilkins, Michael Jordan oder Jason Richardson zurück, die diesem Kindergarten gehörig den Hintern versohlt hätten.
Der Skill-Contest interessiert nur peripher (wieso sind da nur Guards zugelassen? Was ist an freien Korblegern interessant?), die Shooting-Sessions gar nicht.
Kommen wir zum All-Star-Game selber. Die Startaufstellungen der Mannschaften aus Ost und West, gewählt von Fans aus aller Welt, sorgen dieses Jahr für Gesprächsstoff. Für den Westen starten Chris Paul (falls rechtzeitig wieder fit), Kobe Bryant, Amare Stoudemire, Tim Duncan und Yao Ming. Würden die Fans nach Leistung aufstellen, hätte Stoudemire das Wochenende frei. Der Power Forward der Phoenix Suns, der vielleicht seine enttäuschendste Saison als Profi spielt, wurde auch dank einer Youtube-Kampagne von den Fans berücksichtigt.
Im Team des Ostens löst die Nominierung Allen Iversons (neben Dwyane Wade, LeBron James, Kevin Garnett und Dwight Howard) Kopfschütteln aus. Der Guard der Detroit Pistons spielt die schwächste Saison seiner Karriere und hat die Berufung zum größten Teil seinen Heldentaten aus der Vergangenheit zu verdanken.
Nun stellt sich die Frage, ob beim All-Star-Game die besten, oder die populärsten Spieler aufeinander treffen sollten? In der Geschichte dieser prestigeträchtigen Partie gab es schon viele Spieler, die lediglich aufgrund ihrer Beliebtheit teilgenommen haben. Dies konnte zumeist von den Coaches ausgeglichen werden, die die Bankspieler berufen. Dieses Jahr hätten Stoudemire und Iverson jedoch gar keine Teilnahme verdient. Zudem waren die Nominierungen der Trainer auch alles andere als nachvollziehbar.
So wurden im Westen Spieler wie Al Jefferson von den T-Wolves und Carmelo Anthony von den Nuggets übergangen, die bisher jeweils eine großartige Saison zeigten. Stattdessen nominierten die Coaches David West von den Charlotte Hornets, der im Vergleich zur vergangenen Saison deutlich schwächer spielt.
Im Osten überraschte die Nominierung von Rashard Lewis. Mo Williams oder auch Veteran Vince Carter spielen sicherlich eine stärkere Saison als Lewis. Als dann für den verletzten Jameer Nelson Ray Allen von den Boston Celtics durch Comissioner David Stern nachnominiert wurde, kochten die Emotionen in Cleveland ob der abermaligen Übergehung Willams’ über. Von „Schande”, „Farce” und „Hohn” war die Rede.
An den sportlichen Qualitäten Allens gibt es keinen Zweifel. Sterns Nachnomminierung zeugt jedoch nicht gerade von Fingerspitzengefühl. Cleveland, aktuell mit einer besseren Bilanz als Orlando und Boston ausgestattet, stellt mit LeBron James nur einen Spieler beim All-Star-Game. Dies steht in keinem Verhältnis zu den drei Repräsentanten der Celtics (Garnett, Allen, Paul Pierce) und der Magic (Howard, Lewis, Nelson).
So ist das All-Star-Game nicht als Partie unter den besten Spielern der Liga anzusehen, sondern als Show-Geplänkel zwischen den populärsten Athleten und den Spielern mit der größten Lobby. Ohne größeren sportlichen Wert.
NBA-Fans in Europa können in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar beruhigt an der Matratze horchen, verpassen werden sie allenfalls dreierwerfende Center und zahllos missglückte Alley-Opp-Versuche im Konfettiregen.




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