Der Washington-Dallas-Deal: Eine Trade-Analyse

Von: David Lorenz

Brendan HaywoodSeit gestern ist es amtlich: Josh Howard verlässt zusammen mit Drew Gooden, Quinton Ross und James Singleton die Dallas Mavericks, die im Gegenzug Caron Butler, Brendan Haywood (Foto) und DeShawn Stevenson von den Washington Wizards erhalten. Der NBA-Blog wagt eine Analyse und zählt auf, was die Mavericks bei diesem Tauschgeschäft gewinnen und was sie verlieren. (mehr…)

Es musste etwas geschehen. Die Dallas Mavericks sahen sich nach der sportlichen Achterbahnfahrt aus den vergangenen Wochen dazu gezwungen, personelle Veränderungen am Team vorzunehmen. Das Management der Texaner profitierte dabei von der aktuellen Situation der krisengeplagten Washington Wizards, die ihre Mannschaft auf Teufel komm raus radikal umbauen wollen um einen Neuanfang zu wagen. Aus diesem Grund waren die Hauptstädter nicht darauf erpicht, bei einem Tauschgeschäft das gleiche Maß an sportlichem Talent zurückzufordern. Die Mavericks nutzten die Situation, um mit Caron Butler und Brendan Haywood zwei absolute Leistungsträger von den Wizards loszueisen.

Wovon Dallas profitiert:

  • Caron Butler. Der vielseitige Small-Forward ist ein etablierter NBA-Veteran. Er ist athletisch, ein starker Verteidiger und verfügt über einen guten Wurf aus der Mitteldistanz. Die Mavericks dürften ihn bevorzugt auf der Zwei einsetzen, wo die größten Probleme der Mannschaft liegen. Dort fehlt es an offensiver Durchschlagskraft und an einem guten Verteidiger. Falls Butler schnell ins Mannschaftsgefüge der Mavericks eingebunden werden kann und er motiviert auftritt, ist er definitiv eine große Verstärkung für das Team. Als es in Washington zuletzt jedoch drunter und drüber ging, wirkte der zweifache All-Star häufig lust- und kraftlos. Da die Situation in Dallas jedoch eine ganz andere ist, sollte sich das nicht wiederholen. Butler ist noch bis Ende der Saison 2010/2011 an die Mavericks gebunden.
  • Brendan Haywood. Einige Experten merkten bereits an, dass Haywood ein noch größerer Gewinn für die Mavericks ist als Caron Butler. Fakt ist: Haywood merzt den zweiten Schwachpunkt in Dallas’ Kader aus: das Fehlen eines soliden Centers neben Erick Dampier. Haywood ist einer der defensivstärksten Fünfter der gesamten Liga und spielt seine bislang beste Saison als Profi (10,3 Rebounds pro Partie sind mit Abstand Haywoods bester Wert in achteinhalb Jahren NBA). Neben seiner Reboundstärke ist der 2,13-Meter-Mann mit 2,06 Blocks pro Partie der fünfbeste Shotblocker der Liga. Der Vertrag mit dem 30-Jährigen läuft zwar im Sommer aus, doch die Mavericks sind in Besitz einer Option, die es ihnen erlaubt, mit Haywood für ein weiteres Jahr zu verlängern.

Was Dallas verliert:

