Trennung mit Hindernissen

Von: Dmitrij Karle

Amare StoudemireEs sind noch knapp vier Wochen bis zur NBA-Trade-Deadline (Ende der Transferperiode). Amare Stoudemire (Foto) von den Phoenix Suns ist momentan Gegenstand heftiger Wechsel-Spekulationen. Gerüchten zufolge wollen die Suns ihren All-Star traden, um zu verhindern, dass Stoudemire im kommenden Sommer als Free-Agent aus seinem Vertrag aussteigt. Zahlreiche Teams sind an „STAT“ interresiert. Der NBA-Blog hat sich die potenziellen Kandidaten etwas näher angeschaut. (mehr…)

Golden State Warriors

Die Warriors hatten schon im vergangenen Sommer ihre Hände in Richtung Amare Stoudemire ausgestreckt. Doch dann ging ihnen Rookie Stephen Curry in die Netze, den die Suns im Gegenzug für Stoudemire wollten, was Golden State ausschloss. Nun versucht man anscheinend abermals, Stoudemire ins Team zu lotsen. Als Gegenleistung soll der junge Forward Anthony Randolph die Stadt verlassen. Randolph spielt seine zweite NBA-Saison und gilt als einer der hoffnungsvollsten Forwards der Liga. Doch da Amare einen nicht gerade leichten Vertrag mit sich schleppt (34 Millionen US–Dollar inklusive der Option auf 2010-2011), müssten die Warriors auch Andris Biedrins und/oder Ronny Turiaf/Vladimir Radmanovic in Richtung Wüste schicken. Allerdings will Amare zu einem Titelkandidaten wechseln. Und da die Warriors noch lange nicht soweit sind, auch nicht mit einem Stoudemire im Kader, hat dieser Deal wohl keine Chancen.

Minnesota Timberwolves

Wenn es zu einem Trade zwischen diesen beiden Teams kommen sollte, so wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Name von „Big Al“ Jefferson fallen. Sophomore Kevin Love, der die gleiche Position spielt und sich in seiner zweiten Saison ungemein stark verbessert hat (15,2 Punkte und 12,2 Rebounds pro Partie), soll nicht zum Tausch stehen. Der Mannschaft aus Minneapolis bleibt daher nichts anderes übrig, als Jefferson anzubieten. Fraglich ist jedoch, ob Jefferson in der Lage sein wird, sich in das schnelle System der Suns zu integrieren. Er ist eher für ein solides Spiel im Low-Post bekannt. Auf der anderen Seite ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Stoudemire sich in der Triangle-Offense der Wölfe wohlfühlen wird. Ähnlich wie die Warriors sind die Timberwolves zudem Lichtjahre von einem Contender-Status entfernt. Ein Trade ist damit sehr unwahrscheinlich.

2009/2010 bislang mit 20,8 Punkten und 8,5 Rebounds pro Partie: Amare Stoudemire (links)

2009/2010 bislang mit 20,8 Punkten und 8,5 Rebounds pro Partie: Amare Stoudemire (links)

Cleveland Cavaliers

Mo Williams: zu unkonstant. Shaquille O’Neal: zu alt. Amare Stoudemire: die Lösung? LeBron James braucht endlich einen „richtigen“ Star an seiner Seite. Bisher mimten nicht gerade Hochkaräter diese Rolle. Die Cavaliers könnten den auslaufenden Vertrag von Center Zydrunas Ilgauskas, ein viel versprechendes Talent in Person von J.J. Hickson und einige Drafpicks in die Trade-Schale werfen. Nun stellt sich die Frage, ob der Besitzer der Suns, Bob Sarver, diesen Deal eingehen wird, da er Phoenix fast keine sportlichen Vorteile bringt. Aus Clevelands Sicht wäre dieser Trade ein „No-Brainer“.

