Quo vadis, Dallas?

Von: David Lorenz

Erick DampierWas ist bloß los mit den Dallas Mavericks? Nach 13 Siegen in Folge setzte es aus den vergangenen vier Begegnungen drei zum Teil überdeutliche Niederlagen. Von der ehemals starken Verteidigung und einer ausgeglichenen Offensive war zuletzt nichts mehr zu sehen. Das Team von Headcoach Rick Carlisle wirkt in der wichtigsten Phase der regulären Saison verunsichert und kraftlos. Eine Analyse. (mehr…)

94:128 gegen die New York Knicks, vor heimischem Publikum. 93:102 gegen die Boston Celtics, ebenfalls zuhause. 99:115 bei den New Orleans Hornets. Resultate einer Spitzenmannschaft sehen anders aus. Unterbrochen wurden die Niederlagen lediglich von einem 113:106-Sieg über die Chicago Bulls, die mit Derrick Rose und Joakim Noah auf ihre beiden besten Spieler verzichten mussten und zuvor acht Spiele in Folge verloren hatten.

Jede Top-Mannschaft der NBA gibt im Laufe der regulären Saison auch Begegnungen gegen vermeintlich schwächere Gegner ab. Jedoch nicht in der Art und Weise wie aktuell die Mavericks.

Was also läuft schief in Dallas?

Die jüngsten Probleme der Mavs ziehen sich durch alle Mannschaftsteile und fördern längst überwunden geglaubte Schwächen zutage. Das Team wirkt in diesen Tagen ähnlich lethargisch wie noch vor dem Blockbuster-Trade, der Caron Butler und Brendan Haywood nach Dallas brachte und alle Sorgen der Mannschaft in Rauch aufzulösen schien.

Beispiel Jason Kidd. Der 37-jährige Veteran spielte sich nach dem All-Star-Break in einen absoluten Rausch, er schien beflügelt vom personellen Umbruch der Mavericks und zeigte phasenweise Leistungen wie zu seinen besten Zeiten in New Jersey. Kidd war es, der seine Mitspieler nach dem Leistungstief vor dem All-Star-Wochenende zur Besinnung rief und mit gutem Beispiel auf dem Parkett voranging. Doch zuletzt war von Kidds Führungsqualitäten wenig zu sehen. In keiner der vergangenen vier Partien erreichte der Point-Guard seinen Assists-Durchschnittswert der laufenden Saison, gegen Chicago blieb er sogar ganz ohne Punkte.

Beispiel Caron Butler. In den drei Niederlagen der Mavericks lieferte der zweifache All-Star teils katastrophale Leistungen ab. Gegen New York, Boston und New Orleans verbuchte der umfunktionierte Shooting-Guard im Durchschnitt nur 12,0 Punkte und verwandelte dabei lediglich zehn seiner 33 Versuche aus dem Feld. Eine Alternative in der Offensive zu Dirk Nowitzki sieht anders aus.

In der laufenden Saison mit 24,9 Punkten und 7,7 Rebounds pro Partie: Dirk Nowitzki

In der laufenden Saison mit 24,9 Punkten und 7,7 Rebounds pro Partie: Dirk Nowitzki

Beispiel Brendan Haywood und Erick Dampier. Das Center-Duo der Mavericks macht aktuell körperlich alles andere als einen fitten Eindruck. Haywood, im Februar noch knapp mit einem Double-Double im Durchschnitt, erzielte nach seinen überstanden geglaubten Rückenbeschwerden in den vergangenen vier Partien lediglich 20 Punkte und 22 Rebounds. Dabei kam er in keiner Begegnung länger als 26 Minuten zum Einsatz - ein Anzeichen für Verschleißerscheinungen? Center-Kollege und Backup Dampier liefert derweil ähnlich bescheidene Leistungen ab. Nach seiner Fingerverletzung kam der 2,11-Meter-Koloss in den vergangenen fünf Partien auf durchschnittlich 2,4 Punkte und 3,0 Rebounds.

