Tracy McGrady - Letzte Chance

Von: Dmitrij Karle

tracy_mcgrady_1Tracy McGrady (Foto) ist zurück. Nach über fünf Jahren bei den Houston Rockets, einem kurzen Abstecher in New York bei den Knicks und unzähligen Knieproblemen läuft der 31-Jährige in der kommenden Spielzeit für die Detroit Pistons auf. Der einstmalige NBA-Superstar unterschrieb vergangenen Montag einen Einjahresvertrag, der ihm 1,3 Millionen US-Dollar einbringen wird. Ein Kommentar. (mehr…)

Auf der vorgestrigen Pressekonferenz sahen wir den alten T-Mac, der immer noch in eine Leere blickt, als hätte ihn erst kürzlich jemand aufgeweckt und ihm gesagt, dass er schleunigst aufstehen solle, da noch eine wichtige Mitteilung auf dem Programm des alternden Stars steht. Er ist ein ruhiger Typ und lässt sich den Stress kaum anmerken.

Er schien erfreut zu sein, dass die Pistons, und allen voran ihr General Manager Joe Dumars, dem siebenmaligen NBA All-Star eine neue Chance gegeben haben. Denn nicht viele waren dazu bereit. Immer noch glauben genügend Menschen, dass Tracy McGrady, die neue Nummer Eins der Pistons (auf dem Trikot jedenfalls), nie wieder an frühere Tage bei den Rockets, geschweige denn in Orlando anknüpfen kann.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass der Shooting-Guard aus Bartow, Florida, ein anderer Spieler und Mensch im Laufe der Jahre geworden ist. Selbstverständlich ist das Vorgehen der Pistons mit einem gewissen Risiko verbunden. McGrady ist schließlich nicht mehr der Jüngste, seine Statistiken fielen rapide (auch aufgrund von Verletzungsproblemen). Ferner werfen teaminterne Querelen in Houston mit Head-Coach Rick Adelman kein gutes Licht auf ihn. In den vergangenen zwei Jahren war er lediglich in der Lage, 65 Partien zu absolvieren. Sein Körper schien für die große Bühne nicht mehr geschaffen. Während seiner 13 Jahre in der NBA warfen ihn immer wieder kleinere und größere Verletzungen aus der Bahn.

unbenannt3McGrady selbst war der Ansicht, dass sein Rehaprogramm hervorragend verlief und er körperlich wieder voll genesen ist. Die Athletik früherer Tage hat sich längst verabschiedet. Und ohne diese ist T-Mac (fast) hoffnungslos verloren. Aber das passiert mit Spielern, die erstens direkt von der High-School in die NBA wechseln (Draft 1997, Pick #9), ohne das nötige fundamentale Wissen, das man in College hätte erlernen können. Und zweitens sich dann nur noch auf ihre herausragende Athletik verlassen, die mit den Jahren schwindet. Und wenn man dazu noch einen eher mittelmäßigen Wurf im eigenen Repertoire besitzt (43 Prozent Karrierewert aus dem Feld), sieht es für einen Altstar in dieser Liga nicht gerade rosig aus.

Gut, die 1,3 Millionen US-Dollar wird Dumars leicht verschmerzen können. Ob die Verpflichtung jedoch aus sportlicher Sicht einschlägt, wage ich zu bezweifeln. Denn Detroit hat auf dem Flügel noch reichlich Potential (Ben Gordon, Richard Hamilton, Tayshaun Prince und Austin Daye), das sich um die Minuten auf dem Parket streiten wird. Es wurde oft gemunkelt, dass Hamilton die Pistons verlassen könnte. Momentan sieht es tatsächlich so aus als wäre er das fünfte Rad am Wagen. Doch ich würde weiterhin an ihm festhalten. Hamilton ist zwar kein Über-Athlet und schon stolze 32 Jahre alt, doch in ihm stecken noch einige Jahre qualitativ hochwertiger Basketball. Der Unterschied zu “The Big Sleep” ist wie Tag und Nacht.

Die Zeit wird zeigen, ob McGrady in Detroit wieder aufblühen und Spielen seinen Stempel aufdrücken kann. Es ist eine weitere Geschichte eines alternden NBA-Stars, der einfach nicht loslassen kann und will. McGrady hatte seine Zeit. In meinen Augen sollte man auch wissen, wann es genug ist.

