Von: Dmitrij Karle
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Wenn man sich das Titelbild dieses Eintrags anschaut, dann stellt man fest, dass sich die Indiana Pacers in den vergangenen Jahren mächtig gewandelt haben. Vom Bad-Boy-Image hin zum „Everybodys Darling“. Der Brawl in Detroit aus dem Jahre 2004 war der Startschuss für die Verantwortlichen der Pacers-Organisation. Die Veränderungen im Mannschaftsgefüge waren nur eine Frage der Zeit. Bei einigen Spielern dauerte es etwas länger, bei anderen konnte man schneller eine Lösung finden.
Im Jahr 2006 ging es los. Als erster, nicht anders zu erwarten, ging Ron Artest. Seine neue Heimat hieß nun Sacramento. Die Pacers bekamen Forward Peja Stojakovic, der im Sommer 2006 einen neuen Vertrag mit den Pacers unterzeichnete, um später nach New Orleans getradet zu werden, für die Draftrechte von Andrew Betts. Artest und Stojakovic waren mit dem Trade unzufrieden. Stojakovic äußerte sich äußerst negativ über die Kings, da er nur per Zufall von dem Trade nach Indiana erfuhr. „Wie man mich behandelt hat, war einfach respektlos“, so der Serbe.
Auch Artest beteuerte schon Wochen vor dem Deal, dass er nur ungern nach Sacramento wechseln würde. Insgesamt war der Trade für beide Mannschaften eher von negativem Charakter. Für die Pacers hatte er nur einen Sinn: man wurde Artest los. Der erste Grundstein für einen Kurswechsel war gelegt.
Ein Jahr später wurden Shooting-Guard Stephen Jackson (Foto) und Forward Al Harrington nach Golden State geschickt. Jackson, der zusammen mit Artest im „Pacers-Pistons Brawl“ sprichwörtlich auf die Barrikaden ging und hinterher für 30 Spiele gesperrt wurde, war in der besagten Saison mit der Situation in „Indy“ mehr als unzufrieden. Unzählige teaminterne Suspendierungen und Auseinandersetzungen mit den Coaches wollte man im Basketballstaat Indiana nicht länger dulden. Und so fädelte der damalige General-Manager der Pacers, Donnie Walsh (jetzt in New York als GM tätig), einen Deal mit den Warriors ein, um den Störenfried loszuwerden.
„Ich denke, er (Jackson) war in einer schwierigen Lage“, erklärte damals Walsh. „Gleichgültig was er auch getan hat, um sich das Leben hier einfacher zu gestalten, es gelang ihm nicht. So denke ich, dass es einfach das Beste für beide Parteien war, getrennte Wege zu gehen.“
Ein Neuanfang war für den damals 29-Jährigen auch bitter nötig. In seiner ersten vollen Saison in Golden State bekam er vom Trainer Don Nelson das Szepter in die Hand gedrückt, und musste mit dem Beispiel voran gehen. Es folgte seine statistisch beste Saison in seiner bisherigen NBA-Karriere.
Im Gegenzug bekamen die Pacers Troy Murphy, Mike Dunleavy jr. (Foto) und Tradegemüse á la Ike Diogu und Keith McLeod. Murphy und Dunleavy konnten zu dem Zeitpunkt nicht die Erwartungen im System von Nelson erfüllen und wurden demnach aussortiert. Deshalb sahen auch viele die Warriors als Sieger des Trades an. Wahr ist, Harrington und vor allem Jackson passten wie die Faust aufs Auge ins System von Nelson. Beide waren überdurchschnittlich athletisch und mit einem guten Wurf ausgestatten gewesen. Zwar waren auch Dunleavy und Murphy nicht gerade schlecht in ihrer Wurfauswahl, doch von der Athletik und Verteidigung her konnten sie kaum mithalten.
Doch die beiden waren nur einen weiteren Trainerwechsel davon entfernt ihre beste NBA-Saison aufs Parkett zu zaubern. Als Jim O’Brien zu Anfang der Saison 2007-2008 als Headcoach der Pacers eingestellt wurde (er ersetzte Rick Carlisle, der vier Spielzeiten in Indiana aktiv war) und seine „Free-Flowing-Offense“ präsentierte, zeigte Mike Dunleavy, wozu er in der Offensive eigentlich in der Lage ist. Er beendete die Saison als zweitbester Scorer der Pacers (19,0 Punkte) und konnte Trefferquoten aus dem Feld vorweisen, von denen er in Golden State nur träumen konnte. Er schlug ein wie eine Bombe in das Land der Hoosier. Mit Danny Granger und Dunleavy lief das Angriffsspiel wie am Schnürchen.
Troy Murphy kam in seiner ersten vollen Saison bei den Pacers zwar nicht auf ein Double-Double pro Begegnung, lieferte jedoch trotzdem solide Statistiken ab. Und wir alle wissen, wie stark er sich in der vergangenen Saison gesteigert hat (14,3 Punkte und 11,8 Rebounds pro Partie - somit der zweitbeste Rebounder der Liga hinter Dwight Howard mit durchschnittlich 13,8 Abprallern).
