Entzaubert

Von: Malte Arndt

Dwight HowardDass die Orlando Magic als Favoriten in die Zweitrunden-Serie gegen die Atlanta Hawks gehen würden, war vorauszusehen. Das galt umso mehr, nachdem sich die Falken gegen die Milwaukee Bucks in ihrer Erstrundenserie unglaublich schwer taten und erst nach sieben Spielen weiterkamen. Dass Orlando die Serie gegen Atlanta bislang jedoch derart dominiert, überrascht. Ein Kommentar. (mehr…)

Und dabei habe ich mir den Blowout in Spiel eins noch nicht einmal angetan. Aber eine Hälfte des zweiten Spiels hat gereicht, um mir zu zeigen, dass dieses Team der Hawks keine Chance haben wird. Dwight Howard war durch seine plötzlich gefundene Sicherheit von der Freiwurflinie nicht mehr zu verteidigen, da Atlanta darauf bauen muss, dass wenigstens Howard offensiv schwächelt. Mike Bibby habe ich gar nicht spielen sehen, aber vermisst hat man ihn auch nicht wirklich (allerhöchstens Jameer Nelson dürfte Bibby eine Träne nachgeweint haben). So weit, so schlecht aus Sicht der Hawks, aber was wirklich erschreckend war, war die gezeigte Leistung in der Crunchtime. Oder besser gesagt die gezeigte Nichtleistung.

Das fing alles damit an, dass niemand so recht die Verantwortung übernehmen konnte und wollte. Jamal Crawford hat noch im dritten Viertel einige schöne Würfe versenkt, trifft aber im letzten Spielabschnitt kein Scheunentor (ich werde jetzt nicht erwähnen, dass Playoffs eben doch was anderes sind…). Joe Johnson, der schon seit Spiel fünf der Bucks-Serie in erschreckender Weise an die Playoffs 2009 erinnert, findet keine offenen Würfe, weil Stan Van Gundy freundlicherweise Matt Barnes/Mickael Pietrus und nicht Vince Carter gegen ihn stellt. Stattdessen wird mit dem Ball umhergedribbelt, zig Pässe angetäuscht und der Ball letztlich bei ablaufender Wurfuhr weitergepasst. Nein, ein Crunchtimespieler ist er nicht wirklich. Al Horford hatte mehr mit Howard und den eigenen Foulproblemen zu kämpfen, sah aber sonst mal wieder wie derjenige aus, der die meisten Würfe bei den Hawks bekommen sollte.

Absolut den Vogel abgeschossen hat aber Josh Smith. Ballverlust um Ballverlust hat er produziert, dabei einfachste Dinge, wie zum Beispiel das korrekte Annehmen eines Passes im Post, falsch gemacht und wahlweise Verletzungen dramatisch zur Schau gestellt, was ihn dann offenbar von jeglicher defensiven Arbeit befreit hat, oder mit den Schiedsrichtern diskutiert, wenn er kein Foul gepfiffen bekommen hat. Ich wusste, dass für Atlanta jede Hilfe zu spät kommt, als Smith sich dazu entschloss, einen Dreier aus der Ecke zu nehmen - das ist der Josh Smith vergangener Zeiten, der nicht wusste, wie er seine Fähigkeiten im Team optimal einbringen kann und eher auf eigene Statistiken aus ist. Noch peinlicher als die Tatsache, dass sein Versuch kläglich an der Kante des Backboards scheiterte, war, dass er schon vorher den nächsten Ballverlust produziert hatte: er stand mit dem Fuß auf der Seitenauslinie.

Keine Szene kann wohl anschaulicher darstellen, was bei Atlanta schief läuft. Ich will nicht verschweigen, dass die ersten drei Viertel sehr stark waren (die ersten beiden nur den Statistiken nach zu urteilen). Aber ohne einen echten Crunchtimescorer - und Johnson scheint auf dem besten Wege zu zeigen, dass er das (mal wieder) nicht ist - wird Atlanta maximal ein Spiel in dieser Serie gewinnen. Orlando hat vieles richtig gemacht, spielt seine Mismatches gekonnt aus, überlebt sogar eine Fabelvorstellung der Hawks von der Freiwurflinie und selbst Vince Carter spielte erschreckend gut (was Atlanta natürlich niemals zulassen darf). Wir hatten vor ein paar Wochen eine Diskussion auf dieser Seite, in der ein Hawks-Fan meinte, dass sich Atlanta in den Playoffs auf Jamal Crawford und Josh Smith verlassen würde. Genau das passiert jetzt. Und genau deshalb wird Atlanta keine Chance haben.

