Von: Dmitrij Karle
1. Seattles letzter Draft-Pick
Russel Westbrook wurde 2008 im Alter von nur 19 Jahren noch von den Seattle Super Sonics im NBA-Draft an vierter Stelle gezogen. Es sollte der letzte Pick in der Geschichte der traditionsreichen Franchise gewesen sein, ehe sie nach Oklahoma City umgesiedelt wurde.
Viele waren mit der Entscheidungen der Sonics, Westbrook noch vor College-Stars wie Jerryd Bayless, Brook Lopez oder Kevin Love zu ziehen, nicht einverstanden. Doch das Risiko des Seattle-Managements zahlte sich bereits während Westbrooks Rookie-Saison aus. In seiner ersten Spielzeit absolvierte der Point-Guard alle 82 Partien für die Thunder und lieferte dabei mehr als ordentliche Statistiken ab: 15,3 Punkten, knapp fünf Rebounds und 5,3 Vorlagen pro Partie. Der 1,90 Meter große Aufbauspieler beendete das „Rookie-of-the-Year”-Rennen als Vierter hinter Derrick Rose, O.J. Mayo und Brook Lopez. Darüber hinaus wurde Westbrook mit dem Titel „Rookie des Monats” im Dezember 2008 und Februar 2009 ausgezeichnet.
2. Lieblingsspieler
Da Westbrook gebürtig aus Kalifornien stammt, war sein Lieblingsspieler kein anderer als Magic Johnson höchst persönlich. Zwar ist Westbrook mit seinen 1,90 Metern und knapp 85 Kilogramm Körpergewicht ein ganz anderer Typ von Basketballspieler als Johnson (2,06 Meter Körpergröße), allerdings kann er bereits im Ansatz ähnliche Passgeberqualitäten vorweisen wie Magic zu seinen Glanzzeiten bei den Los Angeles Lakers.
Mit durchschnittlich 7,9 Assists pro Begegnung belegt Westbrook ligaweit momentan den achten Rang in dieser Kategorie. Ein Derrick Rose zum Beispiel ist mit durschnittlich 5,7 Vorlagen nur auf dem 15. Platz zu finden.
Schließlich ist Westbrook auch für sein starkes Reboundverhalten bekannt. Mit 5,1 „Boards” pro Partie ist er ligaweit der zweitbeste Rebounder auf seiner Position, hinter Jason Kidd (5,5) von den Dallas Mavericks.
3. Twitter-König
Abseits des Basketballcourts twittert Russell Westbrook oft und gerne. Unter dem Benutzername „russwest44” findet man die Nummer 0 der Oklahoma City Thunder. Weltweit verfolgen über 24.000 Fans sein tägliches Leben via des Social Networks „Twitter”. Darunter sind auch NBA-Akteure wie Memphis’ Rudy Gay oder Westbrooks Mitspieler Jeff Green.

Westbrook beim Freiwurf. 2009/2010 verwandelt der Guard 76,3 % seiner Versuche von der Linie
4. Familienmensch
Viele NBA-Spieler betonen gerne, dass die Familie im Mittelpunkt ihres Lebens stehe. Im Falle Westbrooks ist dies durchaus der Fall. Er ist der Inbegriff eines Familienmenschen. Westbrooks Vater, Russell Sr., hat viel Zeit und Geduld in die Erziehung seines Sohnes investiert, um ihn eines Tages in der besten Basketball-Liga der Welt spielen zu sehen.
Während der Sommerpause am College verbesserte sich Westbrook konditionell, indem er mit seinem Bruder die Sanddünen am Manhattan Beach hoch und runter lief. Abends feilte er dann, unter der sorgsamen Obhut des Vaters, an seinem Jump-Shot. Hat Westbrook ein paar Tage frei, so verbringt er diese im Kreise seiner Lieben. „Meine Familie ist immer bei mir”, so Westbrook. „Und ich werde immer hinter ihr stehen.”
5. Bestleistungen
Mit nicht einmal zwei vollen NBA-Spielzeiten auf dem Buckel kann Westbrook schon einige beachtliche Bestmarken sein Eigen nennen. Er erzielte seine meisten Punkte (34) gegen die Sacramento Kings im Februar 2009. Westbrook verwandelte in diesem Spiel 20 Freiwürfe von 22 Versuchen. Ihm gelang es zweimal, 15 Vorlagen in einem Spiel zu verteilen (Dezember 2009, Februar 2010).
Da Westbrook ein herausragender Defensivspieler ist, kommt es nicht allzu selten vor, dass er dem Gegner den Ball stibitzt. Im vergangenen Monat gegen die Golden State Warriors konnte Westbrook die Partie mit acht Steals beenden. Zudem ist er ein Ausnahmetalent mit großen Allround-Qualitäten. In vielen Begegnungen kratzt der UCLA-Absolvent an einem Triple-Double. Westbrook gelang es in seiner Karriere bereits zweimal, bei den Punkten, Rebounds und Assists zweistellige Werte zu erzielen.
