Orlando schockt den Favoriten

Von: David Lorenz

Dwight HowardDie Party ist vorbei. Völlig überraschend mussten die Cleveland Cavaliers vergangene Nacht ihre erste Pleite der laufenden Playoffs hinnehmen. In einem Herzschlagfinale setzten sich die Orlando Magic um Dwight Howard (Foto) gegen die Truppe von Superstar LeBron James durch und erobern somit den Heimvorteil in den Eastern-Conference-Finals. (mehr…)

„Das ist ein großer Sieg für uns“.

Dwight Howard war nach dem äußerst knappen 107:106-Erfolg Orlandos über Cleveland sichtlich stolz auf die Leistung seiner Mannschaft. „Wir haben das komplette Spiel über gekämpft und immer daran geglaubt, dass wir hier und heute gewinnen können.“

Auf der Gegenseite wirkten die Cavaliers geschockt über die erste Niederlage der Mannschaft im aktuellen Playoff-Verlauf. Zur Halbzeitpause sah beim Stand von 63:48 aus Sicht der Cavaliers noch alles nach einem routinemäßigen Ergebnis zu Gunsten des Favoriten auf die diesjährige NBA-Meisterschaft aus. Nach über einer Woche Pause startete das Team von „Coach of the Year“ Mike Brown frisch in die Partie, während Orlando noch das siebte Aufeinandertreffen mit den Boston Celtics vom vergangenen Sonntag in den Knochen steckte.

Doch das sollte letzten Endes nicht von Bedeutung sein.

LeBron JamesAngestachelt von Stan Van Gundy, Headcoach der Magic, der seiner Mannschaft zum Pausentee ordentlich die Leviten lies, startete die Truppe aus Florida mit Beginn der zweiten Halbzeit eine fulminante Aufholjagd. Cleveland beging den Fehler, offensiv nur noch über LeBron James (Foto) zu spielen oder gut verteidigte Würfe aus der Mitteldistanz zu nehmen - die nicht mehr fallen sollten. Angeführt von Howard, der die Partie mit 30 Zählern und 13 Rebounds beendete, entschied Orlando Spielabschnitt Nummer drei mit 30:19 für sich, der Wendepunkt einer bis dato einseitigen Partie.

„Du musst 48 Minuten lang Vollgas geben“, so Rashard Lewis nach der Partie. „Es gibt im Basketball nichts Wichtigeres. Wir haben zwar nur eine Hälfte lang gut gespielt, aber es war die zweite Hälfte.“

Lewis, mit 22 Zählern zweitbester Punktesammler seiner Mannschaft, war es auch, der 15 Sekunden vor Schlusspfiff per Dreier zum 107:106-Endstand einnetzte. Auf der Gegenseite vergab in der Folge zunächst Delonte West (11 Punkte, sechs Vorlagen) einen offenen Dreier, bevor James eine Sekunde vor Ende der Partie noch mal einen Hochball für seine Mannschaft erkämpfen konnte. Der amtierende MVP der Liga tippte das Leder in Richtung von Mo Williams (17 Zähler), dessen Versuch per Direktabnahme den Korb allerdings knapp verfehlte.

„Niemand von uns hat gesagt, dass es heute einfach werden würde“, zeigte sich ein zerknirschter West nach der Partie frustriert. „Diese Niederlage tut definitiv weh.“

Auch James konnte mit einer absoluten Galavorstellung von 49 Punkten (Karriere-Playoff-Bestleistung), sechst Rebounds, acht Vorlange, zwei Steals und drei Blocks die Pleite seiner Mannschaft nicht verhindern. Völlig entkräftet und aus 41 intensiven Minuten auf dem Parkett von Krämpfen gebeutelt sank der „King“ nach dem Schlusspfiff in sich zusammen. Er hatte das Spiel seiner Mannschaft über weite Strecken der Partie alleine getragen. Im Gegensatz zu Orlandos Einwechselspieler, die 25 Punkte zum Sieg ihres Teams beizusteuern wussten, kam von der Bank Clevelands mit lediglich fünf Zählern (alle von Joe Smith) deutlich zuwenig. Neben James verbuchte zudem kein Akteur der Cavs mehr als 17 Punkte.

Mike BrownCoach Brown (Foto) zog nach der Niederlage dennoch auch positive Schlüsse aus der Pleite seiner Mannschaft. „Diese Niederlage kommt zum richtigen Zeitpunkt. Irgendwann musste unsere Serie von acht Siegen in Folge reißen. Besser jetzt als später irgendwann.“

In der Nacht auf Samstag stehen die Cavaliers bereits unter erhöhtem Druck, wenn in der Quicken Loans Arena zu Cleveland Partie Nummer zwei der Serie „Best of Seven“ steigt. Ein 0:2-Rückstand wäre auch für ein absolutes Top-Team vom Kaliber der Cavs eine schwere Hypothek.

Zusammenfassung der Partie (Full-Screen per Doppelklick ins Bild):

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