Von: David Lorenz
Paul Niemeyer: Du verfolgst seit 15 Jahren die NBA und sagst über Dich selbst, „vor allem die absolute Professionalität der gesamten Organisation“ zu bewundern. Gilt dies auch für die einzelnen Vereine, hier: die Dallas Mavericks? Im direkten Vergleich nämlich mit den San Antonio Spurs gibt es eine bemerkenswerte Konstellation: beiden Vereinen ist es gelungen, in diesem Jahrzehnt jede Saison mit einer positiven Bilanz abzuschließen. Aber: die Spurs sind innerhalb der letzten sechs Jahre dreimal Champion geworden, die Mavs hingegen hatten nur eine kuriose Finals-Teilnahme sowie blamable Erstrundenniederlagen. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Mavs womöglich nicht personell, jedoch institutionell unterlegen sind - kannst du dem zustimmen? Falls ja, worin genau besteht die institutionelle Überlegenheit der Spurs? Und, falls nein - denn schließlich sind die Mavs im Besitz eines basketballbesessenen Milliardärs, haben mit Dallas den größeren Heimatmarkt, und ein ebenfalls ausgezeichnetes Scouting-System - worin liegt es dann, dass die Spurs, wenn nicht in der regulären Saison, so doch in den Playoffs besser abschneiden?
David Lorenz: Diese Frage ist aus meiner Sicht relativ einfach zu beantworten. San Antonio ist zusammen mit den Los Angeles Lakers die erfolgreichste Mannschaft der vergangenen zehn Jahre. Und das hat vor allem zwei Gründe. Erstens, die glückliche Verpflichtung von Tim Duncan, der vielen als der beste Power-Forward aller Zeiten gilt (es gibt berechtigte Zweifel am Siegeswillen der Spurs im Jahr vor Duncan. Nach wie vor halten sich hartnäckig die Gerüchte, man hätte absichtlich eine Katastrophen-Saison absolviert, um Duncan an erster Stelle des Drafts 1997/1998 unter Vertrag nehmen zu können). Zweitens, und aus meiner Sicht fast noch bedeutender, ist die Personalie Gregg Popovich zu bewerten. Während in Dallas Mark Cuban großen Einfluss auf Spielertransfers hat, obwohl er nicht „vom Fach“ ist, sprich, keinerlei basketballerische Erfahrung vorzuweisen hat, bestimmt in San Antonio allein Popovich über die Zusammenstellung der Mannschaft. Und Popovich ist in meinen Augen der mit Abstand beste Coach der gesamten Liga. In Sachen Taktik, Motivation oder Umgang mit seinen Spielern macht ihm keiner etwas vor. Vor allem aber in der Kunst, ein Team perfekt zusammenzustellen und mit allen nötigen Rollenspielern zu versehen, die reibungslos ineinander greifen.
Als absolut konträre Philosophie hat Cuban in Dallas meist mit einer dicken Geldbörse talentierte Einzelspieler verpflichtet. Man erinnere sich nur an Antawn Jamison, Antoine Walker, Jerry Stackhouse und Konsorten. Daraus ergab sich aber nie ein funktionierendes Team, in dem jeder seinen Aufgabenbereich genau kannte. Vielmehr bestanden die Mavericks zumeist aus einem Sammelsurium an Scorern.
Aus diesem Gesichtpunkt betrachtet, sind die Spurs in der Tat professioneller aufgestellt als die Mavericks, um Deine Frage zu beantworten.
Zudem hatte Dallas nie einen Coach vom Format eines Popovich vorzuweisen. Don Nelson verfolgte eine Basketball-Philosophie, mit der in den Playoffs unter normalen Umständen wenig zu holen war. Anthony Johnson, unter dem die Mavericks 2006 Meister hätten werden müssen, hatte eine oberschullehrerhafte Art an sich, die sich zu schnell abnutzte. Rick Carlisle wäre es zu wünschen, das er das gleiche Spielermaterial wie seine zwei Vorgänger zu Verfügung hätte, mit dem die Mavericks die Liga zumindest während den regulären Spielzeiten dominierten. Man wird sehen, was er in diesem Jahr aus der durchaus viel versprechenden Truppe rausholen kann. Doch die San Antonio Spurs sind verletzungsfrei aufgrund ihres erfahrenen und eingespielten Kerns aus Akteuren der Extraklasse mit Sicherheit etwas höher einzustufen als die Mavs.
Doch um allen Dallas-Fans Mut zu machen: Die Mavericks konnten die letzten beiden Playoff-Serien gegen den Erzrivalen aus Texas gewinnen - und das zählt in Dallas beinahe soviel wie der Gewinn der Meisterschaft.
Das gesamte, äußerst umfangreiche Interview gibt es auf „nbakokolores“ nachzulesen.
(Photos by Keith Allison / License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: Antawn Jamison, Anthony Johnson, Antoine Walker, Dallas Mavericks, Dirk Nowitzki, Don Nelson, Gregg Popovich, Jerry Stackhouse, Los Angeles Lakers, Mark Cuban, Rick Carlisle, San Antonio Spurs, Tim Duncan




Im Rahmen einer blog-übergreifenden Kooperation - ins Leben gerufen von meinem geschätzten Kollegen Paul Niemeyer - wage ich den Versuch, in einem ausführlichen Interview Fragen zu den Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki (Foto) im Angesicht der anstehenden Saison zu beantworten. Eine Analyse des neu formierten Kaders, sowie eine erste Prognose, wie die Mavericks im kommenden Jahr abschneiden werden, darf dabei natürlich nicht fehlen. 
sehr coole Sache. Liest sich echt prima1