Von: David Lorenz
Jason Kidd ist in diesem Sommer zu beneiden.
Zwar wird der Point-Guard ab der kommenden Spielzeit keine 21,4 Millionen US-Dollar jährlich mehr verdienen, doch hat er die Möglichkeit, als Free Agent bei einem Club seiner Wahl zu unterschreiben.
Bei seinem aktuellen Arbeitgeber, den Dallas Mavericks, verließ man sich bisher auf die Aussagen Kidds, auch weiterhin für den Verein spielen zu wollen, der ihn 1994 an zweiter Stelle im Draft verpflichtete.
Doch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt der Saison, dem hart umkämpften Schlussspurt um die Playoff-Platzierungen, werden Gerüchte laut, der 36-Jährige könnte sich anders entscheiden. Denn interessant ist Kidd für so ziemlich jeden Verein der Liga. Für relativ wenig Geld würde der Veteran jedes Team auf der Point-Guard Position verstärken. Und sei es von der Bank kommend.
Ganz konkretes Interesse äußerten in den vergangenen Tagen die Los Angeles Lakers und die Cleveland Cavaliers. Dort stehen mit Kobe Bryant und LeBron James zwei Mitspieler von Kidd aus der US-Nationalmannschaft im Kader. Zu beiden pflegt er eine innige Freundschaft. Zudem hätte er im Gegensatz zu den schwächelnden Mavericks in Kalifornien oder Ohio durchaus die besseren Karten, auf seine alten Tage noch einen Championship-Ring abzustauben.
So richtig heizte Kidd die Gerüchteküche am vergangenen Sonntag selbst an, als er sich nach der deutlichen 74:102-Klatsche seiner Mannschaft gegen die Cavaliers zu einem Kommentar über seine Zukunft hinreißen lies: „Neben LeBron zu spielen ist durchaus eine Option für mich. Ich könnte hier in Cleveland auf der Bank sitzen und seinem außergewöhnlichen Spiel zusehen. Er ist so talentiert, er verschafft jedem Mitspieler auf dem Feld offene Würfe. Ich werde im Sommer schauen, wohin mich mein Weg führen wird.“
Noch lauter dürften bei Mark Cuban & Co. die Alarmglocken geschrillt haben, als er sich konkret über seine Kontakte zu James und Bryant äußerte: „Wenn einer von beiden demnächst bei mir anrufen würde, wäre es wirklich schwer, den Hörer nicht abzunehmen.“
Für die Lakers würde neben der Freundschaft zu Bryant die Tatsache sprechen, dass Headcoach Phil Jackson ein bekennender Fan von Kidd ist und in seiner Karriere als Trainer immer auf große, erfahrene Aufbauspieler setzte.
Dallas hätte gegen ein konkretes Angebot aus Cleveland oder Los Angeles eher schlechte Karten. Wenn Kidd dort das gleiche Geld wie in Texas verdienen könnte, wäre die weitaus bessere sportliche Perspektive sicher ein überzeugendes Argument für einen Vereinswechsel.
Die Mavericks hätten dann für 1,5 erfolglose Jahre mit dem achtfachen All-Star den zehn Jahre jüngeren Devin Harris und die Erstrunden-Draftpicks aus den Jahren 2008 (Ryan Anderson) und 2010 an New Jersey abgegeben. Selbst Cuban könnte dann nicht mehr, wie bisher vehement geschehen, den Trade als Gewinn für die Mavericks verkaufen.
Für Dallas wäre es zudem ein Ding der Unmöglichkeit, im Sommer einen adäquaten Ersatz auf der Aufbauposition zu finden. Das gesamte Spiel der Mavericks ist bereits auf Kidd zugeschnitten. Im Angriff verfügt er über die alleinige Entscheidungsgewalt eines jeden Spielzuges. Wie sich die Mannschaft ohne ihren Spielführer präsentiert, konnte man vergangene Woche während der 101:103-Heimniederlage gegen die Denver Nuggets sehen: Über weite Strecken ohne Durchschlagskraft und mit wenigen Ideen im Angriff. Durch einen Abgang Kidds müsste das Team in der nächsten Saison die komplette Spielweise ändern und es käme unweigerlich zu einem Schnitt.
Schaut man auf die Bilanz der vergangenen 14 Monate, wäre ein Neuanfang vielleicht nicht der schlechteste Weg. Doch durch den Qualitätsverlust und fehlenden Alternativen auf dem Transfermarkt würde Dallas der Abstieg aus dem gesicherten Mittelfeld in die unteren Regionen der Liga drohen.
Schlagworte: Cleveland Cavaliers, Dallas Mavericks, Denver Nuggets, Devin Harris, Jason Kidd, Kobe Bryant, LeBron James, Los Angeles Lakers, Mark Cuban, New Jersey Nets, Phil Jackson, Ryan Anderson





So leid es mir für Nowitzki tun würde, ist denke ich ein Rebuild unvermeidlich. Das Team ist einfach nicht homogen genug zusammengestellt, es fehlt der Frontcourt, hat eine schwache Defense, außerdem sollten Teams nicht von ihren Jumpern abhängig sein. Deshalb neu starten und nicht so viele “Kader-Fehler” begehen.
@ gses: Die Frage wäre dann, ob der Neuanfang mit oder ohne Nowitzki stattfinden sollte. Aus meiner Sicht hat Dallas ein paar Spieler im Kader, auf die man durchaus bauen könnte. Singleton, Bass und Hollins beispielsweise.
Die Kunst würde darin bestehen, für Josh Howard einen Shooting-Guard oder Small-Foward von Format einzutauschen, was aber durch die langen Verletzungspausen Howards schwer werden dürfte. Dampiers Wahnsinns-Vertrag läuft 2010 aus. Neben den auslaufenden Verträgen von Kidd und Stackhouse (nächste Saison nur rund 2 Millionen US-Dollar garantiert) hätten die Mavericks dann ordentlich Cap-Space zur Verfügung, um einen dicken Fisch zu verpflichten. Die Wirtschafts-Krise betrifft Dallas nicht so stark wie andere Teams, dank dem immer noch üppigen Privat-Vermögen von Mark Cuban (was er auch ins Team investieren würde).
Die letzte und wichtigste Frage wäre dann, ob es einen Spieler von Superstar-Format in der Liga gibt, der für Dallas spielen würde.
Nowitzki hat ja schon mal anklingen lassen, dass er für einen weiteren Star auf Geld verzichten würde.
Ich bin der Ansicht, dass Dallas in den sauren Apfel beißen muss und mit einem Rebuild schon diesen Sommer beginnen muss. Nowitzki und Kidd sollten mMn das Team verlassen. Dirk wird in den nächsten zwei bis drei Jahren bei den Mavs nichts mehr gewinnen können.
Ich würde den Plan, 2010 einen Star zu verpflichten bei gleichzeitiger freiwilliger Gehaltseinbuße Nowitzkis noch nicht ganz verwerfen.
Ob Kidd dann allerdings noch in Dallas spielt, glaube ich nicht. Das würde heißen, neben der Center und der Shooting-Guard-Position würden die Mavericks auch einen neuen Spielgestalter benötigen. Und da fällt mir auf Anhieb niemand ein. Raymond Felton eventuell, doch er ist in meinen Augen eher ein Shooting-Guard.
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