Am 2. März 2009 mussten die Dalles Mavericks dabei zusehen, wie Westbrook ihnen 17 Punkte, zehn Rebounds und zehn Assists einschenkte. Er war dabei erst der dritte Spieler in der Geschichte der Sonics/Thunder-Franchise, dem dies gelang.
6. Ein Millionär studiert
Obwohl sich Westbrook schon nach seinem zweiten Jahr am College in Richtung NBA verabschiedete, besucht der fleißige Guard nach wie vor während der Sommerpause die Räumlichkeiten der UCLA-Universität, um seinen Abschluss in der Afroamerikanischen Geschichte zu machen. „Russ liebt die Schule”, sagt sein Vater. „Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Wir haben keine Eile. Er soll auf jeden Fall den Abschluss machen.”
Als NBA-Star und Millionär genießt er auf dem Campus dennoch keine Vorteile gegenüber seinen Mitstudenten. Einst kam Westbrook zu einer Vorlesung zu spät und wurde daraufhin gebeten, draußen zu bleiben.
7. Spätzünder
Westbrooks Aufstieg zum NBA-Star ist eine bemerkenswerte Geschichte. Denn mit nur 1,73 Metern Körpergröße begann er sein erstes Jahr an der Highschool unter mangelhaften Vorbedingungen. Er schaffte es nicht einmal in die Starting-Five seiner Schule. Im dritten Jahr allerdings schoss sein Körper um satte 12 Zentimeter in die Höhe. Ein Ende des Daseins als Bankdrücker war in Sicht. Während seines Senior-Jahres beeindruckte Westbrook alle mit seinem Talent. Im Schnitt kam er auf 25,1 Punkte, 8,7 Rebounds und 3,1 Assists pro Partie und führte sein Team bis ins Viertelfinale der Divison-Serie I-AA.
Nach der Highschool ging es direkt zu den UCLA Bruins. Doch hinter gestandenen Guards wie Arron Afflalo, Darren Collison und Josh Shipp kam Westbrook auf nur neun Minuten Einsatzzeit in seiner Freshman-Saison. Während seiner zweiten Spielzeit an der UCLA entwickelte sich Westbrook dann jedoch zu einem Mannschafts-Leader. Er beendete seine Sophomore-Saison als viertbester Bruins-Scorer und setzte vor allem in der Verteidigung Akzente.
Kurze Zeit später wurde ein Spieler an vierter Stelle im NBA-Draft gezogen, der noch in der Highschool zu klein war um für sein Team zu starten und der in seiner ersten College-Saison lediglich 3,4 Punkte pro Spiel erzielen konnte.

Russell Westbrook (rechts) während seiner Zeit am College. Links: UCLA-Kollege Darren Collison
8. All-Star Startprobleme
Zwar wurde Westbrook noch nicht zu einer All-Star-Begegnung eingeladen, doch durfte er selbstverständlich als Rookie und Sophomore am „Rookies vs. Sophomore”-Spiel beide Male teilnehmen. Und jedes Mal ging sein Team als Verlierer vom Platz. In der Rookie-Challenge 2009 stand Westbrook 18 Minuten auf dem Parkett und lieferte 12 solide Punkte ab. Doch Westbrook und die Rookies verloren knapp mit 116:122 gegen die Zweitklässler der NBA.
Im diesjährigen Aufeinandertreffen der Jahrgänge spielte Westbrook dann ganz groß auf und erzielte sagenhafte 40 Punkte für seine Mannschaft. Doch die Rookies, angeführt von DeJuan Blair (22 Punkte, 23 Rebounds) und Tyreke Evans (26 Punkte, fünf Assists), konnten sich gegen die Sophomores behaupten.
In der Skills-Challenge ersetzte Westbrook den verletzten Derrick Rose, konnte jedoch nicht überzeugen. Sein Erfolg am All-Star-Wochenende ist dementsprechend noch überschaubar. Doch lange wird es wohl kaum noch dauern, bis er auch dort durchstartet.
9. Erster Dunk mit 17 Jahren
Auf YouTube gibt es zahlreiche Videobeweise, dass Russell Westbrook einer der spektakulärsten Highflyer der NBA ist. Weniger bekannt ist jedoch, dass der Guard erst im hohen Alter von 17 Jahren seinen ersten Dunk durch den Ring hämmerte, womit wohl sein später Wachstumsschub etwas zu tun hatte. Seine enorme Sprungkraft wurde in der Folge mit viel Training im Kraftraum erarbeitet. „Um ehrlich zu sein, ich konnte noch nie hoch springen”, so Westbrook. „Ich musste daran arbeiten. Ich habe Treppenläufe gemacht, meine Waden und Oberschenkel trainiert und dazu noch viel Bauchmuskeltraining absolviert.”
