Orlando Magic: Wer ersetzt Rashard Lewis?

Von: Dmitrij Karle

Rashard Lewis

Rashard Lewis (Foto), Forward der Orlando Magic, wurde jüngst für zehn Spiele suspendiert, da er gegen das Antidoping-Programm der NBA verstoßen hatte. Das Team verliert somit zum Saisonstart einen wichtigen Spieler. Birgt dieser Tatbestand mögliche Folgen oder Risiken für Orlando? Oder kommen die Magier mit einem Schrecken davon? (mehr…)

Am vergangenen Donnerstag gab die NBA offiziell bekannt, dass Rashard Lewis des Dopings überführt wurde und er eine Sperre von zehn Spielen abzubrummen hat. Eine chemische Verbindung namens „DHEA” (Dehydroepiandrosterone) rief bei Lewis einen erhöhten Testosteronspiegel hervor. DHEA steht in fast allen Sportligen auf der schwarzen Liste der verbotenen Substanzen, obwohl man es in jeder Apotheke legal erwerben kann.

Larry Bowers, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der US-amerikanisches Anti-Doping-Agentur, erklärte kürzlich, dass der Stoff DHEA, während eines komplexen chemischen Prozesses Cholesterin in Testosteron umwandelt. Meistens wird das Mittel von älteren Menschen eingenommen, da das Produkt einen gesunden und wohltuenden Alterungsprozess verspricht. Experten sind der Ansicht, dass DHEA diesen sogar verlangsamen könne. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen u.a. Akne, erhöhte Aggressivität oder Haarausfall.

3620745412_a7a8ed9a22_b(Rashard Lewis | Photo by lubright | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Vom Chemieunterricht kommen wir nun zu der eigentlichen Fragestellung: Wie verkraften die Orlando Magic den Ausfall von Rashard Lewis?
Erstens ist zu sagen, dass die 10-Spiele-Sperre sich nur auf die reguläre Saison bezieht. Heißt: Lewis darf im Trainings-Camp mit der Mannschaft trainieren und verpasst kein einziges Spiel der NBA-Preseason.

Die ersten zehn Partien der Magic finden jeweils fünf Mal in eigener und fünf Mal in fremden Hallen statt. In den Sieben der ersten zehn Begegnungen treffen die Magic auf Mannschaften, die eine negative Bilanz am Ende der vergangenen Saison vorzuweisen hatten. Gegen diese Teams konnte die Mannschaft um Headcoach Stan Van Gundy in der Saison 2008/2009 satte 68 Prozent ihrer Spiele gewinnen.

Auf der anderen Seite war man gegen die Detroit Pistons in der letzten Saison chancenlos und verlor alle drei Begegnungen. Gegen die Mannschaft aus „Motor City” wird Orlando im dritten Auswärtsspiel der Saison (3. November) antreten müssen, bevor man sie drei Tage darauf in der eigenen Halle empfängt. Lewis steuerte in den drei Begegnungen gegen Detroit Richard Hamilton23, 10 und 21 Zähler bei. Trotzdem reichte es nicht zu einem Sieg seiner Mannschaft. Das Problem der Magic war stets eine schwache Verteidigung gegnerischer Schützen von außen, die es u.a. Richard Hamilton (Foto) erlaubte, ungehindert an seine Punkte zu kommen. Auch Rodney Stuckey konnte in den drei Partien gegen die Magic überzeugen. Und da sich Detroit mit einem weiteren Top-Schützen in Person von Ben Gordon verstärken konnte, wird es Orlando gegen die Pistons nicht einfach haben. Zudem wurde mit Courtney Lee ein junger und verteidigungsstarker Spieler abgeben. Wie gut Neuzugang Vince Carter in der Verteidigung mit dem Rest der Mannschaft harmonieren wird, ist ebenfalls noch nicht abzusehen.

Dwight HowardAm 11. November statten „King James” und „Shaq” den Magic einen Besuch ab. Hier wird Lewis’ Sperre besonders weh tun, weil die vergangenen Playoffs gezeigt haben, dass der 30-jährige Combo-Forward das Feld mit seinem Wurf auseinanderziehen kann, um so Platz für Dwight Howard (Foto) unter dem Korb zu schaffen. Zumal ein weiterer starker Dreipunkteschütze in Person von Hedo Turkoglu nicht mehr in Reihen der Magic steht. Zwar verfügt Orlando immer noch über solide Werfer wie Carter (Karrierewert von der Dreierlinie: 37%), Jameer Nelson (39%) oder J.J. Redick (38%), doch bleibt abzuwarten, wie die Genannten ihre freien Räume in der Offensive nutzen können, wenn Lewis und Trukoglu nicht mehr auf dem Parkett stehen.

