Von: Dmitrij Karle
Fast immer, wenn es in einer Playoffsserie unentschieden steht (2:2), ist das fünfte Spiel ein Entscheidungsspiel. Mit dem gestrigen 120:88-Auswärtssieg halten die Boston Celtics nun alle Trümpfe auf ein Weiterkommen in die Eastern-Conference-Finals in ihren Händen. Für Cleveland geht es derweil schon um Leben und Tod. Die Niederlage aus Spiel fünf könnte für die ganze Cavaliers-Franchise von enormer Bedeutung sein. Die Serie ist zwar noch nicht vorbei, doch wie sich die Heimmannschaft um ihren Superstar LeBron James gestern Nacht präsentierte, lässt bezweifeln, ob Cleveland auswärts das Ding noch drehen kann.
Wieder einmal stand das Team von Headcoach Mike Brown vor einem ungemein wichtigen Spiel, die Erwartungen an diese Mannschaft konnten höher nicht sein. Cleveland hatte schließlich in den letzten zwei Jahren satte 127 Spiele in der regulären Saison gewonnen und sicherte sich beide Male die beste Bilanz in der NBA. Doch erneut waren die Cavaliers nicht in der Lage, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Schlimmer noch, man ließ sich von den Celtics regelrecht hinrichten.
Zum dritten Mal in dieser Serie war James, der erst kürzlich abermals zum MVP gewählte Star der Cavs, nur ein Schatten seiner selbst. In der ersten Hälfte erzielte der “King”, und jetzt aufgepasst, keinen einzigen Treffer aus dem Feld für seine Mannschaft. Erst im Laufe des dritten Viertels versenkte er seinen ersten Wurf aus dem Spiel heraus. Hat es tatsächlich etwas mit seiner Ellenbogen-Verletzung zu tun? Oder spielt die Angst zu versagen eine Rolle? James selbst versuchte keinen Schuldigen für diese Niederlage zu finden, was sehr löblich ist.

Paul Pierce
“Ich setze mich ständig unter Druck, um rauszugehen und ein perfektes Spiel zu absolvieren”, so der 25-Jährige im Interview nach der Begegnung. “Wenn ich es allerdings nicht schaffe, fühle ich mich schlecht. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen und versuche keine Ausreden dafür zu finden. Ich bin nicht die Person oder der Spieler, der so etwas tut”.
Aus New York reiste eine Horde Reporter an, um das vielleicht letzte Heimspiel von James in Cleveland zu dokumentieren. Die Chancen aus Sicht der Cavaliers, die Serie jetzt noch zu gewinnen, sind statistisch betrachtet nicht besonders groß. Denn 66 Prozent aller Mannschaften in der langen NBA-Playoff-Historie, die das fünfte Spiel für sich entscheiden konnten, gewannen am Ende auch die Serie. Wie ESPN-Analytiker John Hollinger auf seinem Twitter-Account treffend formulierte: “Es war ein wichtiger Playoff-Sieg für die New York Knicks”.
Respekt an dieser Stelle an die Boston Celtics. Ehrlich gesagt habe ich die Mannschaft stark unterschätzt. Sie lieferten gestern wohl ihr bestes Spiel dieser Serie ab. Sowohl die Big-Three als auch die Bank überzeugten voll und ganz. Ray Allen traf seine Jumper (sechs von neun von jenseits der Dreierlinie). Es war gleichgültig, wen die Cavs gegen ihn in der Verteidigung stellten, Allen konnten den Korb nicht verfehlen. Mo Williams war der Mann, der Allen über die meiste Zeit in dieser Partie verteidigte - ohne Erfolg. Auch gegen Rajon Rondo sah Williams kein Land, als er für ihn die Verantwortung in Teilen der zweiten Hälfte übernahm. Rondo beendete das Spiel mit 16 Punkten und sieben Vorlagen.
Paul Pierce ist endlich aus seinem Winterschlaf erwacht und schulterte die Verantwortung, wie man es von ihm gewohnt ist. 22 Punkte, 11 Rebounds, sieben Assists - und das beste +/- Rating aller eingesetzten Spieler von +33. Kevin Garnett traf seine Würfe gegen den schwach spielenden Antawn Jamison. Glen “Big Baby” Davis brachte von der Bank so viel Energie und Siegeswillen, wie kein einziger Akteur, der ein weißes Jersey trug.
Es ist dann nicht mehr verwunderlich, dass Cleveland und James höchstpersönlich für diese Leistung am Ende des Spiels von den wenig übrig gebliebenen Fans ausgebuht wurden. Können sich die Cavs von dieser harten Niederlage erholen und im sechsten Spiel zurückschlagen? Im Moment sprechen alle Zeichen dagegen.
(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: Antawn Jamison, Boston Celtics, Cleveland Cavaliers, Glen Davis, Kevin Garnett, LeBron James, Mike Brown, Mo Williams, New York Knicks, Paul Pierce, Rajon Rondo, Ray Allen




Überraschung. Die fünfte Begegnung der Playoff-Serie zwischen den Cleveland Cavaliers und den Boston Celtics entschieden die Gäste aus dem Bundesstaat Massachusetts haushoch mit 120:88 für sich. Topscorer der Celtics war Shooting-Guard Ray Allen mit 25 Zählern. LeBron James enttäuschte und beendete die Partie mit nur 15 Punkten. Die Cavaliers stehen nun vor dem Playoff-Aus.
That’s what I’m talkin about!! Seltsam an dieser Serie ist, dass es bisher nur ein einziges knappes Spiel gab, sonst nur Blowouts.
Schön Dimi, dass du die Courage besitzt, deinen Fehler einzugestehen. Viele hier haben die C’s unterschätzt, sogar der Chuckster von TNT. Der Ring ruft Baby…
Ich glaube fast die gesamte Basketball-Welt hat Boston unterschätzt
Jop ich habe die C’s auch unterschätz, trotzdem glaube ich, dass wenn die Cavs mehr als ein Spiel in “Normalform” bestritten hätten wäre das nicht so ausgegangen und was mit James los ist kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich bin wirklich sehr enttäuscht von ihm und obwohl er mein absoluter Lieblingsspieler ist muss ich sagen, dass was er da abliefert ist nicht annähernd MVP würdig. Insgesamt sind die Cavs in dieser Serie eine Schande.