Fehlende Intensität: Ist die reguläre NBA-Saison zu lang?

Von: David Lorenz

LeBron JamesBevor es in der National Basketball Association Ende April ans Eingemachte geht, sprich, bevor die Playoffs starten, muss jede Mannschaft der Liga 82 Begegnungen in der regulären Saison absolvieren. Oft wirken die Spieler deswegen ausgelaugt, lustlos und wenig motiviert. Doch würden die Fans einen abgespeckten Spielplan überhaupt akzeptieren? Und was würde uns dann tagtäglich fehlen? Ein Kommentar. (mehr…)

So ziemlich jeder Fan der NBA kennt wohl folgende Frage: Warum spielt meine Mannschaft derart uninspiriert und warum zum Teufel kämpft sie nicht richtig? Die Antwort darauf ist schnell gefunden und hat nichts mit fehlender Professionalität von Seiten der Spieler zu tun sondern oft etwas mit Kalkül in Form gezielten Kräftesparens. Die reguläre Saison zieht sich von Ende Oktober bis Mitte April und beinhaltet 82 Begegnungen für jedes Team. Dabei müssen die Akteure teilweise drei- bis viermal die Woche antreten. Jeder Profi der Fußball-Bundesliga würde bei diesem Spielplan irgendwann den Einsatz verweigern.

Nicht so in der NBA. Dort werden stattdessen eine Vielzahl der Begegnungen auf Sparflamme bestritten. Häufig lohnt es sich kaum, die Nacht über aufzubleiben um der eigenen Mannschaft bei einem Blow-Out-Sieg oder einer deftigen Niederlage zuzuschauen.

Häufig steht der Spielausgang schon zur Halbzeit fest. Oder schlimmer: er hat etwas Beliebiges an sich. Bei 82 Partien ist es nicht so schlimm, wenn hin und wieder eine Begegnung abgegeben wird. Und ob ein Team von Rang fünf oder sechs in die Playoffs startet, spielt eher selten eine Rolle. Es sei denn, man will dem absoluten Angstgegner aus dem Wege gehen.

Noch bedeutungsloser ist die reguläre Saison für Mannschaften, die sich bereits frühzeitig aus dem Rennen um die Playoffs verabschieden. Durch lustloses Spiel avancieren sie schnell zu Punktelieferanten für die Spitzenteams, oder sie spielen sogar absichtlich schwach, um einen hohen Draftpick zu ergattern. Zu verlieren gibt es für sie nicht viel, da niemand aus der NBA absteigen kann.

Die Schwächen der regulären Saison werden mit Beginn der Playoffs am allerdeutlichsten. Die Mannschaften und ihre Spieler sind nicht mehr wiederzuerkennen. Auf einmal wird um jeden Ball gekämpft als ginge es um Leben und Tod. Die Qualität der Begegnungen steigt um gefühlte 300 Prozent, plötzlich findet ein ganz anderes Spiel statt. Es geht um etwas!

Und genau dies ist die große Schwäche der NBA: spannend wird es erst mit der K.o.-Runde. Um abermals auf das Beispiel der Fußball-Bundesliga zurückzukommen: Dort zählt jedes Spiel, da am Ende die Mannschaft mit den meisten Punkten aus der Saison zum Meister gekürt wird. Allerdings müssen die Fans dort auf direkte Duelle zwischen den beiden besten Teams der Liga à la einer Serie wie in den NBA-Finals verzichten.

Denn es gibt auch einige Aspekte, die für die reguläre NBA-Saison in ihrer jetzigen Form sprechen. Für Statistik-Fans ist sie ein absolutes Schlaraffenland. Jede Nacht gibt es neue Daten auszuwerten, neue Rekorde zu verbuchen und Leistungen zu analysieren. Wie entwickelt sich der Hoffnungsträger meiner Mannschaft? In welcher Statistik verbessert er sich im Vergleich zur letzten Saison und wo wird er schwächer? Es lässt sich schnell ermitteln, ob ein Akteur im Sommer an seinem Freiwurf oder Dreier gearbeitet hat.

Und genau das macht die große Stärke der NBA in Kombination mit der regulären Saison aus. Alles, aber auch wirklich alles lässt sich statistisch erfassen und analysieren. 82 Begegnungen pro Franchise liefern tonnenweise Daten, Zahlen und Rekorde. Die Liga ist verrückt nach neuen Bestleistungen, Karriere-Meilensteinen der Spieler oder Siegesserien der Teams. Hätte eine Saison nur 34 Partien wie in der Fußball-Bundesliga, käme eine Großzahl der Rekorde nicht zustande.

Doch der wichtigste Aspekt der für eine lange reguläre Saison spricht, ist die Tatsache, dass wir Fans uns jeden Morgen unzählige Partien in der Zusammenfassung anschauen können und etliche Highlights geboten bekommen. Zudem wächst die Vorfreude auf die Playoffs mit jedem Spieltag. Die Duelle der Endrunde werden vor allem deshalb so spannend, da man jeden Spieler und jedes Team der Liga schon in- und auswendig aus der regulären Saison kennt.

