Von: David Lorenz
Die Frage nach dem aktuell heimstärksten Team der gesamten Liga hat eine überraschende Antwort parat. Es sind die Memphis Grizzlies. Vergangene Nacht bezwang die Truppe von Headcoach Lionel Hollins im heimischen FedExForum die hochfavorisierten San Antonio Spurs mit 92:86 - der achte Heimsieg der Grizzlies in Folge (Franchise-Rekord). So oft hat momentan keine andere Mannschaft der NBA am Stück zuhause gewinnen können.
Doch das ist noch nicht alles. Mit einer Bilanz von 21 Siegen bei 18 Niederlagen stehen die Grizzlies aktuell auf Rang zehn in der Tabelle der Western-Conference. Lediglich ein Sieg trennt Memphis vom Tabellenachten, den Houston Rockets. Das Erreichen der Endrunde ist durchaus realistisch. Dabei wäre jeder, der vor der Saison die Grizzlies im Zusammenhang mit den Playoffs erwähnt hätte, wohl lauthals ausgelacht worden.
Wie sich die Zeiten doch ändern. Nach einem durch und durch verkorksten Start in die Saison (nur ein Sieg aus den ersten neun Partien) hat die Mannschaft aus dem Bundesstaat Tennessee eine eindrucksvolle Entwicklung durchlaufen. In der Folge wurden 20 von 30 Begegnungen gewonnen, die Mannschaft wuchs zusammen. Die vielen talentierten Einzelspieler formten schnell ein funktionierendes Kollektiv, in dem jeder seinen Aufgabenbereich kennt und für den Erfolg des Teams auf eigene statistische Höhenflüge verzichtet.
Der unrühmliche Abgang von Allen Iverson (Foto) zu Saisonbeginn hatte dabei eine Art Signalwirkung an die Mannschaft. Headcoach Hollins sprach der jungen Truppe damit sein Vertrauen aus und verzichtete bewusst auf den alternden All-Star, der mit seiner Anwesenheit lediglich Spielanteile der jungen Talente blockiert hätte. Es ist kein Zufall, dass der Aufschwung in Memphis nach Iversons Abgang begann. Die Truppe schwor sich zusammen und entwickelte mit ihrem Coach eine „jetzt zeigen wir es allen“-Mentalität. Hatten doch die so genannten Experten stets behauptet, mit Spielern wie Zach Randolph, Rudy Gay oder O.J. Mayo, von denen jeder nur nach seinen eigenen Wurfmöglichkeiten schauen würde, könne in Memphis nie und nimmer etwas heranwachsen. Hollins hat das wohl ganz bewusst eingesetzt, um seine Spieler zu motivieren.
Anstatt dass sich Randolph (Foto), Gay und Mayo in der Offensive gegenseitig behindern, ergänzen sie sich. Statt dass sie sich Würfe wegnehmen, haben sie Memphis zu einer unglaublichen Flexibilität im Angriff verholfen. Jeder der genannten kann in jedem Spiel 20 und mehr Punkte erzielen, im besten Fall alle drei zugleich. Das bekräftigen auch die Statistiken. Während der athletische Wingman Gay aktuell 20,1 Punkte (neben 6,1 Rebounds) pro Partie verbucht, erzielt Randolph, der reboundstarke Wühler unter den Brettern, 20,5 Zähler (neben 11,5 Rebounds) im Schnitt. Scharfschütze Mayo liegt mit 18,2 Punkten pro Begegnung nur knapp dahinter.
Komplettiert wird die starke Erste Fünf mit Center Marc Gasol (Foto) und Point-Guard Mike Conley. Gasol ist aktuell ein ganz heißer Anwärter auf die Auszeichnung zum „Most Improved Player of the Year“. Der Spanier überzeugt mit einem äußerst soliden und überlegten Spiel, offensiv wie defensiv. Dank 14,7 Punkten und 9,7 Rebounds pro Partie bildet er zusammen mit Randolph einen der gefährlichsten Frontcourts der Liga.
