Von: David Lorenz
Die große Überraschung blieb letztendlich aus.
Mit 109:99 setzten sich die Boston Celtics im siebten Spiel der Serie „Best-of-Seven“ gegen die Chicago Bulls durch und treffen nun in den Conference-Semi-Finals auf die Orlando Magic.
„Es war eine lange und mörderische Serie“, so Paul Pierce (Foto, 20 Punkte, neun Rebounds, vier Vorlagen) nach der Begegnung. „Ich denke, das waren mit die mental härtesten Auseinandersetzungen die ich jemals durchgemacht habe. Aber wir sind immer noch der Champion, und uns muss erst einmal jemand schlagen.“
Das finale Aufeinandertreffen beider Mannschaften sollte nicht ganz die Klasse der vorhergegangenen Partien erreichen, dafür fehlte es über weite Strecken der Begegnung an der nötigen Spannung. Der amtierende NBA-Champion übernahm mit Beginn des zweiten Viertels, das mit 29:11 Zählern an die Celtics ging, die Kontrolle über die Partie und sollte in der Folge die Führung nicht mehr abgeben.
Chicago hatte den ersten Spielabschnitt mit 28:23 für sich entschieden, vor allem, weil Boston auf Ben Gordon anfangs keine Antwort fand. Der Brite erzielte 12 seiner 33 Zähler in Viertel Nummer eins. Doch schnell besann sich die Mannschaft aus „Beantown“ auf ihre Stärken: Defense, Defense, Defense.
„Gott sei Dank verfügen wir über eine wirklich kampferprobte Mannschaft“, so Pierce über die Leistung seines Teams. Doc Rivers, Headcoach der Truppe, blies derweil ins selbe Horn: „Wir haben uns endlich wieder in die wahren Celtics verwandelt. Defensive Schlüsselszenen und reihenweise wichtige Punkte im Angriff, das hat uns heute ausgemacht.“
Bei den Bulls lief mit Beginn der zweiten 12 Minuten dank der starken Celtics-Verteidigung nur noch wenig zusammen. Gordon verwandelte seine Würfe von außen nicht mehr, und anstatt wie im ersten Viertel aggressiv zum Korb zu gehen, entschieden sich die Bulls für zu viele gut gedeckte Würfe aus der Mittel- und Ferndistanz.
Zum Halbzeitpfiff hieß es 39:52 aus Sicht Chicagos.
Langsam fand die Mannschaft von Headcoach Vinny Del Negro wieder zu ihrem Spiel. Derrick Rose (18 Zähler) suchte immer wieder erfolgreich den Abschluss in Korbnähe, während Kirk Hinrich(16 Punkte) nach einem holprigen Start langsam auftaute. Doch von Spielern wie Brad Miller (neun Zähler) und John Salmons (12), die im bisherigen Serien-Verlauf des Öfteren den Unterschied ausmachten, kam vergangene Nacht einfach zuwenig. Daneben erwischte Tyrus Thomas mit vier Punkten und fünf Rebounds eine ganz schwache Partie.
Im vierten Viertel konnten sich die Bulls noch einmal bis auf 86:89 herankämpfen, doch mehrere überhastete Würfe von Gordon sowie fehlende Durchschlagskraft am Offensiv-Rebound machten am Ende jede Chance auf die Sensation zunichte.
Boston hatte in Pierce und Ray Allen (23 Punkte) seine auffälligsten Akteure, daneben lenkte Rajon Rondo mit 11 Vorlagen (bei sieben Zählern) das Spiel des Meisters gewohnt umsichtig.
Ein Schlüssel zum Erfolg der Celtics lag des Weiteren in Brian Scalabrine (acht Punkte) und Eddie House (Foto, 16 Zähler), die fast jedes Mal, wenn Chicago den Spielstand verkürzen konnte, per Dreier die richtige Antwort fanden. Scalabrine verwandelte zwei von drei Versuchen jenseits der Dreipunkt-Linie, House starke vier von vier.
Die Bulls können dennoch mehr als stolz auf ihre Leistung sein. Die Serie gegen Boston wird als die beste Erstrunden-Begegnung aller Zeiten in die Annalen der NBA-Playoffs eingehen und daneben als eine der spannendsten Duelle überhaupt in den Erinnerungen der Zuschauer haften bleiben.
„Wir haben viele junge Spieler in unseren Reihen, die das erste Mal so etwas miterleben durften“, gab Del Negro, selbst im ersten Jahr als Headcoach einer NBA-Mannschaft tätig, nach dem Ausscheiden seiner Bulls zu Protokoll. „Diese Erfahrung wird uns für die Zukunft äußerst nützlich sein. Die Serie hat uns als Team einfach besser gemacht.“
Zusammenfassung der Partie (Full-Screen per Doppelklick ins Bild):
Schlagworte: Ben Gordon, Boston Celtics, Brad Miller, Brian Scalabrine, Chicago Bulls, Derrick Rose, Doc Rivers, Eddie House, John Salmons, Kirk Hinrich, Paul Pierce, Rajon Rondo, Ray Allen, Tyrus Thomas, Vinny Del Negro



