Keine Panik

Von: Dmitrij Karle

dwight-howard1Im ersten Finalspiel der Eastern-Conference schockten die Gäste aus Boston den Gastgeber, die Orlando Magic, und spazierten fast ungehindert zu einem 92:88-Erfolg. Auf Seiten der Kelten überzeugten vor allem Paul Pierce (22 Punkte) und Ray Allen (25). Von den Magic ist nun eine heftige Reaktion zu erwarten. Das zweite Spiel der Serie findet am Dienstag in Orlando statt. Ein Kommentar. (mehr…)

Es war kein guter Abend für die Mannen von Headcoach Stan Van Gundy. Von Anfang an bestimmten die Boston Celtics das Tempo des Spiels und drückten der Partie ihren Stempel auf. Was man von den Hausherren nicht gerade behaupten konnte.

Vieles ging schief. Doch die Magic-Fans dürfen jetzt nicht ans Aufgeben denken, denn das Team um Superstar Dwight Howard, der gestern wohl zum ersten Mal in den diesjährigen Playoffs für seine Punkte hart arbeiten musste (die Bobcats mögen mir verzeihen), gab sich vergangene Nacht auch nicht auf. Denn es gibt Positives zu berichten. Man sah den Magic-Akteuren von Beginn aus an, dass sie mit solch einer Wucht des Gegners nicht gerechnet hatten. Der Grund dafür waren ganz klar die zwei Playoffserien gegen Charlotte und Atlanta. Dabei agierten die Bobcats ähnlich stark gegen Dwight Howard, der in jedem Spiel mit Foulproblemen zu kämpfen hatte (5,5 Fouls pro Partie) und nie wirklich Fuß fassen konnte. Doch da seine Mitspieler (Rashard Lewis, Vince Carter und Jameer Nelson) nahezu ungehindert an ihre Punkte kamen, brauchte Howard auch nicht viel machen und Orlando “sweepte” die Katzen in den Urlaub.

In der zweiten Runde kamen die Atlanta Hawks an die Reihe. Die Falken waren mit der Power von Howard und den Schützen der Magic einfach deutlich überfordert. Man könnte sogar weiter gehen und sagen, dass Atlanta die zweite Runde der NBA-Playoffs einfach nicht verdient hatte. Superman konnte sich austoben (21 Punkte, 13,3 Rebounds im Schnitt) und die Magic spazierten zum einem souveränen Start-Ziel-Erfolg gegen die Mannschaft aus dem Bundesstaat Georgia.

Doch genau diese Serie hat einen negativen Beigeschmack hinterlassen. Zwar hatte die Magic-Truppe danach satte sechs Tage Pause, allerdings war davon gestern nicht viel zu spüren. Schlimmer noch, die Celtics, die LeBron James und seine Cleveland Cavaliers in einer kräftezehrenden Serie geschlagen hatten, wirkten frischer. Die Offensive der Magic stagnierte gewaltig. Was wiederum auch mit einer hervorragenden Verteidigungsleistung der Celtics zu tun hatte. Manchmal aber braucht man einfach einen Schock, damit man wieder auf dem Boden der Tatsachen landet. Die ersten beiden Runden waren zwar schön und nett, aber kaum eine gute Vorbereitung auf die Eastern-Conference-Finals und die, zurzeit auf hohem Niveau spielenden, Boston Celtics. Meiner Meinung haben die Magic im gestrigen Aufeinandertreffen ihre Lektion gelernt und werden schon im nächsten Spiel besser und abgeklärter agieren.

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Jameer Nelson

Weiterhin ist zu erwähnen, dass Orlando zu keinem Zeitpunkt der gestrigen Partie die Köpfe hängen ließ (an dieser Stelle einen schönen Gruß an die Cleveland Cavaliers). Zwischenzeitlich lagen die Magic mit 20 Punkten im Rückstand. Nicht viele Mannschaften wären in der Lage gewesen, sich aus diesem Loch zu befreien. Dagegen kam Orlando zum Ende der Partie noch heran und wäre um ein Haar mit dem Sieg davon gekommen. Im zweiten Viertel führte Boston mit 15 Zählern, als der Ersatz-Center für Dwight Howard, Marcin Gortat, für einige Highlights sorgen und somit einen Lauf für seine Mannschaft ermöglich konnte. Da wurde es zum wiederholten Male deutlich, wie wichtige der Pole für die Magic ist.

Am Ende verlor Orlando mit nur vier Punkten, obwohl Rashard Lewis keinen einzigen Dreier an diesem Abend verwandeln konnte (null von sechs) und acht seiner insgesamt zehn Würfe vergab, Dwight Howard in der Zone gegen die gegnerischen Bigs kein Land sah (drei von zehn Treffer aus dem Feld), und, letztendlich, trotz 18 Ballverlusten (12 davon in der ersten Hälfte). Noch so ein Spiel wird es nicht geben.

Von der Bank zeichneten sich vor allem der oben genannte Gortat und Duke-Star J.J. Redick aus. Redick agierte sowohl in der Verteidigung als auch in der Offensive mehr als solide. Er ist ein unterschätzter Verteidiger, der während der Regular-Season gegen Boston immer wieder für Akzente sorgen konnte. Trifft er dazu noch seinen Wurf wie gestern, steht einer Starting-Five-Nominierung nichts im Wege, da der etatmäßige Starter Matt Barnes wohl eine Verletzung zu schaffen macht und er vergangene Nacht in der Defensive gegen Ray Allen und Paul Pierce kläglich scheiterte.