Chicago Bulls

Es wird seit geraumer Zeit gemunkelt, dass die Bulls auf der Suche nach einem offensiv präsenten Big-Men sind. Vor einem Jahr wäre dieser Deal wohl viel einfacher gewesen, als Joakim Noah noch zu haben war und die Bulls verzweifelt versuchten, die Lücke in der Zone zu stopfen. Doch Noah ist nun unantastbar. Er verdoppelte fast seine Punkte-, und Reboundwerte im Vergleich zur vergangenen NBA-Saison. Bleibt also das ewige Talent Tyrus Thomas auf dem Tablett. Luol Deng wird wohl, im Falle eines Trades, zusammen mit Thomas Chicago verlassen müssen. Mit Star Point-Guard Derrick Rose, Noah und Stoudemire könnten die Bulls in ein Paar Jahren oben mitspielen. Thomas und Deng wären auf der anderen Seite im System der Suns sehr gut aufgehoben, da beide auch zuverlässig in der Verteidigung agieren. Somit wäre ein Trade hier nicht unwahrscheinlich.

Miami Heat

Dwyane Wade hält sich momentan bedeckt, was seine Absichten im kommenden Sommer betrifft. Deshalb ist es für Miami von enormer Wichtigkeit, ihrem Superstar einen Co-Star an die Seite zu stellen. Das Problem besteht jedoch darin, dass die Heat kaum adäquates Tauschmaterial anbieten können. Jermaine O’Neal, dessen Vertrag noch um einiges schwerer ist als der von Stoudemire, und Michael Beasley würden im Falle eines Trades Miami verlassen müssen. Die Suns müssten dann einen weiteren Spieler abgeben, um die Gehälter auszugleichen. Fraglich bleibt jedoch, ob Phoenix den Vertrag von O’Neal schlucken würde. Eher unwahrscheinlich. Die Heat wären dann gezwungen, weitere Rollenspieler für Stoudemire abzugeben. Und ob dieser Weg der richtige ist und man für einen Spieler fast die gesamte Bank, die jetzt schon recht dünn besetzt ist, abgeben sollte?

Fazit: Aus diese Gruppe hat Chicago die besten Chancen, Stoudemire an Land zu ziehen.

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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4 Kommentare zu „Trennung mit Hindernissen“

  1. Dominik sagt:

    “Fazit: Aus diese Gruppe hat Chicago die besten Chancen, Stoudemire an Land zu ziehen.”

    Ich würde einem solchen Deal eher skeptisch gegenüber stehen. Wie bereits gesagt, Noah trägt diese Season die Defense der Bulls und auch offensiv sehe ich da noch Entwicklungspotential, deshalb wird man ihn auf keinen Fall gehen lassen.
    Wenn man aber nur einmal die Stats von Thomas (8.2 PPG, 6.4 RPG, 1.1 APG - 20G) und Deng (17.5 PPG, 7.4 RPG, 2.1 APG - 43G) denen von Stoudemire (20.8 PPG, 8.5 RPG, 1 APG - 46G) gegenüberstellt frage ich mich ernsthaft was die Bulls damit gewinnen würden. Verglichen mit Deng wäre Stoudemire sicher die bessere Wahl aber dazu noch Thomas verlieren?
    Das macht in meinen Augen keinen Sinn, zumal die Bank der Bulls so oder so nicht sonderlich tief an Qualität besetzt ist - ein Taj Gibson oder ein Jannero Pargo könnte einen solchen Qualitätsverlust nicht auffangen. Beim einen sind es zuviele Fouls, beim anderen zu viele schlechte Würfe (Die Liste lässt sich erweitern ;).
    Die Bulls sind was Würfe angeht das viert-schlechteste (!) Team der NBA. Zugegeben, in den letzten Spielen gab es eine deutliche Leistungssteigerung. Aber ein Derrick Rose kann eben nicht immer 40+ MPG spielen, ein Derrick Rose spielt, trotz Krankheit, nicht immer so stark auf wie gegen die Spurs. Und da fehlt es dem Kader eben an Qualität, gerade von der Bank.
    Man würde so auf Kosten einer möglichen Playoff Teilnahme dieses Jahr die Perspektive, bzw. eher den “Werbe”-Effekt, im Hinblick auf Free Agents wie James, Wade oder Bosh verbessern.
    Doch was passiert wenn keiner bei den Bulls spielen möchte? Was wenn James und Wade beschließen zusammen bei einem anderen Team (Miami?!) um den Titel kämpfen zu wollen? Darüber liest & hört man leider von Bulls Seite sehr wenig.