Ryan AndersonWer für Lewis als Ersatz in die Bresche springen wird, bleibt vorerst fraglich. Mit Ryan Anderson (Foto) und Brandon Bass stehen zwei Spieler bereit, die eher in die „Power-Forward Schublade” gesteckt werden können. Anderson genießt dabei den Größenvorteil mit 2,08 Meter über Bass mit 2,03 Metern Körpergröße. Außerdem verfügt der frühere Nets-Akteur Anderson über ein vielseitigeres Offensiv-Arsenal als Bass. Das hat der 21-jährige Sophomore während der Summer-League in Orlando unter Beweis gestellt, als er mit 21 Punkten im Schnitt glänzen konnte (Trefferquoten: 49 Prozent aus dem Feld, 41 Prozent von der Dreierlinie). Bass, der als Free-Agent von den Dallas Mavericks nach Orlando kam, ist offensiv zu limitiert, um Lewis gleichwertig ersetzen zu können. Das Kraftpaket ist ein solider Rollenspieler, der von der Bank kommend seine Mannschaft am besten unterstützen kann. Aus diesem Grund könnte Anderson mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in die Rolle des startenden Power-Forwards für Lewis schlüpfen.

Matt BarnesZusätzlich verfügt Orlando über zwei solide Swingmen, die sich Hoffnungen auf einen Starter-Job machen dürfen. Das ist zum einen Matt Barnes (Foto), der die vergangene Saison bei den Phoenix Suns unter Vertrag stand und als Free-Agent für zwei Jahre nach Orlando wechselte, und zum anderen, kein Unbekannter mehr, der Franzose Mickael Pietrus.

Beide Spieler ähneln sich sehr in ihrer Spielweise. Barnes und Pietrus sind überdurchschnittlich athletisch und haben ein Näschen für die Verteidigung. In der Offensive leben sie meistens vom Dreipunktwurf oder dem Fastbreak. Was fehlt ist das Erarbeiten von Würfen für sich selbst, denn beide sind fast reine Spot-Up-Schützen. Zum legitimen NBA Starter fehlt allerdings nicht viel. Lediglich an etwas konstanteren Auftritten haben beide noch zu arbeiten.

Barnes spielte zudem in Golden State hin und wieder auch auf der großen Forward-Position. Somit könnte er diese Rolle auch in Orlando phasenweise übernehmen. Mit seinem aggressiven und energiegeladenen Spiel kann der 29-Jährige zudem fehlende Zentimeter Körpergröße wettmachen.

Pietrus dürfte gegenüber Barnes dennoch leicht die Nase vorn haben. Er kennt nun das System von Van Gundy und hätte somit weniger Probleme als Starter für Lewis aufzulaufen. Barnes wäre dagegen der perfekte Ersatz von der Bank.

Mickael Pietrus(Mickael Pietrus | Photo by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Wenn Lewis wieder da ist, kann er sowohl auf der Vier als auch auf der Drei starten. Spielermaterial ist vorhanden. Es ist nun die Aufgabe der Coaches, eine harmonische Balance zwischen der Starting-Five und den Ersatzspielern herzustellen. Vieles hängt auch davon ab, ob Anderson oder Bass das Zeug dazu haben, auf der Vier konstante Leistungen zu bringen. Dann würde Lewis nämlich auf die Drei ausweichen. Geht es schief, wird Lewis wie gewohnt die Position des Power Forwards bekleiden. Pietrus wäre dann auf der Drei gesetzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Orlando Magic auf dem Papier den Ausfall von Lewis sicherlich mehr als abdämpfen können. Nichtsdestotrotz wird Stan Van Gundy ein etwas abgeändertes Offensiv-System erstellen müssen. Weiterhin sollte man die ersten Preseason-Spiele abwarten, um festzustellen, auf welchen Level Carter, Anderson und Bass in der neuen Mannschaft agieren können. Wichtig für Orlando sind ihre Dreipunktewürfe. Fallen diese, so hat man exzellente Chancen, das Feld als Sieger zu verlassen. Ist das nicht der Fall, wird Dwight Howard in der Zone Probleme bekommen. Früher übernahmen Lewis und Turkoglu die Verantwortung in wichtigen Situationen. Wer wird es dieses Mal sein?

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentieren