Von: Dmitrij Karle
Wir steigen sofort in das Playoffgeschehen ein. Ron Artest rettete seine Mannschaft im vorentscheidenden Spiel fünf gegen die Phoenix Suns mit einem Buzzer-Beater in den Western-Conference-Finales. Die Emotionen, die in ihm schlummerten, konnten nun ungehindert nach draußen gelangen. Dieser Wurf war wohl einer der wichtigsten Würfe überhaupt für den gebürtigen New Yorker. Wie sagt man so schön: zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Ob das nun mit Glück, Können oder gar etwas mit Schicksal zu tun hatte - das überlasse ich gerne dem Leser. Fakt ist, Artest ist aus einem bestimmten Grund bei den Lakers angekommen. Wir können nur raten, wie die Saison und die NBA-Playoffs ohne “Ron-Ron” für L.A. verlaufen wären.
Partie Nummer sechs zwischen L.A. und den Suns. Artest agiert wie ausgewechselt. Mit einer ruhigen und befreiten Spielweise erzielt der 2,01 Meter große Koloss starke 25 Zähler (zehn von 13 aus dem Feld, vier von sieben Dreier) für sein Team und die Lakers setzen sich mühelos gegen Steve Nash und seine Phoenix Suns durch. Es wird der dritte Trip in Folge für die Lakers in die Finals. Artest hatte eindeutig etwas damit zu tun.
In einem Interview bejahte Ron Artest die Frage, ob er sich nun wie ein richtiger Laker fühle. “Es passt endlich alles zusammen”, kommentierte Artest. “Wir spielen, als wären wir ein einziges Individuum, ein einziges Wesen. Keiner tanzt aus der Reihe.”
Es läuft für die Mannschaft aus dem Bundesstaat Kalifornien zurzeit wie geschmiert. Man hat den Einduck, dass die Lakers, und vor allem ihr Superstar, und ja, der beste Spieler auf diesem Planeten, Kobe Bryant, erst richtig in Fahrt gekommen sind. So nah stand der einmalige NBA-All-Star Ron Artest noch nie vor dem Gewinn einer Meisterschaft. Im Jahre 2004 reichte es nur bis in die Eastern-Conference-Finals mit den Indiana Pacers. Gegen den späteren Meister aus Detroit war einfach kein Kraut gewachsen.
Und doch, als Pacers-Fan, muss ich an dieser Stelle den Brawl von Detroit erwähnen. Es geht nicht anders, wenn man das Wesen von Ron Artest verstehen möchte. Es waren für mich damals die schlimmsten Szenen in der Geschichte des Basketballs. Und Artest werde ich immer mit dieser Tragödie in Verbindung bringen. Die Schuldfrage lasse ich hier einmal unkommentiert stehen. Doch gleichwohl ging es im Anschluss mit der Franchise aus der schönen Stadt Indianapolis den Bach herunter. Die Folgen sind auch heute noch zu spüren.
Falsch war im Nachhinein das ganze Theater während der Saison 2005/06, das Artest nicht gerade als den vorbildlichen Basketballer darstellte. Er passte mit seiner Art nicht mehr in das Hoosier-Land, das verrückt nach Erfolgen ist. Artest weigerte sich zu spielen und forderte öffentlich einen Trade. Die Pacers warteten zu lange ab. Die Fans, die schon nach dem Brawl der Mannschaft den Rücken gekehrt hatten, wollten mit einer der traditionsreichsten Franchises erst recht nichts mehr zu tun haben.
Artest verbrachte fast die Hälfte der Saison auf der inaktiven Liste der Pacers bis die Kings aus Sacramento sich erbarmten und den unpopulärsten NBA-Spieler zu dieser Zeit und ihre Fittiche (Peja Stojakovic ging zu den Pacers) nahmen.
Heute bedauert “Ron-Ron” die Geschehnisse während und nach dem Brawl zutiefst: “Es war falsch von mir, was ich damals den Pacers angetan habe”, so Artest während eines Interviews. “Jedesmal, wenn ich Jermaine (O’Neal), Stephen (Jackson) oder Larry Bird sehe, fühle ich mich wie ein Feigling gegenüber diesen Menschen.”
Wie man später im Interview erfahren sollte, hat Artest noch nie über dieses dunkles Kapitel seiner NBA-Karriere so emotional in der Öffentlichkeit gesprochen. Jeder verdient eine zweite Chance. Auch ein Ron Artest.
