Von: David Lorenz
Große Teile der US-amerikanischen Werbeindustrie hatten alles auf eine Karte gesetzt. Seit Wochen liefen im Heimatland des Basketballs täglich TV-Spots mit LeBron James und Kobe Bryant rauf und runter, ein Hype wurde produziert. Doch die Rechnung sollte nicht aufgehen. Werbe-Branche, Experten, Fans und Ligaoffizielle hatten die Rechnung ohne den Außenseiter aus Florida gemacht.
Die Orlando Magic stehen dank eines überzeugenden 103:90-Erfolges im sechsten Spiel der Eastern-Conference-Finals über den großen Favoriten aus Cleveland zum ersten Mal nach 1995 wieder in den Finals um die NBA-Meisterschaft. Mit 4-2 ging die Serie letzten Endes deutlich an das Team von Headcoach Stan Van Gundy (Foto), das somit für eine der dicksten Überraschungen der jüngeren Sportgeschichte sorgt. „Niemand hat uns zugetraut, dass wir auf diesem Level agieren können“, gab Van Gundy nach dem Sieg seiner Truppe zu Protokoll.
Angeführt von einem überragenden Dwight Howard, der mit 40 Punkten (neben 14 Rebounds) eine neue persönliche Playoff-Bestmarke aufzustellen vermochte und die vielleicht beste Vorstellungen seiner Karriere ablieferte, dominierten die Magic vor heimischer Kulisse die gegnerischen Cavaliers phasenweise. Das zweite Viertel der Partie geriet dabei zum spielentscheidenden Abschnitt, den Orlando mit 28:15 für sich entschied und dadurch zur Halbzeitpause im Besitzt einer komfortablen 58:40-Führung war. Ein Rückstand, von dem sich Cleveland im weiteren Spielverlauf nicht mehr erholen sollte.
Die Magic zogen der Mannschaft aus dem Bundesstaat Ohio mit ihrer üblichen Kombination aus einem tödlichen Inside-Outside-Spiel den Zahn. Zwölf Dreier wussten die Schützen in Reihen Orlandos zu versenken, während Howard unter dem Korb alles nieder machte. Rashard Lewis mit 18, Rafer Alston mit 13 und Mickael Pietrus mit 14 Zählern konnten neben Howard auf häufigsten für Orlando punkten. „Wenn sie einmal ins Rollen kommen, sind sie fast unmöglich aufzuhalten“ gab Ben Wallace von der Gegenseite anschließend zu Protokoll.
Für Cleveland endet die so viel versprechende Saison in einer herben Enttäuschung. Das Team um Headcoach Mike Brown hatte in der regulären Spielzeit mit 66 Siegen noch die beste Bilanz der Liga eingefahren und demontierte in den ersten beiden Playoff-Runden die Gegner aus Detroit und Atlanta jeweils mit 4-0 Siegen. Doch gegen Orlando wurde deutlich, dass Superstar LeBron James (Foto) ohne die Hilfe seiner auf einmal überraschend schwach agierenden Nebenleute keine Playoff-Serie entscheiden kann, vor allem nicht gegen ein Team vom Kaliber der Magic.
James, der nach der finalen Niederlage seiner Cavaliers die Amway Arena zu Orlando fluchtartig verlies und zu keiner Stellungnahme bereit war, zeigte sich vergangene Nacht zudem selbst nicht von seiner besten Seite. Für die Verhältnisse des 24-Jährigen Superstars standen am Ende der Partie eher magere 25 Zähler zu Buche, im entscheidenden zweiten Viertel konnte James keinen einzigen Punkt erzielen. Sieben Assists sowie sieben Rebounds, gepaart mit einer durchwachsenen Wurfquote (acht von 20 aus dem Feld, zwei Treffer bei acht Dreierversuchen) zeichneten ein gemischtes Bild von der Leistung des „Kings“ im wichtigsten Spiel der laufenden Playoffs.
Neben James beendeten auf Seiten Clevelands Delonte West durch 22, Mo Williams mit 17 und Anderson Varejao durch 14 Zählern die Partie mit einer zweistelligen Punkteausbeute.
„Wir hatten ein klares Ziel vor Augen“, so Brown im Anschluss an das Ausscheiden seiner Mannschaft. „Und das haben wir verfehlt“.
Ganz im Gegensatz zu den Magic, denen mit Beginn der Endrunde wohl niemand den Sprung ins Finale zugetraut hätte. Doch Orlando erwies sich in Runde zwei gegen die Boston Celtics sowie nun gegen Cleveland jeweils als das bessere Team und konnte beide Serien verdientermaßen für sich entscheiden. Nun kommt es im finalen Showdown um die Meisterschaft zum Duell mit den Los Angeles Lakers, die ihr Halbfinale ebenfalls mit 4-2 gegen die Denver Nuggets entscheiden konnten.
„Meine Mannschaft hat extrem hart für diesen Erfolg gearbeitet“, zeigte sich derweil Van Gundy voller Stolz über seine Truppe. „Unsere Belohnung wird es jetzt sein, uns nach der Defense-Variante gegen LeBron eine Verteidigung für Kobes einfallen zu lassen, was für jedes Team eine enorme Herausforderung darstellt.“
„Doch damit werde ich heute nicht beginnen“, so ein grinsender Van Gundy weiter. „Jetzt wird erst einmal gefeiert.“
Das haben sich Coach und Mannschaft auch verdient, bevor kommenden Donnerstag in Los Angeles die erste Partie der NBA-Finals 2008/2009 steigt.
Orlando ist im Duell mit den Lakers dabei alles zuzutrauen.
Zusammenfassung der Partie (Full-Screen per Doppelklick ins Bild):
Schlagworte: Anderson Varejao, Atlanta Hawks, Ben Wallace, Boston Celtics, Cleveland Cavaliers, Delonte West, Denver Nuggets, Detroit Pistons, Dwight Howard, Kobe Bryant, LeBron James, Mickael Pietrus, Mike Brown, Mo Williams, Orlando Magic, Rafer Alston, Rashard Lewis, Stan Van Gundy




Das Traumfinale zwischen LeBron James und Kobe Bryant ist geplatzt. Als zu stark erwiesen sich die Orlando Magic in der Serie gegen die Cleveland Cavaliers. Angeführt von Dwight Howard (Foto), der vielleicht das beste Spiel seiner Karriere ablieferte, zieht die Mannschaft aus Florida durch einen Sieg über die Cavs nach 14 Jahren erstmals wieder in die NBA-Finals ein.