Conley wiederum ist unbestritten talentiert und weist mit 10,3 Punkten und 4,9 Vorlagen im Schnitt auch durchaus ansprechende Statistiken auf. Dennoch ist bei dem Spielgestalter noch viel Raum für Verbesserrungen vorhanden. So wirft Conley als Point-Guard beispielsweise zu häufig selbst auf den Korb (rund zehn Würfe pro Partie), anstatt dass er seine Nebenleute öfter in Szene setzt. Doch mit nur 22 Jahren bleibt Conley noch jede Menge Zeit, sein Spiel zu verbessern.
Aktuell sind die Memphis Grizzlies für jedes Team der Liga ein äußerst unangenehmer Gegner, vor allem zuhause. Die Elite-Teams des Westens müssen sich warm anziehen, denn die ohnehin schon äußerst ausgeglichen besetzte Conference ist um eine weitere starke Mannschaft reicher.
Schlagworte: Allen Iverson, Lionel Hollins, Marc Gasol, Memphis Grizzlies, Mike Conley, O.J. Mayo, Rudy Gay, San Antonio Spurs, Zach Randolph




In der laufenden NBA-Saison konnten bereits mehrere Teams mit einer erfreulichen Entwicklung überraschen. Seien es die Oklahoma City Thunder, die Houston Rockets oder die Charlotte Bobcats. Am wenigsten war jedoch mit den notorisch erfolglosen Memphis Grizzlies
In der Offensive, wie du schon richtig erwähnt hast, läuft es nahezu reibungslos. Im Ranking von J. Hollinger für die effizienteste Offensive rangiert Memphis auf einem soliden 10 Platz. Noch vor Größen wie Mavericks, Lakers oder den Jazz.
Negativ anzumerken ist die Verteidigung (Platz 24).
Interessant ist auch der Vergleich auf der Seite 82games.com mit anderen Teams. So bestehen 59% der Grizzlies Würfe aus Jumpern. Die Quote beträgt jedoch magere 41,9% (3er + 2er). Im Vergleich nimmt Portland (Platz 5 eff. Rating) 69% Jumper. Treffen dabei deutlich besser aus dem Feld (45,9%). Was ich damit sagen will, dass die Grizzlies ihre Schwächen erkannt haben (der schwache Jumpshot) und ihre Jumper reduziert haben. Evtl. könnte man diesen Wert noch weiter drücken.
Sowohl Randolph als auch Gasol verfügen über ausgezeichnete Post-Moves. Nicht verwunderlich, dass Memphis oft in der Zone den Abschluss sucht (32%, Im Vergleich Portland nur 23%).
Respekt an die Trainer, die eine Lösung gefunden und die Offensive der Grizzlies enorm verbessert haben.
Was mich auch sehr verwundert hat, dass viele immer wieder behaupten haben, dass Randolph kein guter Verteidiger sei. Laut den Statistiken (82games) ist er, neben Gasol, der beste Verteidiger auf seiner Position.
Schwierigkeiten haben die Grizzlies anscheinend mit den gegnerischen Small Forwards. Denn die, so 82games, richten den meisten Schaden an. Rudy Gay ist zwar für seine Offensive bekannt, in der Verteidigung muss er allerdings ne Schippe drauflegen.
ich liebe die grizzlies und freue mich, dass es endlich aufwärts geht! nur schade, dass sie im westen spielen..für die playoffs wird es am ende warsch. nicht reichen…wenn sie das team zusammenhalten ist aber im nächsten jahr vllt. was drin…ein glückliches händchen beim draft und die sache läuft
Eben Heimsieg Nummer neun eingefahren, gegen die Suns. Nicht schlecht.
@ Dimi: Danke für die Statistiken. Bei Randolph hab ich immer das Gefühl, dass fast alles bei ihm von seiner Motivation abhängt. Aber er ist in meinen Augen einer der besten Rebounder der Liga, am Offensiv-Rebound vielleicht sogar der Beste überhaupt.
Interessanter Artikel über die Grizzlies und ihren “Stat-Guy”.
Also die Coaches machen ihren Job wirklich sehr gut.
http://espn.go.com/blog/TrueHoop/post/_/id/12407/the-grizzlies-stat-geek-speaks