“Wir hatten mit den Pacers das Zeug den Titel zu holen und ich alleine habe es vermasselt.”
Worte eines Spielers, der seine neue Chance endlich mit beiden Händen festhält? Ganze sechs Jahre später an der Seite eines Superstars. Dieses Mal, so hofft man (er), müsse doch alles glatt gehen.
“Ich danke Gott für die wunderbare Zeit in Indiana”, so Artest weiter. “Ich habe dort geheiratet und vier schöne Jahre verbracht. Dank Gott hatte ich die Chance, eine NBA-Meisterschaft zu gewinnen. Doch ich habe es vermasselt. Ich alleine. Und ich danke Gott, dass ich eine neue Chance bekommen habe. Ich habe nicht mehr daran geglaubt.”
Artest ergriff diese Möglichkeit im Spiel fünf mit beiden Händen im wahrsten Sinne dieses Wortes, als Bryant den Ring verfehlte und Artest sich das glänzende Leder sicherte - der Rest ist Geschichte.
Sicherlich spielt Artest schon seit längerem nicht mehr die erste Geige in einer Mannschaft. Geschweige denn bei den Lakers. Kobe Bryant und Pau Gasol sind die ersten Anspielstationen im System der Lakers. Das versteht Artest. Denn wäre es anders, so würden die Boston Celtics gegen eine andere Mannschaft des Westens um den Titel spielen.
Doch ab und zu, wenn der Gegner dem besten Verteidiger der Saison 2003/04 zu viel Platz gibt und wenig Respekt zollt, kommt es schon mal vor, dass Artest das Szepter in die Hand nimmt. Wie es im Spiel sechs gegen Phoenix der Fall war.
“Ich möchte nicht zu viele Dreier und Jumper nehmen”, sagt Artest. “Manchmal jedoch lassen mir die Defensiv-Systeme der Gegner keine andere Wahl als die freien Würfe zu nehmen”. Und wenn er diese dann auch trifft, und das kann Artest, ist der Sieg vorprogrammiert.
Am Donnerstagnacht findet also das erste Spiel der NBA-Finals in Los Angeles statt. Und Artest wird, wieder einmal, in der Mitte der Geschehnisse stehen. Seine Spezialität, die Verteidigung, wird von großen Nöten sein, um die Celtics, aber vor allem Small-Forward Paul Pierce auszuschalten. Denn vor zwei Jahren in den Finals waren die Lakers nicht in der Lage, Pierce am Punkten zu hindern. Die Lakers verstärkten sich mit Artest und nahmen sowohl seine gute als auch die schlechte Seite in Kauf. Bisher erwies sich diese Entscheidung als fehlerfrei.
Ron Artest ist ein begnadeter Spieler, ohne Zweifel, der unglücklicherweise viele falsche Entscheidung auf dem Court und abseits davon getroffen hat. Er hat eine Franchise in die Ruinen gestürzt und zahlreiche Spieler und Freunde enttäuscht. Bei den Lakers blüht er wieder auf und war, für eine Saison lang, der Herr seiner sicherlich noch existierenden dunklen Seite. Dafür erntet er nun Früchte der Anerkennung. Er hat verstanden, dass man nur so Erfolg in dieser Liga haben kann. Er hat seine zweite Chance genutzt.
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Schlagworte: Boston Celtics, Detroit Pistons, Indiana Pacers, Jermaine O'Neal, Kobe Bryant, Larry Bird, Los Angeles Lakers, Paul Pierce, Peja Stojakovic, Phoenix Suns, Ron Artest, Stephen Jackson, Steve Nash




Es sind knapp elf Monate vergangen, seit Ron Artest (Foto) die Los Angeles Lakers als sein neues Zuhause bezeichnen durfte. Er verstand damals noch nicht, wie es ist, eine neue Chance zu bekommen. Wie es ist, ein L.A. Laker zu sein. Nun steht der 30-Jährige zum ersten Mal in seiner Karriere in einem NBA-Finale und ist nur vier Siege von dem größten Erfolg seiner Laufbahn entfernt.
Wir klammern an dieser Stelle aus, dass Artest die Lakers-Fans bis zu Beginn der Playoffs verrückt gemacht hat, weil er reihenweise dumme Würfe nahm und das Spielsystem nicht kapiert hat? Dass er offensiv durchschnittliche Playoffs spielte (positiv ausgedrückt), bis die Lakers gegen das Defensivwunder aus Phoenix (und es ist nicht fair, Richardson gegen Artest zu stellen!!!) antraten? Dass er in Spiel Fünf trotz seines Buzzerbeaters 1.) ein grottiges Spiel zeigte und b) den Lakers den sicheren Sieg kurz vor Ende erst einmal entriss, weil er einen Dreier nahm, der noch dämlicher als der vom arabischen (?) Guard während des NCAA-Tournaments war?