  • Josh Howard. Die Abgabe des langjährigen Maverick dürfte zum jetzigen Zeitpunkt verkraftbar sein. Howard spielt die schwächste Saison seiner Karriere, wird immer wieder von Verletzungen geplagt und hat zuletzt vergebens nach seiner Rolle im Team gesucht. Dennoch: Howard ist ein sehr talentierter Spieler, der immer wieder den Unterschied ausmachen konnte. Als die Mavericks in den vergangenen Playoffs beispielsweise die San Antonio Spurs ausschalteten, zeigte Howard ein paar ganz starke Leistungen. Leider gelang ihm dies zuletzt immer seltener, woraufhin das Management der Mavs die Geduld mit ihm verlor. Zudem wird er von Butler mehr als gleichwertig ersetzt.
  • Drew Gooden. Die Abgabe Goodens dürfte für die Mavericks deutlich schwerer ins Gewicht fallen als der Weggang Howards. Gooden hat in seinen wenigen Monaten in Dallas einige hervorragende Partien abgeliefert, sein Einsatz und sein Auftreten waren stets tadellos. Vor allem wenn Erick Dampier verletzungsbedingt ausfiel, was nicht selten der Fall war, war Gooden zur Stelle. Zwar ist Haywood defensiv deutlich stärker als der gelernte Power-Forward Gooden, dessen Vielseitigkeit im Angriff dürften die Mavericks jedoch noch vermissen werden.
  • Quinton Ross & James Singleton. Beide spielten in der Rotation von Headcoach Rick Carlisle zuletzt keine Rolle mehr. Ross war in der Hoffnung verpflichtet worden, als defensives Ass die gegnerischen Topleute verteidigen zu können, was nicht funktionierte. Singleton hatte 2008/2009 einige bemerkenswerte Spiele für Dallas, doch in der laufenden Saison war die teaminterne Konkurrenz auf der Power-Forward-Position für ihn zu groß. Beide Abgänge sind gut zu verkraften.
  • Eine Menge Geld für das Gehalt von DeShawn Stevenson. Rund vier Millionen US-Dollar müssen die Mavs in der kommenden Saison an den exzentrischen Guard überweisen. Dabei kann es gut sein, dass dieser keine einzige Minute für die Mannschaft auf dem Parkett stehen wird. Stevenson war in den vergangenen beiden Spielzeiten lediglich ein Schatten seiner Tage als vormals starker Eins gegen Eins Verteidiger. Falls der 28-Jährige in Dallas jedoch einen Neuanfang schaffen sollte, könnte er für die Mavericks zu einem wertvollen Defensiv-Spezialisten werden. Doch bei der momentanen Verfassung Stevensons ist dies äußerst unwahrscheinlich.
  • Flexibilität unter der Gehaltsobergrenze. Der Vertrag mit Josh Howard kann im kommenden Sommer von Clubseite aus aufgelöst werden, was bedeutet, dass seine rund 11 Millionen US-Dollar Gehalt aus den Büchern verschwinden. Aus diesem Grund dürften die Wizards Howard auch verpflichtet haben. Für Dallas existiert dieser Vorteil nun nicht mehr, da Tauschobjekt Butler noch bis Sommer 2011 an die Franchise gebunden ist und bis dahin einen ähnlichen Betrag wie Howard kassiert (10,5 Millionen US-Dollar). Falls Dallas im kommenden Sommer auf dem heiß umkämpften Free-Agent-Markt also einen Superstar verpflichten will, fehlt nun eventuell der nötige Spieltraum unter der zulässigen Gehaltsobergrenze.

Fazit: Die Vorteile überwiegen ganz klar die Nachteile. Gelungener Schachzug der Mavericks, vor allem für die kurzfristige sportliche Perspektive der Mannschaft.

(Photo by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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5 Kommentare zu „Der Washington-Dallas-Deal: Eine Trade-Analyse“

  1. basketballmania sagt:

    Wenn Dallas im Sommer auf dem Free Agent Markt tätig wird, dann ja eh nur über Sign and Trade. Und da ist ein Paket auch Butler + Dampier viel wertvoller als Howard + Dampier. Zudem ist nach der nächsten Offseason Butlers Vertrag auch ein Expiring.

  2. Chris sagt:

    Wahnsinnssache für Dallas ! Butler bringt neben seiner Defense vor allem einen starken Zug zum Korb, den er auch im eins gegen eins ausspielen kann. Das ist in der NBA so wichtig. Weder Kidd, Dampier, Howard (diese Saison) Marion haben die Möglichkeit dazu. Das Team ist zu lahm gewesen. Und Haywood könnte defensiv wertvoll werden, vor allem wen es in playoffs gegen Duncan, Bynum, Gasol, oder die Reboundstarken Martin und Nenes geht wird seine Präsenz helfen.

  3. Dmitrij Karle sagt:

    Erstes Spiel gestern der beiden Neuankömmlinge der Mavericks.

    C.Butler: 31min, 13 Punkte (4-16FGS), 6 Rebounds, 4PF, 4TOs
    B.Haywood: (Bank) 15min, 7 Punkte, 6 Rebounds

    Dampier verletzte sich am Mittelfinger und wird in Oklahoma bleiben müssen, um sich einer OP zu unterziehen. Somit wird Haywood in der nächsten Zeit sich als Starter-Center beweisen müssen.

  4. ABB sagt:

    Nun scheint sich das ja voll gelohnt zu haben, wo J.Howard wohl mal wieder die ganze restliche Saison ausfällt…

  5. David Lorenz sagt:

    Der arme Bursche hat das Pech wirklich für sich gepachtet.

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