(Photo by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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9 Kommentare zu „Tracy McGrady - Letzte Chance“

  1. Sören sagt:

    Gut und schön, aber der letzte Satz passt nicht. T-Mac ist erst 31 Jahre alt. Also der hat noch ein paar Jahre vor sich - siehe Grant Hill.

  2. Mattes sagt:

    Die Pistons gehen mit diesem Trade doch keinerlei Risiko ein. Für das Gehaltsminimum tut McGready doch wirklich nicht weh. Und sollte er wider Erwarten starke Leistungen (bzw. mit soliden Leistungen wäre man wohl in Detroit auch schon zufrieden) bringen, kann man sich auf die Schulter klopfen. In Chicago schien man ja mit der Leistung beim Work Out auch ganz zufrieden gewesen zu sein. Dort hatte T-Mac wohl einfach nicht ins Spielsystem gepasst.

    Einzige Gefahr könnte die Persönlichkeit von Tracy sein. Ob er bereit ist von der Bank zu kommen? Wie wird er sich ins Team einbinden? In dieser Hinsicht könnte der Trade noch einige Auswirkungen haben.
    Da die Pistons in der nächsten Saison aber ohnehin um die goldene Ananas spielen, ist auch das nicht wirklich gefährlich…

    Danke für den guten Bericht. Wie immer sehr informativ und schön zu lesen!
    Gruß
    Mattes

  3. Michael sagt:

    Eigenartiger Artikel … Zum einen stimme ich dir zu, dass McGradys Körper im letzten Jahrzehnt deutliche Schwächen offenbart hat, dass er bestimmte persönliche Züge besser verstecken hätte sollen und dass es noch andere Gründe gibt, warum man sich als GM gedanken machen sollte (Spielweise usw.). Allerdings nimmt sein Wille weiter zu machen noch keine grotesken Züge an. Ich kann gut nachvollziehen, dass er sich, und wer weiß wem noch, noch etwas beweißen möchte. Immerhin war er ja ewig lange verletzt. Mal sehen ob es ihm ähnlich geht, wie Grant Hill. Zu wünschen wäre es ihm. Da zeig ich ein wenig Mitleid, aber wie toll kann es denn bitte sein, wenn man als Profi-Sportler dauerverletzt ist.

    Da gehen unsere Meinungen eventuell auseinander. Ich finde ja auch Shaq als Big Goblin keinesfalls lächerlich. Bei Shaq ist es eventuell was anderes. Da er ja Center ist und da immer chronischer Mangel besteht. TMac könnte uns eine andere, neue Seite zeigen. Wäre doch super, oder?!

  4. Torpedo_X sagt:

    Also ich sehe das überhaupt nicht wie der Autor.
    Gerade in Hinblick auf Mcgradys Alter(31) und die langen Verletzungen finde ich es mehr als nur angebracht, sofern er sich gut fühlt, dass ein Spieler nochmal versucht es sich zu beweisen und ein Comeback in Angriff nimmt. Hinzu kommt das er zwar keine überragende Qoute aus dem Feld hat - sich aber hinzustellen und zu sagen das er praktisch über keinen Basketball IQ verfügt und ihm die fundamentals fehlen die er auf dem College gelernt hätte!!! Finde ich doch sehr weit hergeholt.

    Aus dem Stehgreif findest zu zig Spieler die am College waren und nicht die Hälfte des Bball IQ’s von McGrady haben. Ich meine mal ehrlich - der Typ war lange Zeit einer der besten Basketballer der Welt, hat sich jeden Abend mit doube und triple Teams rumgeschlagen und jahrelange Erfahrung als Franchise Player… Er ist nicht einfach nur ein Überathlet gewesen(was er aufgrund seiner Physis sogar ganz sicher nicht war), sondern er hat Mittel und Wege gefunden dem Spiel wirklich seinen Stempel aufzudrücken. Das alleine auf seine Athletik zu schieben - bei all den Athleten die es in der Liga gibt, etwas zu wenig.

    Ich habe auch eher das Gefühl das der Autor den Spieler einfach nicht mag und deswegen tendenziell negativ schreibt. Ich würde mich freuen das so ein Ausnahmespieler nochmal versucht alles zu geben und wünsche ihm eine tolle Saison….