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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9 Kommentare zu „Entzaubert“

  1. confusa sagt:

    ….wie willst du auch einen dwight howard verteidigen?oder an ihm vorbei kommen?unmöglich dieser typ deckt alles ab und dadurch müssen die hawks immer schwierige würfe nehmen.
    Dazu kommt noch ,dass sie meistens nur einen wurf im angriff haben.
    im ersten spiel fand ich Smith noch richtig gut…zumindest in der ersten hälfte des spiel!
    jetzt wird sich aufs nächste spiel gefreut;-)
    ein schönes wochenende

  2. Malte Arndt sagt:

    Er ist, sofern er seine Freiwürfe trifft, offensiv ziemlich schwer zu verteidigen, das stimmt schon. Jedenfalls für Atlanta, da sie niemanden haben, der von der reinen Masse her dagegen halten könnte. Boston (Perkins) oder Cleveland (O’Neal) hätten Howard da schon mehr entgegenzusetzen, da Howard offensiv jetzt auch nicht so überragend ist. Und ehe auf mich eingekloppt wird: Jedenfalls nicht so dominant wie in der Defense und reichlich ideenlos. Wesentlich mehr als 17-20 Punkte muss man sich von ihm jedenfalls pro Spiel nicht einschenken lassen, wenn man die passenden Verteidiger hat.

  3. Dima Karle sagt:

    Mal ein anderes Thema anzusprechen:
    Was genau ist hinter der Verletzung von James? In zig Foren diskutiert man, ob James tatsächlich so stark “gehandicapt ” ist oder nicht?! Ob es nicht nur alles, wieder einmal, Show ist?!

    Vor allem die US-Medien haben sich auf das Frischfleisch “Lebrons-Verletzung” geworfen wie die Geier. Es vergeht keine Stunde, da werden neue Spekulationen veröffentlicht.

    “TIME TO PANIC - Was it a bad night — or a bad elbow — or something more?”

    schreibt zB Hollinger in seinem per diem auf espn.com

    Was ist dran an der Geschichte mit der VErletzung?

  4. Magnus sagt:

    Also ich denke nicht, dass er diese Verletzung nur spielt oder schlimmer aussehen lässt als sie ist, denn dadurch steht er sich und den Cavs nur selbst im Weg. Anscheinend hat James ja eine überdehnte Sehne und einen geprellten Knochen im Ellenbogen.
    Ich habe einen Arztbericht dazu gesehen und dort wurde gesagt, dass es halt Schmerzhaft sein kann und einige Bewegungsablaufe einschränken kann. Auch wurde gesagt, dass der Ellenbogen nur mit viel Zeit, also nach den Playoffs, verheilen kann, aber durch beanspruchung nichts verschlechtert werden kann.
    Und wieso überhaupt wieder einmal Show ?

  5. confusa sagt:

    also shaq wird nichts gegen howard erreichen können…..überperkins lässt sich streiten aber der hat auchs chon genug mit shaq und varejao zu kämpfen…
    only time will tell

  6. Dominik sagt:

    “Und wieso überhaupt wieder einmal Show ?”

    Ein Spieler, der die WM sausen lässt um seinen Hollywood Film zu drehen? Ein Spieler, der engelsgleich vor jedem Heimspiel Kreide in die Luft wirft?

    Natürlich wird das meiste der “Show” von den Medien erzeugt, aber es ist mittlerweile für mich nur schwer nachzuvollziehen, was da alles gemacht & gezeigt wird.

    Das beste “Play” der ersten Playoffrunde ist ein Buzzerbeater von? Richtig, Lebron James (Wobei es einigewesentlich bessere Spielzüge gab, die nicht so von Glück abhängen)
    Ein “Highlight of the Day” war ein verworfener Freiwurf mit einem Arm von? Richtig, Lebron James - was ist daran ein Highlight, dass jemand aufgrund einer Verletzung einen Freiwurf mit einem Arm ausführt und verwirft?! Ich erkenne das Highlight nicht…

    Ja, er ist MVP. Ja er ist aktuell einer der besten, wenn nicht der beste, Spieler der NBA. Aber deswegen muss man nich 24/7 über jede noch so kleine Kleinigkeit berichten als wäre es die nächste Offenbarung eines Orakels - das haben die Cleveland Lebrons, Verzeihung, die Cleveland Cavaliers einfach nicht verdient ;)

    Gruß Dominik

  7. Dima Karle sagt:

    dito

  8. Magnus sagt:

    Da kann er ja aber nichts für, wenn die Medien ihm in Arsch kriechen ?

  9. Magnus sagt:

    p.s. das mit der wm ist echt daneben

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