Und Plötzlich redeten nun die vermeintlichen Experten wieder über die „erfolglosen“ Pacers. Versuchten ihre Fehler zu kaschieren und krönten die Pacers als die „wahren Sieger“ des Trades.
Im Juni 2008 verließ dann das Urgestein der Pacers, Power-Forward Jermaine O’Neal (Foto), den Verein, wo er acht Jahre lang gespielt hatte und zum All-Star reifen durfte. Unbestritten wird O’Neal als einer der besten Power-Forwards in die Geschichte der Indiana Pacers eingehen. Er war über Jahre hinweg neben Reggie Miller das Gesicht der Franchise. Erst bei den Pacers konnte O’Neal sein wahres Potential zeigen. Doch viele zweifelten an ihm, er könne die Mannschaft nicht führen, er sein kein Leader. Natürlich haben auch die Ereignisse damals in Detroit Flecken auf seiner weißen Weste hinterlassen. Doch O’Neal war anders als Artest oder Jackson. Man denke da nur an seine zahlreichen Auftritte in Krankenhäusern und Kindergärten. O’Neal spendete Unsummen an Geld für karitative Zwecke. Seine Strafe von 25 Spielen Sperre wurde kurze Zeit später auf 15 reduziert. Es war ein Ausrutscher. Aber auch hier zeigt sich, dass O’Neal während der Auseinandersetzungen nicht überreagieren, sondern mehr als Streitschlichter hätte agieren müssen, wie es von einem Anführer erwartet wird.
Und somit musste auch ein O’Neal die Mannschaft verlassen, die ihm all diesen Ruhm erst möglich gemacht hatte. Die Toronto Raptors waren bereit, Chris Bosh einen erfahrenen Big Men an die Seite zu stellen. Dafür gaben sie Aufbau T.J. Ford, Center Rasho Nesterovic und ihren 17. Pick im kommenden NBA Draft (Roy Hibbert) ab.
Es war nicht einfach einen Abnehmer für O’Neals wuchtigen Vertrag zu finden (44 Millionen US-Dollar für zwei Jahre). Zwar tauchte sein Name oft in Tradegerüchten auf. So schreckte trotzdem sein Gehalt viele General-Manager ab. Weiterhin verschlimmerte sich O’Neals Gesundheitszustand von Jahr zu Jahr. Bei einem Spieler, der seit seinem 17. Lebensjahr in der Liga aktiv ist, war es auch nicht verwunderlich, dass der eigene Körper da nicht mehr mitmacht. Ein Vorteil aus Sicht der Pacers war Neuzugang Ford, der die schwach besetzte Position des Point-Guards in Indiana verstärken sollte. Und im Draft verpflichtete man wie erwähnt einen gewissen Roy Hibbert, der zwar in seiner Rookie-Saison mit typischen Fehlern eines Liga-Neulings zu kämpfen hatte (Foulprobleme), allerdings in der Offseason sein Spiel verbessern konnte. Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten, als er und Rookie Tyler Hansbrough die Summer-League in Orlando im Alleingang zerstörten und die Pacers zu fünf Siegen bei null Niederlagen führen konnten.
Während des NBA-Drafts 2008 wusste Indiana einen weiteren Deal in die Wege zu leiten. Die Pacers zogen mit dem 11. Pick Aufbauspieler Jerryd Bayless aus dem Talentepool und gaben ihn kurze Zeit später im Paket mit Ike Diogu weiter in Richtung Portland ab. Im Gegenzug bekam man neben Ford einen zweiten soliden Aufbauspieler in Person von Jarrett Jack (Foto) sowie den talentierten und athletischen Forward Josh McRoberts und die Draftrechte an Brandon Rush.
Die Neuverpflichtungen aus der Offseason 2008 ließen viele Herzen der Pacers Fans höher schlagen. Denn man konnte endlich die Position des Aufbaus verstärken, die seit mehreren Jahren Problemfall Nummer Eins war.
Jack und Ford zeigten formidable Leistungen in ihrer ersten Saison unter Coach Jim O’Brien. Vor allem Jack entwickelte sich gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit zum Führungsspieler und verdrängte Ford zweitweise auf die Ersatzbank. Seine grandiose Saisonleistung wurde mit einem soliden Vertrag gekrönt. Nicht bei den Pacers. Die Toronto Raptors boten dem 25-Jährigen einen Vierjahresvertrag in Höhe von 20 Millionen US-Dollar an. Das war den Pacers dann doch zu viel und so verließ Jack nach nur einer Saison Indiana wieder.