Beispiel Dirk Nowitzki. Dallas’ Superstar zeigte von den erwähnten Akteuren zuletzt mit Sicherheit noch die besten Leistungen. Doch es bleibt unbegreiflich, warum Nowitzki offensiv nicht mehr Verantwortung übernimmt. Ausgeglichenheit im Angriff hin oder her, der Power-Forward muss häufiger die Initiative übernehmen, vor allem, wenn Nebenleute wie Butler kein Scheunentor treffen. Nowitzki nahm vergangene Nacht gegen New Orleans nur 12 Würfe aus dem Feld, von denen er starke acht verwandeln konnte. Gegen Boston waren es 19 (11 Treffer), gegen Chicago 16 (zehn Treffer) und gegen New York 13 (fünf Treffer). Wenn Dallas wie in den vergangenen Partien offensiv derartige Probleme bekommt, Nowitzki jedoch hochprozentig trifft, muss er häufiger werfen. 20 bis 25 Mal pro Begegnung. Da fehlt ihm das gewisse Quäntchen an Eigensinnigkeit, das beispielsweise einen Kobe Bryant auszeichnet. Nowitzki muss den Ball vermehrt fordern und offensiv Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig muss die Spielgestaltung Nowitzki häufiger in Szene setzen, anstatt den Ball einem eiskalten Butler zuzuspielen. Hier ist auch Headcoach Rick Carlisle gefordert.

Für Dallas wird es jetzt allerhöchste Zeit, den Schalter wieder umzulegen. Trotz der jüngsten Negativ-Serie ist sogar der zweite Platz in der Tabelle der Western-Conference nach wie vor in Reichweite. Allerdings machen gleichzeitig die Utah Jazz vom vierten Platz aus mächtigen Druck. Bereits heute Nacht kommen die Clippers aus Los Angeles ins American Airlines Center zu Dallas. Im Anschluss geht es nach Portland und Golden State, ehe die Denver Nuggets zum eventuell vorentscheidenden Spiel um Rang zwei in der Western-Conference Texas beehren.

Die Mavericks müssen nun mangelnde Intensität und fehlende Konzentration aus ihrem Spiel verbannen. Wenn eine gute Ausgangslage für die Playoffs nicht verspielt werden soll, muss die Mannschaft endlich aufwachen. Jetzt.

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare zu „Quo vadis, Dallas?“

  1. medispolis sagt:

    Das fasst die Lage bei den Mavs wunderbar zusammen, Kompliment für den Artikel. Die Saison ist sowieso eine Achterbahnfahrt gewesen, von daher hoffe ich inständig, dass sie demnächst wieder eine Serie starten. Vielleicht kommen sie wieder in Form gerade rechtzeitig zum Spiel gegen Denver.

  2. Mattes sagt:

    Es stimmt zwar, dass die bisherige Saison sehr wechselhaft für Dallas war, trotzdem muss man “die Kirche mal im Dorf lassen”.
    Nach drei Niederlagen aus vier Spielen (+ einem Sieg letzte Nacht) von einer “verunsicherten und kraftlosen” Mannschaft zu sprechen, halte ich für etwas übertrieben. Das wird dann noch durch eure Aussage getoppt, dass kein anderes Topteam eine “in der Art und Weise” vergleichbare Schwächephase hatte - Naja! Ich weiß ja nicht. Das klingt für mich eher nach Boulevard-Journalismus :-)

    Ist aber kein echter Vorwurf an euch. Ihr leistet wirklich gute Arbeit und ich freue mich jeden Morgen auf die aktuellen Berichte und Analysen - also weiter so.

  3. David Lorenz sagt:

    @ Mattes: Der von Dir zitierte Satz bezog sich vor allem auf das New-York-Spiel. Mit über 30 Punkten Differenz zuhause von einem Underdog verprügelt zu werden, ist meines Wissens nach in dieser Saison bislang keinem Spitzenteam passiert. Vor allem nicht nach einer solchen Siegesserie wie der von Dallas.

    Wie gesagt, die Niederlagen an sich waren nicht so tragisch, sowas kommt vor. Die Art und Weise war der springende Punkt, da hat phasenweise wirklich nichts mehr gepasst.

  4. Snowfox sagt:

    Ich hab irgendwie das Gefühl dass man gegen die Knicks absichtlich verloren hat und Kräfte gespart hat, weil eine Niederlage gegen einen Underdog ist eher zu verkraften wie gegen die Nuggets,

Kommentieren