  5. Dmitrij Karle sagt:

    Aus dem Alter bin ich raus, dass ich bestimmte Spieler eher bevorzuge als andere (LeBron mal ausgeklammert). Das ist meine Art die Dinge zu sehen.
    Sicherlich hat McGrady zu seiner Zeit auf einem sehr hohen Level gespielt. Aber das war mal. Er ist ein Scorer, er braucht den Ball, um effektiv zu spielen. Nicht umsonst hat er 2003-2004 satte 513 Dreier genommen. Viel gewonnen hat er auf der großen Bühne aber dadurch nicht. Auch nicht mit Yao Ming, damals wohl einer der besten auf seiner Position.
    Über seinen Basketball-IQ habe ich geschwiegen. Du scheinst McGrady anscheinend besser zu kennen. Allen Iverson musste sich auch mit Double- und Tripleteams herumschlagen und trotzdem will ihn heute keiner mehr im Team haben, aus ersichtlichen Gründen wie ich finde.
    Mal schauen wie es in Detroit für ihn verläuft.

  6. Torpedo_X sagt:

    “ohne das nötige fundamentale Wissen”… Soviel zum Basketball IQ.
    Ich will auch gar keine Haarspalterei betreiben, aber für mich liest sich das recht eindeutig.

    Darüber hinaus hinkt der Vergleich mit Iverson völlig. Mal abgesehen davon, dass man sowieso sehr schwer 2 Spieler miteinander vergleichen kann nur aufgrund der Tatsache das sie mal Top Spieler waren und jetzt kein oder nur schwer ein Team finden… Genau die Gründe die es Iverson machen greifen aus meiner Sicht bei McGrady nicht.

    Und die Aussage ob McGrady wirklich soviel Minuten bzw. so oft den Ball braucht um effektiv zu sein würde ich auch bezweifeln. Seine Stats sind auch bei verschiedenen Teams, fremden Systemen und weniger Minuten relativ konstant. Es gibt Einbrüche(Vor allem im Vergleich zu seiner Top Zeit), aber wenn man mal die Zeit danach vergleicht, dann bleiben die Stats auf einem aktzeptablen Niveau(wenn auch nicht allstar like)….

    Der Hinweis mit Yao sagt mir jetzt auch nix. Ist jetzt jeder Spieler der noch keinen Titel mit einem guten Co-Star gewonnen hat automatisch schlecht?
    Ich glaube man muss einfach deutlich machen, welche Ansprüche man an einen Spieler wie McGrady stellt. Für mich ist er ein guter Basketballer, der für mich noch deutlich über Mittelmaß in der NBA aussieht. Er ist für mich kein top5 oder top10 Spieler der Liga. Er ist für mich auch kein Leader und automatischer Titelanwärter(egal in welchem Team er spielt) wie Kobe, LBJ oder Dwight Howard.

    Aber ich bin mir schon sicher das er noch einiges zu bieten hat. Für mich ist nur die Frage ob er wirklich nach Detroit passt. Gerade die Konkurrenz Situation die du schon angesprochen hast, könnte ein Comeback wirklich schwierig machen…

    PS: LBJ ist ne schlampe seit er nicht zu meinen Knicks gekommen ist. Seit Ewing & Starks warte ich auf nen richtig geilen Spieler. Ich hoffe das Carmelo kommt(gibt’s da schon news?)

  7. Daniel sagt:

    wär schön wenn t mac wieder gross aufspielen würde!
    aber leider glaube ich wird des im diesem leben nix mehr!

  8. TifosiUltra sagt:

    hmmm… eigentlich ist die Verpflichtung bei dem Gehalt kein großes Risiko.
    Hätte ihn auch gerne bei meinen Bulls gesehen - da hätte er die 2 bzw. 3 auch besser
    stärken können als das Überangebot in Detroit. Fraglich für mich ist, wie er selbst seine
    (wohl Bank-)Rolle sieht und interpretiert… das scheint ja wiederum die Bulls abgeschreckt
    zu haben. Für Detroit denke ich aber, denen fehlt eher auf der 4 bzw. 5 echtes Improvement…
    aber vielleicht wird dies ja über einen Trade (gegen Hamilton?) realisiert…!?
    Die Pistons haben leider eine Pay-Roll, auf der eine Menge Spieler (Gordon, Villanueva und inzwischen auch Prince und Hamilton) eher zu teuer sind in Anbetracht íhrer Leistung…

  9. Joel sagt:

    Ich will den alten T-mac zurück :(
    13 Punkte in 35 Sekunden und jede menge Dunks….

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