Ein Lichtblick im Dunkeln

Von: Malte Arndt

Rajon Rondo Es ist nicht leicht dieser Tage als Celtics-Fan. Häme allerorten, die das Ende der Big Three-Ära verkünden soll. Gruselige Heimniederlagen gegen die Suns oder Pacers. Übergewichtige, offenkundig sich nicht in Form gebracht habende Spieler. Wie schön, dass es wenigstens eine positive Nachricht aus Beantown zu übermitteln ist: Rajon Rondo macht den nächsten Schritt. (mehr…)

Mag sein, dass es mir gerade nur auffällt, weil der Rest der Celtics einfach grottig spielt (dazu gibt’s die Tage mehr) und Rondo der einzige Akteur ist, der so etwas wie Normalform aufweist (gut, Ray Allen vielleicht auch noch). Fakt ist jedenfalls, dass man bei Rondo wirklich das Gefühl hat, er habe den Schritt zum echten Teamleader vollzogen. Dass dabei seine Statistiken nicht unbedingt besser aussehen bzw. auf dem konstant hohen Niveau verharren, mag da vielleicht irreführend sein. Aber auch sie zeigen, dass er mehr Verantwortung übernimmt, wenn man sich detailliert mit ihnen auseinandersetzt.

Dann erkennt man zum Beispiel, dass er momentan das Vorurteil widerlegt, er könne nicht scoren. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass Scoring ohnehin nie das erste Attribut sein sollte, nach dem man einen Basketballer (und gerade Aufbau) beurteilt, sehe ich doch ein, dass diese Saison jeder Punkt, den Rondo beisteuert, bitter nötig ist. Jeder konventionelle Statistikbogen weist hier schon die Steigerung von 10,6 Punkten pro Spiel im Vorjahr zu einem Karrierebestwert von 15 Punkten pro Spiel (Nr. 2 im Team) aus. Das bemerkenswerte daran kann man aber im selben Statistikbogen finden: Er benutzt kaum mehr Würfe, um auf diese Punkteausbeute zu kommen (11,2 bislang, 9,9 im Vorjahr), sondern findet bedeutend öfter den Weg an die Freiwurflinie. Zwar verwandelt er hier immer noch unterirdische 60% seiner Versuche, aber er hat wenigstens keine Angst mehr, den direkten Weg zum Korb zu suchen und die Freiwürfe in Kauf zu nehmen.

Auch die relevanten Advanced Stats weisen in diesem Bereich überall Steigerungen aus: Die Usage-Rate (gibt an, wie viele Angriffe der Spieler selber abschließt) liegt auf einem Allzeithoch von ca. 23%, was zwar im Ligavergleich nicht viel sein mag, im Gegensatz zur Vorsaison und zum vorherigen Bestwert aber satten Steigerungen von 4,7% bzw. 2,8% entspricht. Seine TS% liegt bei (durch die Freiwurfquote bedingt) 55,5%, ebenfalls Karrierebestwert (vorher 54,3%). Umso erstaunlicher, da er sich öfter den eigenen Wurf erarbeitet, statt – wie früher – im Halbfeld nur noch weit offene Würfe zu nehmen (das erste mal in seiner Karriere werden weniger als 30% seiner Treffer vorbereitet), wobei diese kreierten Würfe äußerst effektiv genommen werden: Entweder direkt am Korb (bzw. vor allem da, denn 5,7 Wurfversuche am Ring sind ebenfalls Karrierebestwert) oder aus der Mitteldistanz, aus der er schon immer solide getroffen hat (mit Ausnahme der Saison 09/10) und momentan eine bessere Trefferquote aufweist als Derrick Rose, Tony Parker, Tyreke Evans, Raymond Felton oder vielen anderen Point Guards, denen man initial einen besseren Wurf als Rondo bescheinigen will. Positiv ist hierbei anzumerken, dass diese Saison auch verdächtig viele Würfe unmittelbar nach einem Pick and Roll erfolgen – sollte er hier Konstanz entwickeln und das Abtauchen der Gegner unter den Screen effektiv bestrafen, eröffnet sich für ihn plötzlich eine völlig neue Dimension.