Fast hätte ich es vergessen: An dieser Stelle ein großes Lob an Vince Carter! Man sah dem 33-jährigen Shooting-Guard an, dass er sich mit aller Kraft gegen die Celtics stemmte. Aber ein Ein-Mann-Unternehmen (wo verbringen eigentlich die Cavaliers ihren Urlaub?) kann schlicht und ergreifend Boston nicht schlagen. Ja, ich muss gestehen, auch gestern wieder nahm Carter einige fragwürdige Jumper, anstatt besser im Eins gegen Eins den Korb zu attackieren. Nichtsdestotrotz durfte man einige schöne Drives von der rechten Seite bewundern. Bitte noch mehr davon in Spiel zwei.

Am kommenden Dienstag wird eine andere Mannschaft auf dem Parkett stehen, soviel ist sicher. Dwight Howard wird mit mehr Motivation das Spiel angehen. Wir wissen alle, dass “D12″ in der Lage ist ein Spiel zu entscheiden. Dwight, es ist an der Zeit, den Superman auszupacken! Die Offensive wird geschmeidiger laufen und die Ballverluste werden sich in Grenzen gehalten. Dadurch sollte auch der Dreier wieder öfter fallen. Stan Van Gundy wird sich auch sicherlich so seine Gedanken machen. Er hat die Mannschaft letztes Jahr in den Playoffs souverän in die Finals geführt und bleibt, in meinen Augen, einer der besten Coaches, die die NBA zu bieten hat. Orlando muss nun zeigen, dass man nicht umsonst in den Eastern-Conference-Finals steht.

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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8 Kommentare zu „Keine Panik“

  1. Mitch sagt:

    Super Beitrag! Ich sehe das genau so, bis auf eine Kleinigkeit: D12 kann aus eigener Kraft kein PO-Spiel auf diesem Niveau entscheiden. Erst wenn seine Mitspieler für ihn die Räume weit machen wird eine solche Tat möglich. Gestern hat man deutlich gesehen, dass er gegen gute Team-Defense und individuell gute Big-Man-Defender (Wallace hat einen super Job gemacht) sehr limtiert wirkt. Allein is auf diesem Niveau nicht viel zu erreichen insbesondere wenn man höchstens einen richtigen Move im Arsenal hat.

  2. Flo sagt:

    Sauberer Artikel, DeeKay.

    U gotta love those Celtics, eine gewaltige Trotzreaktion der Magic erwarte ich nun auch. Und das nicht nur weil ich mir nun mal laaange Playoff-Serien wünsche.

  3. Magnus sagt:

    Naaa, immer noch keine Panik ;)?

  4. Dima Karle sagt:

    Man, man, man - Carter verfehlte zwei der wichtigsten Freiwürfe überhaupt zum Ende der Partie.

    Wie heißt die Fussballweisheit nochmal: “Ein Spiel dauert 90 Minuten”. Auf den Basketball übertragen: Boston ist immer noch zwei Siege von den Finals entfernt!
    Kann Orlando das dritte Spiel für sich entscheiden, ist das Momentum der Celtics hin. Und die Magic können im TD Garden gewinnen, zweifelsohne.
    Abwarten…

  5. Sören sagt:

    Irgendwie gewinne ich den Eindruck, dass die Celtics unterschätzt werden. Sie haben Cleveland rausgeschmissen und haben nun beide Spiele in Orlando gewonnen. Mich würde es nicht überraschen, wenn Sie Ihre zwei Heimspiele jetzt auch noch gewinnen.
    Klar waren die Celtics gegen Ende der Saison nicht so gut drauf, aber eine Mannschaft mit Rondo, Allen, Pierce, Garnett und Perkins darf man NIE unterschätzen. Diese Mannschaft weiß, wie man Playoff-Schlachten schlägt. Ich bin auch überrascht wie gut sie in den PO sind, aber sie haben halt einfach viel Erfahrung und auch Klasse, dass kann man denen nicht absprechen.

  6. Fabou sagt:

    @ Sören:
    Da geb ich dir vollkommen Recht. Man liest es hier und hört es in den Medien, dass man den Celtics nichts zutraut, aber sie spielen besser denn je. Mich würde es nicht wundern, wenn sie dieses Jahr sogar noch einen Ring gewinnen, vor allem weil die Älteren im Team wissen, dass das wohl ihre letzte Chance sein wird, bevor der spannende Sommer kommt und noch ein Jahr verstreicht. Besonders KG, Pierce und Allen müssten langsam aber sicher ihre müden Knochen bemerken.
    Keep it up guys! Ihr spielt einfach traumhaft

  7. karim sagt:

    Spiel 3 wird richtungsweisend sein für die Serie. Gewinnt Boston sind sie durch. Wenn sie weiterhin so klug verteidigen wird es selbst für die LAL/PHX schwer. Denn eine Defense entscheidet immernoch Meisterschaften, und die spielen die Celtics fast perfekt wie kein anderes Team. Siehe Pistons in den 80gern und Anfang 20. Mit Defense wird ein offensives Team einfach aus dem Spiel genommen.
    D12 hat leider immernoch keine Post Moves drauf, die ein Center dringend benötigt. (wo sind eigtl. die guten Center alter Schule mit Moves…)
    M.E. liegt auch der Fehler bei Van Gundy. Hat 2 gute Talente auf der Bank (Bass, Andersson) aber keiner spielt.
    Dann nicht wundern wenns 4-0 oder 4-1 ausgeht.
    Mein Wunschfinale. C´s vs Suns.

  8. Magnus sagt:

    Am schönsten finde ich, dass dieses in den Himmel gelobe der Magic und der verriss der Cavs jetzt ziemlich dumm da steht :DDDD! Ich meine die Cavs haben wenigstens 2 Spiele gewonnen ^^!

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