Von: Malte Arndt
Dabei darf man aber auch erst einmal auf den Blowout in Spiel Drei eingehen. Was ich da gesehen habe, war aus Celtics-Sicht eine einzige Blamage, aus Cavaliers-Sicht die genau richtige Reaktion auf den vorher erfolgten Blowout in “The Q”. Wobei man schon früh erahnen konnte, dass für Boston nicht viel zu holen sein wird: Wenn LeBron James 21 Punkte im ersten Viertel erzielt, Cleveland phasenweise 70 Prozenz der Würfe trifft und bei Boston - abgesehen von Rajon Rondo - kaum ein Akteur Normalform beweist (besonders tödlich der schwache Auftritt von Ray Allen), muss man sich keine großen Hoffnungen auf ein enges Spiel machen. Dass sich Boston aber derart hat abschlachten lassen und die höchste Playoff-Heimniederlage der Franchisegeschichte kassierte, hat mich dann doch enttäuscht.
Ehrlich gesagt hatte ich auch gestern ein ungutes Gefühl, als das Spiel startete und Cleveland sofort auf 7:0 wegzog. Diesmal hielten die Celtics aber glücklicherweise dagegen, schlossen mit einem 14:6-Run die Lücke und spielten fortan einen guten Basketball. Was dann natürlich - nicht nur bei Betrachtung des Statistikbogens - für Rajon Rondo zutrifft. Ein Triple-Double ist das eine, aber die Art, wie es zu Stande kommt, ist die andere. Rondo war gestern omnipräsent, machte kaum Fehler, punktete beinahe nach Belieben und ließ Mo Williams wie den Versuch aussehen, was passiert, wenn Du oder ich versuch(s)t, einen NBA-Spieler zu verteidigen. Kombiniert mit einer schwachen Vorstellung in der Offensive - was Williams aber nicht davon abhielt, munter schlechte Dreier zu werfen - war das eine Leistung, die in fataler Weise an die Conference-Finals 2009 erinnerte.
Wie dem auch sei, die Vorstellung Rondos gestern ist kaum hoch genug zu bewerten. Eine ähnliche Dominanz über volle 48 Minuten ist man in heutigen Zeiten sonst nur von LeBron James gewohnt und Bill Simmons hat es mit seinem Tweet ziemlich genau getroffen: “Rondo’s 29-18-13 felt like a 35-25-20.” Was die Leistung in ein noch besseres Licht rückt: Es war ein offenes Geheimnis, dass es sich um ein “Do-or-Die”-Spiel für die Celtics handelte. Einem 3:1 hinterherzulaufen wäre wohl mehr als aussichtslos gewesen. Unter diesem Druck und unter dem zeitweise kompletten Abtauchen eigentlicher Go-to-Guys (Paul Pierce) derart zu dominieren, ist beeindruckend. Ich schrieb nach der ersten Runde, dass Deron Williams offiziell der beste Point Guard der NBA ist. Rondo ist bestimmt noch nicht so weit, aber er ist zumindest auf einem guten Weg.

In der gestrigen Partie mit 18 Zählern: Bostons Scharfschütze Ray Allen
Was Cleveland aber letztlich den Zahn gezogen hat, waren mehrere Faktoren, mit denen man nicht rechnen konnte. Da wäre zum Beispiel auf Seiten der Celtics die Vorstellung von Tony Allen. Wie ich in einem Kommentar unmittelbar nach dem Spiel schrieb, weiß ich nicht, mit wem er seine Gene vor Playoffbeginn getauscht hat oder wer sich hinter der Maske des Tony Allen befindet. Jedenfalls war er gestern (noch vor seinem Namensvetter Ray) zweitbester Spieler der Celtics und (schreibe ich das gerade wirklich?) drittbester Spieler auf dem Court. Defensiv hat er mal wieder einen sehr guten Job gemacht, sofern das gegen LeBron James möglich ist. Offensiv tadellos, keine schlechten Würfe und wenn er bei einem Fastbreak James’ Blockversuch mit einem behind-the-back auf Rondo lächerlich macht (Rondo machte das gleiche kurz zuvor), weiß man, dass das kein normales Spiel von Allen ist.