Das Bild eines scorenden Rondos sieht man dieses Jahr öfter - zur Freude vieler Fans.

Das Bild eines scorenden Rondos sieht man dieses Jahr öfter - zur Freude vieler Fans.

So weit also zum Scoring. Dass seine Assists, wie es die reinen pro Spiel-Durchschnitte suggerieren, darunter leiden, ist wohl auch nur die halbe Wahrheit. Die Wurfmöglichkeiten, die Rondo nach wie vor generiert, werden nicht mehr so effektiv genutzt – wie die Regression sämtlicher Wurfstatistiken von Kevin Garnett, Paul Pierce oder Jermaine O’Neal verdeutlicht. Die Behauptung, er würde immer noch genauso viele offene Würfe kreieren, lässt sich mangels öffentlicher Zugänglichkeit des True Assist-Ratings nicht untermauern, liegt aber bei genauerer Betrachtung der Spiele nahe. Ebenso der Eindruck, dass Rondo tatsächlich aggressiv den Abschluss sucht, wenn er ein deutliches Mismatch hat, sich also voll aufs Punkten konzentriert und weniger darauf, möglichst viele Mitspieler in Szene zu setzen (was einen teilweise zur Weißglut treiben konnte).

Insgesamt wirkt das Spiel also reifer, Rondo scheint sich seiner Verantwortung und Rolle als Leader bewusst. Vielleicht lag es daran, dass Doc Rivers dieses Team öffentlich in die Hände von Rondo legte, was zuvor so nie der Fall gewesen ist. Man kann natürlich gute Argumente dafür finden, dass Rondo mit Garnett schon seit geraumer Zeit der Co-Leader dieses Teams ist (z.B. seit seinen fabelhaften Playoffs 2010), jetzt ist er es auch in der öffentlichen Wahrnehmung – und das völlig zurecht. Wie wichtig er für dieses Team ist, sieht man ohnehin in jedem Spiel, wenn er nicht dabei ist oder auf der Bank sitzt, während Spieler wie E’Twaun Moore den Aufbau lenken und die Celtics immer wieder Würfe am Ende der Schussuhr nehmen müssen, es schlägt sich aber auch in den Statistiken nieder – sei es in den Win Shares (innerhalb des Team zweiter in der Offense, geteilter erster in der Defense und Erster insgesamt), in den Player Wins (wo er deutlich vor Garnett rangiert) oder diese hübsche Statistik von 82games.com, die zeigt, dass es den Unterschied von (hochgerechnet) beinahe 20 Punkten (!!!) zwischen den Celtics mit und den Celtics ohne Rondo gibt. Mit anderen Worten: Es liegt bestimmt nicht an ihm, dass die Celtics derzeit im unteren Mittelfeld der Eastern Conference herumkrebsen und das ist ihm nach den ganzen Tradegerüchten sowie dem Verhalten von Danny Ainge doppelt und dreifach hoch anzurechnen.

(Photos by Keith Allison & Michaela Shipman | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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2 Kommentare zu „Ein Lichtblick im Dunkeln“

  1. Robin sagt:

    Mit Pittmann sind es bei Miami sogar +27 Punkte. Der Typ ist ein Tier :)
    http://www.82games.com/1011/1011MIA.HTM

    Aber Spaß beiseite…Was ist deine Einschätzung zu den Trade Gerüchten um Pierce?
    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen das BOS Rondo wirklich tradet…der Typ ist mit Lebron und Kidd eigentlich der einzige Spieler der mir einfällt, der wirklich jeden Abend für einen triple double gut ist.

  2. uli sagt:

    Erschreckend was aus Boston wieder geworden ist :(

    Wenn sie Rondo traden, machen sie einen weiteren entscheidenden Fehler !

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