10. Ein einzigartiger Spieler
Russell Westbrook ist ein Spätzünder, der erst mit 17 Jahren dunken konnte, ein Familienmensch, ein Millionär, der noch zur Uni geht, ein Spieler, der noch nicht den Erfolg auf All-Star Ebene hatte und der gerne twittert.
Fazit: Er ist ein einzigartiger Spieler!
Seine aktuellen Statistiken in der laufenden Saison lesen sich hervorragend: 16,7 Punkte, 5,1 Rebounds und 7,9 Assists pro Partie. Viel wichtiger ist jedoch: Westbrook ist erst 21 Jahre alt. Die Liste der NBA-Akteure, denen vor ihrem 22. Geburtstag derartige Statistiken gelangen, ist sehr kurz.
Es sind nur fünf.
Und diese heißen: LeBron James, Magic Johnson, Chris Paul, Isiah Thomas und Allen Iverson.
Da Westbrook bekanntlich ein Spätzünder ist, hat er sicherlich noch einiges für uns in der Tasche.
(Photos by SD Dirk, aaronisnotcool & Paul L McCord Jr | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: Allen Iverson, Arron Afflalo, Brook Lopez, Chris Paul, Dallas Mavericks, Darren Collison, DeJuan Blair, Derrick Rose, Golden State Warriors, Isiah Thomas, Jason Kidd, Jeff Green, Jerryd Bayless, Kevin Love, LeBron James, Los Angeles Lakers, Magic Johnson, Memphis Grizzlies, O.J. Mayo, Oklahoma City Thunder, Rudy Gay, Russell Westbrook, Sacramento Kings, Seattle Super Sonics, Tyreke Evans




Russell Westbrook (Foto) ist einer der aufstrebenden Stars in der NBA. Seine Oklahoma City Thunder reiten schon seit Wochen auf einer Welle des Erfolgs und werden am Ende der Spielzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit die Playoffs erreichen. Zeit also, den athletischen Guard etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Zehn Dinge, die man über Russell Westbrook wissen sollte.
Sehr schöner Artikel, ich habs wirklich genossen, zudem find ichs klasse, dass du dich weiterentwickelt hast und nicht nur noch über die Spieler on court, sondern auch off the Court beschäftigst und uns näher bringst. Deine Seite hat eine respektable Entwicklung erfahren, weiter so!
Das Kompliment gebe ich mal an meinen Kollegen Dimi weiter, von dem der Artikel stammt.
Freut mich, dass Dir die Seite gefällt.
Na dann bedank ich mich mal auch bei Dimi für den Artikel.
Einfach um die Motivation für euch Schreiberlinge aufrecht zu erhalten:
, aber ich weiß euch dass es da nur wenig Variationsmöglichkeiten gibt
).
Ich lese regelmäßig hier und freue mich über jeden neuen Artikel (auch wenn ich den Begriff “Abpraller” nicht mag
Diese Seite hat für mich persönlich mittlerweile auf jeden Fall fivemag.de überholt, dort gibt es zwar vermutlich mehr Leser (da mehr Kommentare unter den Beiträgen), aber der Blog hier hat einfach mehr persönliche Note, und nicht bloßes Rezitieren von nba.com-News.
Also, beide Daumen fett hoch, gibt bestimmt noch eine Menge weitere Leser, die hier regelmäßig lesen aber keine Kommentare hinterlassen (so wie ich
)
nba-blog.de : weiter so
@ Erik: Vielen Dank, das motiviert wirklich!
Und der Begriff “Abpraller” geht auf meine Kappe, sorry. Von nun an alternativ dazu “Boards”.
ich lese auch regelmäßig euere Artikel
… hammer Seite!
Einfach top!
Gerade in den letzten Wochen hat sich die Seite unglaublich entwickelt. Danke dafür!
Auch von meiner Seite aus ein Dankeschön an die vielen Leser hier im Blog!
100% agree with the above!
Lese auch täglich hier und muss sagen, das es der beste deutsche NBA Blog ist, den ich kenne.
Weiter so und Danke, für eure tolle Arbeit!
da muss ich auch mal meinen senf loswerden
wirklich ein hammerguter blog!!!
Tut echt gut das zu hören.
Vielen Dank dafür. Und empfehlt uns weiter!
Weiter so, schön leute von ehemaligen basketball-blogs hier schreiben zu sehen.
Sehr schöner artikel von einem aufstebenden Superstar.
könnte man doch jetzt vielleicht ne “feste rubrik” draus machen, diese “10 dinge über…”