Ebenso wichtig aus Celtics-Sicht war das Versagen der Guards auf Seiten der Cavaliers: Auf Williams bin ich schon eingegangen, Delonte West war ebenfalls komplett unsichtbar an diesem Abend (obwohl ich der Meinung bin, dass West eines der größeren Probleme für die Celtics sein sollte) und Anthony Parker lieferte zwar ein solides Spiel ab, konnte aber auch nicht die Schwächen von Williams und West auffangen. Eigentlich hat mich nur Shaquille O’Neal positiv überzeugt, gerade im ersten Viertel. Inwieweit seine mittlerweile schwache Help-Defense die offensive Produktion schmälert, darf jeder für sich selbst beurteilen.
Das alles führt dann dazu, dass sich die Celtics formidabel auf LeBron James konzentrieren konnten. Die vielen ungestraften Double-Teams erinnerten an vergangen geglaubte Zeiten und wirkliches Selbstbewusstsein durch schnelle Punkte zu Spielbeginn, wie es im dritten Spiel noch der Fall war, konnte sich James auch nicht erarbeiten. Ich will ihm noch nicht einmal einen großen Vorwurf machen, weil er sich meistens gegen zu viele Verteidiger behaupten musste und seine Teamkollegen ihn im Stich ließen. Dieser unbedingte Wille, das Spiel gewinnen zu wollen, war aber auch James nicht wirklich anzumerken.
So kommt es also, dass diese Serie über mindestens sechs Spiele geht und der TD Banknorth Garden noch für ein weiteres Spiel eine der lautesten Hallen der Playoffs sein wird. Bei aller Euphorie bin ich mir bewusst, dass bei Cleveland gestern wenig zusammenlief und sich Boston besser nicht darauf verlassen sollte, dass Tony Allen jeden Abend so eine Partie aufs Parkett zaubern kann. Andererseits lief aber auch bei Boston nicht alles optimal: Paul Pierce schleicht immer noch lethargisch übers Parkett, Kendrick Perkins lieferte eines seiner schwächeren Spiele ab und Rasheed Wallace sowie Glen Davis befanden sich in konstanten Foulproblemen. Und vielleicht ist genau dies das Schöne an der Serie: Nach vier Spielen befinden sich beide Teams auf Augenhöhe. Und das ist mehr, als man vorher erwarten durfte.
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Schlagworte: Anthony Parker, Boston Celtics, Cleveland Cavaliers, Delonte West, Deron Williams, Glen Davis, Kendrick Perkins, LeBron James, Mo Williams, Paul Pierce, Rajon Rondo, Rasheed Wallace, Ray Allen, Shaquille O'Neal, Tony Allen




Dass es die Playoff-Zweitrundenserie mit der höchsten Intensität werden würde, konnte man nach dem letzten Aufeinanderprallen der Cleveland Cavaliers und Boston Celtics in der Regular-Season erahnen. Lediglich die Spannung schien etwas zu fehlen, zu dominant erschien Cleveland in 82 Spielen und der ersten Runde. Aber Zeiten ändern sich. Ein Kommentar. 
Guter Artikel :). Mitllerweile bin ich wirklich ziemlich enttäuscht von Mo Williams -.- … Um ein Spiel zu dominieren sind sie sehr auf ihn angewiesen, es gab eine Phase im Spiel wo er druck gemacht hat und prompt haben die Cavs einen 12 Punkte Rückstand aufgeholt und dann wer er wieder mal komplett von der Bildfläche verschwunden. Während der Regular Season spielt er meistens top und in den Playoffs versagt er. Ich versteh es nicht.