Sorry, aber die Geschichte von Artest ist nicht so toll, wie sie hier geschrieben ist. Meiner Meinung nach jedenfalls nicht.
Arndt wie heißt dein Blog, wo ich deine gut recherchierte und schriftlich verfasste Meinung im Detail lesen kann?
@ Sarah: http://www.nba-blog.de/author/malte-arndt/
würde mal gern ein artikel darüber lesen warum die playoffs die letzten jahre immer so langweilig sind… ich glaube einfach nicht mehr an sterns worte, man könne ein championship team aufbaun und unterhalb der luxery tax grenze bleiben.
@ Malte
Nicht umsonst ist die Triangle-Offense eines der schwierigsten Offensivsysteme überhaupt. Versuche während nur einer Saison diese zu “kapieren”, gingen nicht nur bei Artest in die Hose. Und er ist auch nicht mehr der jüngste, der die Feinheiten des System schnell aufsaugen kann! Ob er das je schafft, sei dahingestellt.
Wie ich im Text schon einige Male erwähnt habe, sind auch die Lakers nicht von einem Artest versichert, der ab und zu mal sein Ding durchzieht. Der Dreier, den du erwähnt hast, ist nur ein Beispiel davon.
Nichtsdestotrotz war er es, der in der ersten Runde Kevin Durant das Leben zur Hölle machte. Durant traf nur 35% aus dem Feld und 28% von jenseits der Dreierlinie. Dass Artests Offensive dementsprechend in dieser Serie mager ausfiel, ist nicht verwunderlich. Jeder, der aktiv Basketball spielt, weiß es, dass wenn man sich zu fast 100 Prozent in der Defense aufopfert, am Ende einfach nicht mehr genug im Tank hat, um in der Offense Akzente zu setzen. Gegen Utah und Phoenix war Artest in der Lage wieder seinem Team im Angriff unter die Arme zu greifen. Gegen Boston sollte man aber nicht viel von ihm erwarten, da er nur die Aufgabe hat, Pierce so gut es geht zu limitieren. Und auch gegen die “Defensivwunder” dieser Liga muss man erst einmal seine Würfe treffen!
Und “so toll” ist die Geschichte nun auch wieder nicht. Nur sollte man sich nicht auf einzelne Aktionen beschränken. Meiner Meinung nach hat er sich in dieser Saison zusammengerissen und sich mehr als solide verkauft. Und es gereicht, mit oder ohne die dummen Würfe!
Nur mal nebenbei, es heißt Dreier & nicht Dreiers
Danke, das geht auf meine Kappe.
Meiner Meinung nach hat Artest eine ähnlich schwache Regular Season gespielt wie letztes Jahr in Houston. Damals war er ja schon kurz davor, getradet zu werden und er ist wohl nur nicht mit einigen anderen Leuten in New Jersey gelandet, weil Vandeweghe damals noch Battier dazu haben wolte, was für Vince Carter natürlich ein bisschen viel ist. Und dieses Jahr war er ähnlich mies und da ist es mir auch recht egal, wie schwer das System ist. Dumme Dreier sind systemunabhängig und die hat er viel zu oft genommen.
Dass er in der ersten Runde defensiv stark war (entgegen meiner damaligen Vermutung), stimmt und das habe ich auch geschrieben. Dass er da offensiv nicht sonderlich wichtig war, stimmt auch, aber das, was er dann fabriziert hat, war immer noch schwach: Knappe 33% aus dem Feld sind, mit Verlaub, nicht nur auf die aufopferungsvolle Defense zurückzuführen, sondern auf eine dämliche Wurfauswahl. Der Unterschied wegen des defensiven Aufwands im Vergleich zu den sonstigen Serien lässt sich eher an der Wurfanzahl ablesen, die mit 10 pro Spiel in der OKC-Serie geringer war als die 12 gegen Utah oder 12,5 gegen Phoenix. Auch gegen Utah (42,5%) war er - von Spiel Drei mal abgesehen - schwach und hat genau eine gute Serie gespielt in der Offensive und die kam gegen Phoenix (47,2 FG%), die jeglichen defensiven Eifer vermissen ließen, wenn es nicht gerade um die Zone ging. Das sind für mich insgesamt durchschnittliche Zahlen und keinesfalls einzelne Beispiele, sondern das Resultat von drei Playoff-Serien.