    Mein Fazit: Man sollte nicht alles auf die “eine Karte” James, Wade oder Bosh setzen. Diese Sicherheit kann man sich nicht erlauben. Den Kader in der Hoffnung auf einen zukünftigen Megadeal jetzt weiter auszudünnen könnte sich als folgenschwerer Fehler erweisen. Rose, Noah und Stoudemire werden das Team alleine nicht tragen können. Und nochmal werden die Bulls wohl kaum mit einer 1.7% Chance den #1 Pick und damit die Chance auf eine bessere Zukunft bekommen…

  2. Dmitrij Karle sagt:

    Auch ich bin der Meinung, dass Joakim Noah den “untradeable” Status bei den Bulls genießt. Offensiv jedoch wird er kaum das Level eines Stoudemires erreichen. Seine Stärke ist das Spiel in der Verteidigung. Zusammen mit Amare könnten sich die beiden in meinen Augen sehr gut ergänzen. U.U könnte Noah von “STAT” etwas dazulernen, was die Offensive anbelangt.

    Tyrus Thomas ist und bleibt für viele das ewige Talent. Er ist bereits in seiner vierten NBA Saison. Besser wird er kaum noch werden. Ich sehe hier keinen Qualitätsverlust, wenn Thomas das Team verlassen sollte. Taj Gibson liefert mMn sehr solide Zahlen für einen Rookie ab. Und dass er mit Fouls zu kämpfen hat, welcher Frischling hatte nicht diese Probleme in seinem ersten Jahr, außer LeBron etc.?
    Thomas hatte in seiner ersten Saison hochgerechnet auf die Spielzeit von Gibston ca. 4.6 Fouls pro Spiel!

    Deng ist ein solider Small Forward, der, im Falle eines Trades mit Phoenix, das Erbe von Grant Hill antreten wird. Hill hat höchstens noch diese und die kommende Saison, dann wird er seine Sneakers an den Nagel hängen. Ein Pluspunkt für Phoenix.

    Ich bin der Ansicht, dass dieser Trade kaum bzw. geringe Auswirkungen auf die Qualität der Bulls Bank haben wird. Für Deng steht adäquater Ersatz in Person von John Salmons bereit. Hinter ihm bekommt Rookie James Johnson, der die Summer League ordentlich aufwirbelte, endlich seine verdienten Spielanteile.

    Außerdem haben die Bulls satte 6 auslaufende Verträge in Höhe von knapp 30 Mio. US-Dollar. Schon alleine die Leiche von Jerome James - ich hoffe ihr erinnert euch noch an diesen Spieler^^ - bringt 6,6 Mio. ein! Mit diesem Geld sollte man genug Free-Agents nach Chicago locken können.

    Und ich denke Chicago ist nicht gerade ein “Kaff”, wo kein Star spielen möchte. Ich kenne mich jetzt nicht mit Marktanteilen aus, aber sicherlich spielt Chicago in dieser Hinsicht ganz oben mit. Und auch glaube ich nicht, dass man mit diesem Trade sich die Playoff Chancen verbaut. Rose und Ben Gordon waren es, die die Last in den Playoffs gegen Boston schulterten. Weiterhin spielen die Reservisten in der Postseason eine kleine Rolle.

    An Stoudemires Stelle würde ich mir so langsam Gedanken machen, wo er seine Zukunft fortsetzt. Denn in Phoenix gehen bald die Lichter aus, wenn Nash das Handtuch schwingt. Und ohne einen Top-Point Guard kann Amare nicht überleben, schon deshalb ist es ein Grund nach Chicago zu wechseln.

  3. David Lorenz sagt:

    Aus meiner Sicht hätten die Warriors die interessantesten Tausch-Objekte für einen Trade. Wie Dimi bereits angemerkt hat, wäre ein Verbleib Stoudemires in Oakland über die Saison hinaus dann allerdings äußerst unwahrscheinlich. Ist halt die Frage, ob Golden State das Risiko eingehen würde.

  4. Dmitrij Karle sagt:

    Und was ich noch anmerken wollte. Man tradet einen Top-Spieler (fast) nie in die eigene Conference. Aus verständlichen Gründen.

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