Ok Perkins war jetzt nicht gerade offensiv aktiv bzw. gar nicht, aber 4 Blocks sind auch nicht ohne. Was mich am Spiel bestimmter Spieler von Boston gestört hat war, dass sie früh in Foulprobleme geraten sind. 4 von 5 der Starting Five hatten 5 Fouls auf ihrem Konto zu verbuchen, mal abgesehen von Rayray der sogar ausgefoult wurde. Wallace durfte sich auch wieder schnell auf die Bank setzen, nach mehreren begannen Fouls kurz hintereinander. Eine Portion Glück war schon gestern dabei, denn Rondo wird wohl nicht noch einmal so eine Dominanz auf dem Court präsentieren.
ps. Mir ist aufgefallen, dass bei den Nightly Leaders Rondo in allen drei Kategorien vertreten ist. Hab ich glaub ich noch nie gesehen^^
Wow! Was für ein irres Spiel von Rondo. Habe mir gerade die Partie in der Wiederholung angeschaut und komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Toll was dieser Junge aufs Parkett zaubert.
Bzgl. der Nightly Leaders Statistik: Es gab ja auch nur zwei Spiele gestern von daher relativiert sich das Ganze ein bisschen. Trotzdem hätte Rondo mit diesen Statistiken selbst an einem Spieltag mit 8 Partien gute Chancen auf ein Triple bei den Besten der Nacht.
Gruß
Mattes
Live gesehen gestern. Monster-Spiel von Rondo. Unglaubliches TD!
Hut ab.
Eins gegen Eins können ihn nur wenige in der NBA stoppen. Der Junge braucht noch ein Paar Jährchen, dann ist er ganz weit oben.
Schön war es auch, als die Cavs ihn zum wiederholten Mal alleine stehen ließen und hofften, dass Rondo seinen Midrange-Jumper nicht trifft.
Also wenn die Celtics Cleveland aus den Playoffs kicken, hätte ich, ehrlich gesagt, nichts dagegen
In den Playoffs zeigt sich wer ein Mann ist.
Wenn einer nichts auf die Reihe bekommt dann nur aus Angst.
Angst macht einen bewegungsunfähig.
Angst keinen Shot zu treffen, Angst kein gutes Spiel zu zeigen.
Rondo hingegen kennt keine Angst.
Hätte er auch nur einen zweifel gehabt dann wär es das gewesen für Boston.
Er hatte keine Angst zu versagen, er hat es wie ein Mann hingenommen und sein bestes Spiel abgeliefert. RESPEKT RONDO.
Ich glaube nicht das Rondo alleine eine Playoff Serie entscheiden kann.
Dazu müssen die anderen Celtics mal aufwachen. Kevin G., Paul P., Ray A.
Jetzt geht es für 2 spiele nach Cleveland. Home Court Advantage.
Diese 2 Spiele könnte Cleveland nutzen um in die Eastern Semi Finals zu ziehen.
Wenn die Cavs spiel 5 gewinnen dann machen sie den Sack zu.
Shaq ist immer immer noch ein Titelgewinner und weiß seine Teamspieler zu motivieren.
Go Cavs!!!
Jetzt noch ein Paar Beats im Hintergrund…
@ Pat Riley
Naja wenn mans genau nimmt, müssten die Celtics nicht 2mal nach Ohio, weil sie den Sack auch bei sich zu Hause am Donnerstag zu machen könnten.
@ Pat: Was Fabou meint: Das Playoff-System in Sachen Heimspiele sieht bis zu den Finals so aus: 2-2-1-1-1. Im Finale dann so: 2-3-2.
Unglaublich, dass die anderen Serien alle 4-0 ausgegagen sind. Merkwürdige Playoffs bisher
Bisschen langweilige Playoffs bisher, leider. Erst eine Serie, die über sieben Partien ging.
Mal sehen was jetzt mit Cleveland - Boston passiert.
@David: Ja genau so meinte ich es
Schon traurig was bisher so in den Playoffs abging. Ich hoffe bloß die Conference Finals bzw. die Finals werden ansehnlicher. Und Überraschungen wären auch nicht schlecht, z.B. ein Finale Phoenix gg. Boston, aber naja.
wie schlecht die cavs spielen hammer hart ….
@ Fabou:
Überraschungen?!
Celtics führen mit 3-2