Duell der Gegensätze

Von: David Lorenz

Kobe BryantFür jeden Basketball-Fan gibt es wohl kaum etwas Schöneres, als Zeuge einer entscheidenden siebten Playoff-Partie zu werden. Am morgigen Sonntag besteht dazu gleich zweimal die Möglichkeit. Neben dem Duell zwischen Boston und Orlando laden die Los Angeles Lakers zum finalen Showdown gegen die Houston Rockets. Zwei Welten prallen aufeinander, wenn die personell stark geschwächten Underdogs aus Texas auf die mit Stars gespickte Truppe um Kobe Bryant (Foto) treffen. (mehr…)

Dass es zwischen Rockets und Lakers überhaupt zu einem siebten Aufeinandertreffen kommt, gilt als größte Überraschung der laufenden Endrunde. Bereits vor der Serie hatte kaum jemand die Mannschaft von Headcoach Rick Adelman auf der Rechnung. Als sich im dritten Aufeinandertreffen beider Teams auch noch Yao Ming den Fuß brach, war sich die US-amerikanische Expertenriege einig: Houston ist weg vom Fenster.

Ein Trugschluss. Ohne ihren besten Mann hatten die Rockets nichts mehr zu verlieren. Jeder Spieler im Kader Houstons versuchte, mit zusätzlichem Einsatz die große Lücke des Chinesen auf dem Parkett zu füllen. So gelangen der Mannschaft zwei eindrucksvolle Heimsiege über den haushohen Favoriten, in denen die Lakers phasenweise demontiert wurden. Mit Team-Basketball par excellence, Einsatz bis zum Äußersten und einer beinharten Defense wurde L.A. der Zahn gezogen.

Zwar fand die Mannschaft von Phil Jackson während des fünften Aufeinandertreffens beider Teams im heimischen Staples Center die richtige Antwort, und demütigte Houston mit 40 Zählern Differenz. Doch zurück in Texas wirkten die Lakers abermals seltsam lustlos. Im Angriff wurde selten mehr als ein Pass gespielt, die Truppe verhedderte sich in Einzelaktionen.

Chuck HayesUnbegreiflich erscheint dem neutralen Beobachter dabei die Tatsache, dass die Lakers aus ihren enormen Größenvorteilen keinen Vorteil schlagen können. Ohne Yao, den 2,29-Meter-Riesen, haben die Rockets keinen Akteur in ihren Reihen, der größer als 2,06 Meter ist. Chuck Hayes (Foto), für den Chinesen auf der startenden Center-Position, misst sogar nur 1,98 Meter (!). Jeder Coach der Welt würde sich ob des offensichtlichen Mismatches die Hände reiben, schließlich sind Pau Gasol und Andrew Bynum beide 2,13 Meter groß und mit deutlich mehr Talent ausgestattet als ihre Gegenspieler. Doch weder Bynum noch Gasol konnten im bisherigen Serien-Verlauf voll überzeugen. Bynum macht noch zu viele Fehler, wird selten in das Spiel seiner Mannschaft eingebunden und wirkt teilweise fahrig und unkonzentriert, während sich Gasol oft seltsam lethargisch und unmotiviert präsentiert. Ganz im Gegensatz zu Hayes, Luis Scola und Carl Landry von den Rockets, die an Einsatzfreude und Aggressivität im vergangenen Duell beider Mannschaften nicht zu überbieten waren.

„Sie haben alle die selbe Mentalität, jeder von ihnen ist ein Kämpfer“, zeigte sich auch Bryant beeindruckt von dem Underdog. „Darum konnten sie ein siebtes Spiel erzwingen, darum ist diese Serie so eng. Sie wollen einfach nicht aufgeben.“

Wenn man im bisherigen Serien-Verlauf einen Spieler Houstons herausheben muss, dann Aaron Brooks. Der pfeilschnelle Spielmacher stellte Los Angeles ein ums andere Mal vor schier unlösbare Probleme und dominierte das Duell mit Gegenspieler Derek Fisher bis dato fast nach Belieben. Die Kombination aus einem guten Wurf von außen und explosivem Dribbling zum Korb gilt es für die Lakers im siebten Spiel dringend unter Kontrolle zu bringen. Falls Fisher dazu nicht in der Lage ist, hätte Jackson die Möglichkeit, Jordan Farmar oder Shannon Brown auf der Position des Point-Guards mit zusätzlicher Spielzeit auszustatten, um die Kreise Brooks effektiver zu stören.

Shane BattierNeben Spielmacher-Duell und Gerangel unter den Brettern gibt es ein weiteres Schlüssel-Matchup zwischen Lakers und Rockets. Kobe Bryant vs. Shane Battier (Foto). Bryants Punkteschnitt von 29,7 Zählern gegen Houston lässt nicht vermuten, wie effektiv Battier den Superstar phasenweise einzudämmen vermochte. Ein Spieler von Bryants Qualitäten kann nie völlig unter Kontrolle gebracht werden, doch die Rockets liesen ihn für seine Punkte zumindest den maximalen Aufwand betreiben.  Battier wusste meist geschickt zu verhindern, was sein Coach von der Nummer 24 der Lakers nicht sehen wollte: Freiwürfe, Dreier und Dribblings zum Korb. Der Defensiv-Spezialist in Reihen der Rockets versuchte, Bryant lediglich Würfe aus der Halbdistanz zu gestatten. Drei Siege aus sechs Spielen gegen L.A. gibt dieser Taktik durchaus eine Daseinsberechtigung.

Houston ist für das morgige Duell immer noch krasser Außenseiter. Vom Standpunkt des Talents, der Erfahrung und des Heimvorteils betrachtet wäre alles andere als ein Sieg der Lakers die größte Playoff-Überraschung seit dem Titelgewinn der Detroit Pistons aus dem Jahre 2004. Doch den Rockets hatte vor der Serie auch niemand drei Siege zugetraut, und in einer siebten Partie, so abgedroschen das auch klingen mag, ist alles möglich.

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1 Kommentar zu „Duell der Gegensätze“

  1. Jascha sagt:

    bwin gibt auf einen Lakerssieg eine Quote von 1,07 - demnach dürften die Rockets wirklich keine Chance haben…

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