Man wird sehen, wie die Finals laufen. Wenn er Pierce limitiert (was ich mir durchaus vorstellen kannn, wenn auch nicht in jedem Spiel), hat er seinen Job gemacht. Ob das den Lakers helfen wird, ist die andere Frage, weil sie schon 2008 viel eher Probleme mit Ray Allen hatten (20,3 PPG/Pierce 21,8), was mehr als 50% Trefferquote aus der Distanz eindrucksvoll zeigen. Und das wird, sofern er von Fisher verteidigt wird, dieses Jahr wieder so sein. Aber ist grad nicht Thema dieses Artikels. Dass du nicht geschrieben hast, dass alles so toll ist, weiß ich. Aber der Grundtenor des Artikels ist gegenüber Artest in diesem Jahr sehr positiv, was in meinen Augen angesichts der schwachen RS, durchschnittlichen Playoffs mit dem einen Buzzer-Beater (nach der vorher beschriebenen Aktion) und dem öffentlichen Rumgezetere, dass er zu wenig Würfe kriegt (so viel zum Thema, dass er weiß, dass er die dritte Geige spielt) eben anders ist.
Apropos Pistons-Pacers Brawl - ganz schlimme Geschichte. Mir stockt der Atem immernoch wenn ich das Video sehe…
Dennoch tut es gut, wenn man sieht, das eine Karriere wiederaufblühen kann, obwohl die Pacers Fans vermutlich Artest diesen Vorfall niemals verzeihen werden.
langweilige playoffs die letzten jahre? äää, kannst du dich nicht mehr an letztes jahr erinnern?
man muss wohl sagen, dass artest “glücksauftritt” in spiel 5 und sein zugegebenermaßen sehr gutes spiel 6 dazu beitragen ihn und sein gesamtpaket bisher (in den playoffs, als auch die saison als ganze) vielleicht “positiver” zu bwerten als es objektiv der fall war.
meine these: hätte artest den gamewinner nicht getroffen, so hättest du, dimi, diesen artikel (den ich gut zu lesen fand) wohl nicht geschrieben *gg*
Für manche bleibt das Glas einfach immer halb leer!
Natürlich kommt der Artikel etwas plakativ daher. Und natürlich hat Artest in der Offensive weniger gezeigt, als man sich in LA gewünscht hätte. ABER: 1. Dass er einen persönlichen Wandel vollzogen hat, spürt man in jeder Sekunde, die er am Feld steht (zB Übertriebenes Schlicht-Bemühen bei gröberen Auseinandersetztungen zwischen Spielern - Artest ist immer der erste zwischen den Antagonisten) 2. Seine HOCH-Zeit kommt in den späten PO und das ist genau die Zeit an der man sie sich wünschen würde - quasi perfektes Timeing. Hält sie während des Finales an (und das tut sie zumindest während des 1. Spiels), dann sind die Lakers von niemanden aufzuhalten.
Fazit: Der Erfolg den Artest in dieser Saison hatte ist schwierig in BBall-Stats auszudrücken, weil es mehr persönliche sind. Klar leistet er exzellente D-Arbeit und hi und da mal ein herzeigbares O-Spiel, allerdings gehts darum nicht. Er scheint angekommen zu sein, dort wo man bereit ist den Mist, den er verzapft hat, zu vergessen und ihn für aktuelle Leistungen mit Lob überschüttet und das ist nur möglich, weil er verstanden hat worum es geht - ein wahrlich großer Erfolg für jemanden, der so tief unten war.
jo, gestern abend sah es dann ja eher ….ziemlich mies aus.
1/10 aus dem feld…is eben genau das, was hier auch angesprochen wurde. wenn ich keinen schuss habe an einem abend und eh kein “shooter” bin, dann nehme ich nicht 10 würfe
Genau davor sind auch die Lakers nicht versichert. Wie ich es bereits im Artikel erwähnt habe, hat Artest diese Phasen und wird sie wohl für immer beibehalten.
Wollt ihr die Artest Akquisition abschliessend noch einmal eruieren nach seinen 20 Pts im entscheidenden 7. Spiel und Pierce’s 11 von 29 aus dem Feld in den letzten zwei ?
grüsse
nbachef