Cleveland vor dem Aus

Von: David Lorenz

Dwight HowardDamit hatte keiner gerechnet. Die Orlando Magic stehen im Anschluss an einen hauchdünnen Sieg nach Verlängerung über die Cleveland Cavaliers vor dem Einzug in die NBA-Finals 2009. Beim Stand von 3-1 nach Siegen in den Eastern-Conference-Finals ist die Mannschaft um den überragenden Dwight Howard (Foto) nun im Besitz dreier Matchbälle auf das Weiterkommen. (mehr…)



Den NBA-Playoffs 2008/2009 steht eine faustdicke Überraschung bevor. Als großer Favorit auf den diesjährigen Titelgewinn angetreten sind die Cleveland Cavaliers aufgrund der gestrigen 114:116-Pleite gegen die Orlando Magic nach Verlängerung nur noch eine Niederlage vom Endrunden-Aus entfernt. Es wäre das epische Scheitern der bis dato besten Mannschaft der Saison um den amtierenden MVP der Liga, LeBron James. Und die Geschichte macht der Mannschaft aus dem Bundesstaat Ohio nicht gerade Mut, die Serie doch noch drehen zu können. Seit 1947 gelang es in 190 Playoff-Duellen lediglich acht Teams, einen 1-3 Rückstand nach Siegen noch in ein Weiterkommen umzuwandeln.

Die Tatsache, dass Cleveland nun drei Matchbälle der Magic auf das Erreichen der Finals abzuwehren hat, geht größtenteils auf das Konto des gegnerischen Centers: Dwight Howard.

Es sollte eine magische Nacht für den erst 23-Jährigen werden, der endgültig den Beweis antrat, sein Team auch in der Schlussphase offensiv tragen zu können.  Der „Defensive Player of the Year“ erzielte zehn seiner insgesamt 27 Punkte (neben 14 Rebounds und drei Blocks) in der Verlängerung der Partie.

„Es lag an mir, meine Mannschaft zum Sieg zu führen“, so Howard im Anschluss an die Begegnung. „Meine Mitspieler haben mich in der Verlängerung hervorragend in Szene gesetzt und ich war in der Lage, konstant zu punkten. Ich hasse es zu verlieren, speziell in unserer Halle. Wir haben für diesen Sieg alles gegeben.“

Und das war auch von Nöten. Im Gegensatz zum recht deutlichen Magic-Erfolg aus der vorangegangenen Partie zwischen Orlando und Cleveland ging es gestern extrem spannend zur Sache. 11 Mal wechselte die Führung, sieben Mal war die Begegnung ausgeglichen. Keine Mannschaft vermochte es im Spielverlauf, mit mehr als acht Punkten Differenz in Front zu gehen.

Rashard Lewis4,1 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit sah sich Orlando nach einem Dreier von Rashard Lewis (Foto, 17 Punkte, fünf Rebounds) zum 100:98 bereits auf der Siegerstraße. Doch im Gegenzug zog James per Zug zum Korb ein Foul und vermochte an der Linie durch zwei verwandelte Freiwürfe das Spielgeschehen abermals auszugleichen. Zu diesem Zeitpunkt zeigte die Uhr noch 0,5 verbleibende Sekunden an. Orlando versuchte die Partie mit einem weiten Lob-Pass in die gegnerische Zone auf Howard zu entscheiden. Doch Anderson Varejao konnte den Spielzug mit vollem Körpereinsatz unterbinden - zum großen Entsetzen der Mannschaft aus Florida, die lautstark ein Foul reklamierte.

„Wenn an meiner statt LeBron gefoult worden wäre, hätte es einen Pfiff gegeben“, gab Howard nach der Partie den Verschwörungstheorien neue Nahrung, die der Liga Vorwerfen, man wolle unbedingt ein Aufeinandertreffen zwischen Cavs und Lakers im Finale um die Meisterschaft sehen.

Doch der 2,11-Hühne fand auf das nicht gegebene Foulspiel in der Verlängerung durch zehn erzielte Zähler die passende sportliche Antwort.

Letzten Endes war es Lewis, der mit zwei sicher verwandelten Freiwürfen 3,2 Sekunden vor Ablauf der Extra-Schicht den Endstand herstellen sollte. Auf der Gegenseite kam James aus gut zwölf Metern Korbdistanz zwar noch zum Wurf, doch im Gegensatz zu seinem unglaublichen Buzzer-Beater aus der zweiten Begegnung zwischen Cavs und Magic konnte der Superstar dieses Mal nicht verwandeln.

James beendete die Partie abermals mit überragenden 44 Punkten, 12 Rebounds und sieben Vorlagen (nicht so überragend waren dagegen acht Ballverluste des Goldmedaillen-Gewinners von Peking). Bereits im dritten Spiel der laufenden Serie konnte James die 40-Punkte-Marke durchbrechen. Doch alle drei Partien gingen für Cleveland verloren. Von der Ausgeglichenheit und Tiefe, Mo Williamsdie die Mannschaft um den „Coach of the Year“ Mike Brown bis dato so stark gemacht hatte, ist während den Conference-Finals gegen Orlando nur noch wenig zu sehen. Es scheint, als ob sich die meisten Spieler im Trikot der Cavs hinter den außergewöhnlichen Leistungen von James zu verstecken suchen. Vergangene Nacht punkteten Mo Williams (Foto) mit 18 und Delonte West mit 17 Zählern neben ihrem Anführer noch am häufigsten, doch benötigte das Duo auf den Guard-Positionen dafür stolze 30 Würfe aus dem Feld.

Auf Seiten Orlandos vermochten neben Howard und Lewis Rafer Alston (der seine Mannschaft während des dritten Viertels fast im Alleingang in der Partie hielt) mit 26 sowie Hedo Turkoglu und Mickael Pietrus mit jeweils 17 Zählern zu überzeugen. Die Magic verwandelten insgesamt 17 Dreipunktwürfe - neuer clubinterner Playoff-Rekord.

Die Serie geht in der Nacht auf Freitag nun zurück nach Cleveland, wo Orlando mit einem Sieg zum ersten Mal nach 1995 wieder in die NBA-Finals einziehen kann.

Zusammenfassung der Partie (Full-Screen per Doppelklick ins Bild):

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