Der Abgang schmerzt, konnte aber verkraftet werden, da man sich kürzlich mit Earl Watson (Foto) von den Oklahoma City Thunder verstärkte. Der UCLA-Absolvent bekommt für die nächste Saison rund 2,8 Millonen US-Dollar auf sein Konto überwiesen und stellt einen soliden Backup für Starter T.J. Ford dar. Der 30-Jährige Veteran versteht es, eine Mannschaft im Angriff zu leiten. Meistens als Ersatzmann eingesetzt, kann Watson fast fünf Vorlagen im Schnitt während seiner NBA-Karriere aufweisen. Am College war er bekannt für seine Verteidigung. In der NBA konnte der 1,85 Meter große Aufbau jedoch nicht mehr allzu gut in der Defense mithalten. Er liebt „Pick-and-Roll“-Situationen und erzielt daraus meistens auch seine Punkte. Watson ist mit der Ersatzmann Rolle sehr gut vertraut, deshalb sollte es zu keinen Komplikationen kommen.
Auf der Position des Aufbauspielers haben die Pacers nun T.J. Ford, Earl Watson, Travis Diener und Rookie A.J. Price. Price wusste während der Summer-League in Orlando bereits aufzufallen. Es bleibt abzuwarten, wie er sich weiter entwickeln wird. Potenzial ist sicherlich vorhanden.
Und da wir bei den Point-Guards sind: Der Fall „Jamaal Tinsley“ kann endlich zu den Akten gelegt werden. Letzte Woche wurde es bekannt, dass man sich mit ihm auf einen Buyout einigen konnte. Tinsley verzichtete auf vier Millionen US-Dollar seines Gehalts für die kommenden zwei Jahre und gibt sich mit einer Abfindung von 10,7 Millionen US-Dollar zufrieden. Momentan ist er auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Gerüchten zufolge sollen die New York Knicks und die Miami Heat interessiert sein.
Da die Verteidigung das Hauptproblem in der letzten Saison darstellte, vor allem die Defense gegnerischer Schützen von außen war kaum präsent, musste dringend Verstärkung her. Larry Bird ließ es sich nicht zweimal sagen und holte aus Denver den Verteidigungsspezialisten Dahntay Jones, der für vier Jahre und 11 Millionen US-Dollar bei den Pacers unterschreibt.
„Wir wussten, dass unsere Verteidigung Nachhilfe braucht“, kommentierte Bird den Wechsel. „Wir haben ihn (Jones) sofort nach den Playoffs ins Visier genommen und zum Glück auch bekommen.“
Jones wird Danny Granger eine Menge an defensiver Arbeit abnehmen. Das heißt aber nicht, dass sich Granger nun ausschließlich auf die Offensive konzentrieren wird. Mit Brandon Rush (Foto), Jones und Granger haben die Pacers nun ein solides Trio, dass die Guard/Forward Position überdurchschnittlich gut verteidigen kann. Rush hat schon in seiner Rookie-Saison gezeigt, dass er in der Verteidigung zu glänzen vermag. Und da seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, erwartet man von ihm noch eine Menge mehr in den kommenden Spielzeiten. Ähnlich wie es bei Granger der Fall war.
Zuletzt konnte man sich die Dienste von Hawks-Akteur Solomon Jones sichern. Anfang der vergangenen Woche wurde der Deal offiziell bekanntgegeben. Jones ist ein athletischer Vierer, der die Verteidigung als sein Spezialgebiet benennt und viel Energie von der Bank bringen wird.
Außer Jeff Foster ist nach dem jahrelangen Umbauprozess keiner mehr im Kader vorhanden, der den Brawl von Detroit miterlebt hat. Während dieser Phase konnten die Pacers immer noch um die Playoffs mitspielen. Zwar scheiterte man meistens sehr knapp, dennoch ist man zuversichtlich, dass man in Zukunft ein sicherer Playoff-Kandidat werden kann. Das Grundgerüst steht. Granger, Rush, Ford, Hibbert, Hansbrough und McRoberts werden von Veteranen wie Murphy, Dunleavy und Jones unterstützt. Schafft Coach Jim O’Brien seine Mannschaft bei Laune zu halten, so sind die Playoffs am Ende der kommenden Saison ein durchaus realistisches Ziel.
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Die Entwicklung der Indiana Pacers in den vergangenen Jahren gehört zu den interessantesten Prozessen der NBA. Die ehemalige „Bad-Boy-Truppe“ um Ron Artest (Foto) hat sich zu einem Team mit Perspektive gemausert. Dmitrij Karle, langjähriger Fan der Mannschaft, lässt die Vergangenheit noch einmal Revue passieren und gibt einen Ausblick auf die kommende Saison.
Feiner Artikel.
Nur zur Ergänzung: Jeff Foster kam beim Brawl verletzungsbedingt nicht zum Einsatz. Sein erstes Spiel der Saison hatte er am 7.12. gegen die Bucks. Und: für mich ist Jermaine O’Neal der beste PF in der Geschichte der Pacers, innerhalb der letzten 20 Jahre reicht an seine Leistungen eigentlich nur Detlef Schrempf heran.
cooler Artikel, auch wenn ich die Franchise eher uninteressant finde