Mangelnde Intensität hin, beliebiger Spielausgang her, die reguläre NBA-Saison ist der ideale Zeitvertreib für jeden Basketball-Fan.

(Photo by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

15 Kommentare zu „Fehlende Intensität: Ist die reguläre NBA-Saison zu lang?“

  1. Chilles sagt:

    Also mir würde was fehlen.
    Jeden Morgen nach dem Aufstehen ist die erste Seite, die ich aufruf nba.com.
    Zuerst die Top Plays, dann die Zusammenfassungen, Vor- und Nachberichterstattungen und dann noch checken was die Kolumnisten so schreiben.
    Kann mir keinen schöneren Start in den Alltag vorstellen.

  2. Michael sagt:

    Mir würde es auch fehlen, wenn nicht täglich Spiele stattfinden würden.
    Auf der anderen Seite, kann ich mir natürlich gut vorstellen, dass die lange Saison eine Tortur für die Spieler ist. Dass da Spiele mit nur “halber Kraft” gespielt werden, ist doch verständlich.
    Doch der Verlauf einer NBA Saison ist nunmal so, seit wann eigentlich?
    Stellt euch vor, die Saison wäre kürzer: Es würde weniger Eintrittgelder eingenommen, die Spielergehälter wären niedriger, Einnahmen durch TV Rechte weniger und so weiter…
    Also, lasst es so wie es ist und spielt eben manchmal ruhiger…

  3. Mr. Ecko sagt:

    Ich kann die Kritik am Spielplan aber sehr gut verstehen. Schaut euch mal die Euro-League oder von mir aus auch die Basketball Bundesliga an, da wird teilweise viel mehr gekämpft und härter zur Sache gegangen. Eben weil jedes Spiel zählt. Macht halt mehr Spaß anzuschauen. In der NBA schau ich mir die Spiele live nur während den Playoffs an, in der reg. Season ist mir die Chance auf einen Langweiler zu groß.

  4. Micha sagt:

    @ Mr. Ecko
    Vergleiche niemals die NBA mit der BBL. Es geht einfach nicht, egal in welchem Punkt ;)

    Die NBA wird die Saison niemals verkürzen, allein wegen der Einnahmen. Der Punkt ist richtig, die Saison ist extram lang und kraft aufreibend. Allerdings muss ich ehrlich sagen das es mir so gefällt, die Playoffs sind was ganz besonderes, die Intensität ist vviel höher. Die Playoffs sind halt der Halt DER Höherpunkt der Saison, das giebt es in anderen Sportarten nicht entweder entscheidet sich der Tieltel über die ganze Saion oder in einem Endspiel inerhalb von kürzester Zeit.

  5. Dmitrij Karle sagt:

    Hmm… hier haben einige die Einnahmen erwähnt. Also wenn ich mir die Saison der NFL so anschaue, da haben die Mannschaften nicht wirklich Geldmangel zu verzeichnen. Klar, es gibt auch Teams, die weniger Kohle haben. Aber jeden Sonntag ist fast jedes Stadion der NFL Teams rappel voll! Und langweilig wird es zudem auch nicht. Da freut man sich doch umso mehr auf einen Sonntag und ein NFL Spiel! So würden NBA Teams noch mehr Leistung zeigen, wenn man nur max. 2 Spiele pro Woche absolvieren würde. Und zudem ist die NFL mit ihrem Spielplan von nur 16 Spielen pro Saison die beste Sportart in den USA. Ich bin mir nicht sicher wegen der TV Rechte. Aber so schlecht kann die Lage doch nicht sein, oder?! Und das nur, wie schon gesagt, bei 16 Partien pro Spielzeit plus das Überevent schlechthin Superbowl!
    Lange Rede, kruzer Sinn: die NBA muss ihren Spielplan drastisch überdenken und evtl. auch verkürzen.
    Wenn es mit der Kürzung nicht klappt, sollte man das Playoffformat so ändern, dass es sich zu lohnt jedes Spiel so zu beginnen als wäre das letzte!

  6. Gast sagt:

    Schwachsinn, warum sollte man die BBL nicht mit der NBA vergleichen können? Nur weil sie nicht „vergleichbar“ (im Sinne von: ganz anderes Niveau) ist?

    Ich finde die aktuelle Saison deutlich zu lang. Der Vergleich mit der Fußball-Bundesliga passt sehr gut: Dort gibt es nur 18 Teams und diese Bestreiten pro Saison 34 Spieltage. In der NBA gibt es 30 Teams, die 82 Spieltage bestreiten. Das sind im Endeffekt viermal so viele Spiele (2460 statt 612) – und die BuLi-Vereine können selbst mit den Pokalwettbewerben kaum mit den bis zu 105 Playoff-Partien der NBA mithalten. Zwar ist der Markt und der Bedarf für die NBA natürlich auch größer, aber hier hat man immer ganz stark das Gefühl, dass Quantität über Qualität gestellt wird. Ein einzelnes Spiel in Regular Season ist unbedeutend – wenn jedoch in der BuLi der zweite den ersten besiegt ist das für Fans beider Teams für eine Woche das Hauptgesprächsthema…

  7. Meiner sagt:

    Naja aber die Vergleiche hinken. Vor allem der mit der Bundesliga 90 Minuten Fussball ist meiner Meinung Kräfte raubender als 48 Minuten Basketball vor allem da die Spieler beim Basketball nicht durch spielen müssen.

    Der Vergleich zur Nhl wegen Einnahmen der hinkt auch etwas, weil in ein NFL Stadion passen auch im durchschnitt 4 mal so viel Leute rein also sind die Einnahmen pro Spiel höher. wobei sie natürlich trotzdem nur 2/3 der Zuschauer haben würden in der Saison wenn alle Stadien und Hallen immer ausverkauft wären…..

    Insgesamt würde ich sagen das es nicht vergleichbar ist alles…. und ich der Meinung bin einfach alles lassen wie es ist! und wenn könnte man sich überlegen das einfach alles 2 mal gegeneinander Spielen also 58 Spiele, das wäre meiner Meinung nach vertretbar, wobei da das ganze conferenz system dann verloren gänge. Naja bezweifel das sich daran was ändern sollte aber naja mal sehen. ;)

  8. Gast sagt:

    Ein Basketballspiel geht nach meiner Erfahrung gute 2 Stunden. Ich denke da nehmen sich Basketball und Fußball am Ende nicht viel.

    Das Argument mit der Größe der Stadien klappt auch nicht ganz, bei den Sixers kriegen sie die Halle selbst mit AI nicht voll, in Dallas haben sie ganze Serien von ausverkauften Spielen.

  9. Schaumberger sagt:

    Ich finde die Frage beantwortet sich eigentlich selbst: Wenn alle sich einig sind das in den Playoffs guter intensiver Basketball gespielt wird, dann bestätigt das den Eindruck das das in der Regular Season nicht so ist. Da sind 90% der Spiele grotten langweilig, der Intensitäts- und Qualitätslevel kommt einem beliebigen Freiplatzspiel gleich (Überspitzt ausgedrückt). Und da in der NBA fast ausschließlich wirklich gute Basketballer auf dem Platz stehen liegt das ja wohl nur an der völlig übertriebenen Anzahl an Spielen - Das einzelne Spiel verkommt hier zur Pflichtübung deren Wert gegen null geht – und das sieht man eben.

    Ich glaube das sich die NBA da ins eigene Fleisch schneidet – das Produkt wird immer schlechter (Mehr Teams, mehr Spiele, weniger Spannung). Mir pers. wäre es lieber die Zahl der Spiele (Oder gleich die der Teams) drastisch zurückzufahren. Bei der unüberschauberen Anzahl von Spielen engeht mir auch ein wenig der Sinn der Playoffs – reichen 82(!) Spiele nicht aus um zu beweisen wer das beste Team in der Liga ist? Wozu noch die Playoffs am Ende? (zynische Antwort: Weil sie die einzigen Wochen sind in denen echter Basketball gespielt wird…)

  10. Schaumberger sagt:

    PS: Die physische Belastung eines 90min Fussballspiels ist übrigens bei weitem höher als die eines Basketball Spiels. Das Feld ist größer, die Lauf- und Sprintstrecken länger und Pausen gibt es keine.

    Einfach mal selber Fussball spielen, dann merkt man das recht schnell! ;-)

  11. Magnus sagt:

    Also ich weiß ja nicht ob ihr regelmäßig ein komplettes NBA Spiel schaut, denn ich gucke jeden Tag mit dem League Pass und ich finde die Spiele alles andere als langweilig.. Klar sind manche echt öder, aber das sind höchstens 10 - 15 % der Spiele die ich mir ansehe. Die Aussage, dass 90 % aller Saisonspiele grotten langweilig sind, ist für mich somit überhaupt nicht vertretbar.

  12. Sören sagt:

    @ Magnus: Da gebe ich dir vollkommen recht. Das hin und wieder mal ein schlechtes Spiel dabei ist doch wohl klar. Da ist beim Fußball auch so. Nicht jedes Spiel ist “weltklasse”.
    Und bei 82 Spielen ist es doch okay, dass das ein oder andere Spiel mal nicht so gut ist.
    Es sollte so bleiben wie es ist. Ich könnte mir nicht vorstellen dass eine Saison z.B. nur 40 Spiele hat.

  13. Dmitrij Karle sagt:

    Naja, aber das Projekt NBA, wie es jetzt besteht, ist leider nicht mehr finanziell tragbar!
    Ich lege euch, die für eine 82-Spiele andauernde Saison sind, diesen Artikel wärmstens ans Herz!!

    http://sports.espn.go.com/espn/page2/story?page=simmons/100224

  14. Arndt sagt:

    lasst alles so wie es ist. ich sehe es wie magnus.
    ich spiele übrigens fußball und basketball aufm freiplatz. ich sehe es ganz und gar nicht so, dass ein fußballspiel anstrengender ist und den körper mehr strapaziert als ein 3/4 Stunden Zock aufm Freiplatz mit 7 Mann.

  15. Arndt sagt:

    7 Mann pro Team *g*

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