Den Weg zu Ende gehen…

Von: Malte Arndt

Dwight HowardIm letzten Jahr scheiterte man denkbar knapp an der letzten Hürde zum Titel - den Los Angeles Lakers. Nun wollen die Orlando Magic den Titel holen, obwohl man in der regulären Saison erneut “nur” den zweiten Platz der eigenen Conference holte. Die Charlotte Bobcats, sollte man meinen, dürften als Playoff-Debütant keine wirkliche Herausforderung darstellen… (mehr…)

Nun ist es nicht so, dass ich hier Charlotte von Anfang an abschreiben will, zumal ich noch im März geschrieben habe, dass die Bobcats alles sind, was Playoff-Basketball verkörpert: Defensive, Halfcourt-Basketball, durchgelaufene Systeme bis zum Abwinken. Eben ein typisches Team von Larry Brown, der - die unrühmliche Station in New York mal ausgenommen - mit den 76ers und Pistons zwei seiner zuletzt betreuten Teams in die Finals führen konnte bzw. mit Detroit sogar den Titel holte. Erfolg sollte nun also kein Fremdwort mehr sein in Carolina und die Playoff-Teilnahme ist sicherlich schon als solcher zu werten - insbesonders bei der Bilanz mit deutlich mehr als 40 Siegen.

Unglücklicherweise hat Charlotte aber genau das Matchup erwischt, das aus meiner Sicht gar nicht zu ihnen passen will. Die sonst gewohnte Dominanz an den Brettern ist mit Dwight Howard als Gegenspieler passé und Chandler, Ratliff und Mohammed dürften sich eher überlegen, wie sie ihre Fouls am geschicktesten einsetzen. Unnötig zu erwähnen, das keiner von ihnen Howard physisch das Wasser reichen kann, aber mit dem Problem stehen sie wahrlich nicht alleine da.

Auch Gerald Wallace, sonst das wandelnde Mismatch der Bobcats, dürfte seine defensiven Stärken nicht wie gewohnt ausspielen können. Matt Barnes oder Mickael Pietrus sind als Gegenspieler offensiv genau solange ungefährlich, wie sie von Wallace gedeckt werden. Der logische Ansatz, Wallace deshalb gegen den offensiv deutlich gefährlicheren Lewis zu stellen, wird aber davon ausgekonttert, dass Pietrus und Barnes wohl eine offensiv wesentlich bessere Rolle spielen werden, wenn sie Diaw gegen sich haben. Die sonst denkbare Variante, dass Jackson auf die Drei rückt und mit Felton sowie Augustin ein kleiner Backcourt gebildet wird, dürfte Vince Carter zur Abwechslung mal wieder wie einen Superstar aussehen lassen. Und sollte statt Augustin Larry Hughes auf den Court kommen..nun…er ist eben Larry Hughes. Wie man es auch dreht und wendet, Wallace wird defensiv das Team nicht wie gewohnt stärken können, auch wenn er persönlich stark wie eh und je sein wird (was ja auch schon das erste Spiel zeigte).

Raymond Felton steht sowohl persönlich als auch mit dem Team vor einer großen Aufgabe

Raymond Felton steht sowohl persönlich als auch mit dem Team vor einer großen Aufgabe

Was das erste Spiel aber auch zeigte, ist, dass die Magic gezielt die vielleicht einzige defensive Schwachstelle der Bobcats attackieren können - Raymond Felton auf der Eins. Felton mag sich mittlerweile zu einem guten Einser entwickelt haben (wobei ich immer noch finde, dass er lediglich zu klein für die Zwei ist), aber defensiv ist er einfach sehr limitiert. Jameer Nelson war diese Saison zwar um Meilen von der Form entfernt, die ihn 2009 zum All Star gemacht hat bzw. hätte, wennn er nicht verletzt gewesen wäre, aber wenn er die Aggressivität des ersten Spieles immer an den Tag legt, sieht es düster aus für Charlotte. Da kann man als Bobcats-Fan eigentlich nur hoffen, dass Nelson mal die ersten Würfe daneben setzt, was ihn in der regulären Saison oftmals deutlich verunsichert hat.

Eine offensive Explosion Nelsons wäre aber auch insofern hilfreich, als dass sich Orlando nicht zu sehr auf Vince Carter verlassen müsste. Auch wenn er nach wie vor ein guter Spieler ist - jedes mal, wenn ich ihn in den wirklich wichtigen Spielen sehe, wird mir schlecht. Nun ist die berechtigte Frage, ob es die überhaupt gegen Charlotte geben wird und ob ich mir das Thema nicht lieber für den späteren Verlauf der Playoffs aufheben sollte (was ich natürlich tun werde bis zur zweiten Runde), aber davon abgesehen hat Carter mit Stephen Jackson einen Gegenspieler, der ihm nicht sonderlich schmecken sollte. Dabei ist es gar nicht mal Jacksons durchschnittliche Verteidigung, die Carter großartig in Bedrängnis bringen dürfte, sondern die ausgeprägte Rolle, die Jackson im Offensivsystem der Bobcats einnimmt. Carter dürfte in der Verteidigung gut beschäftigt sein, dort gewohnte Schwächen zeigen, die zu seinem Glück von Dwight Howard kaschiert werden und somit insgesamt weniger Kräfte für die Offensive haben. Zumindest in der Theorie. Dass das alles Carter nicht davon abhalten wird, die eine Phase pro Spiel zu haben, in der er denkt: “Hey, ich bin Superstar Vince, das muss ich kurz mal allen zeigen” und drei oder vier gruselige Würfe nacheinander nimmt, wissen wir alle. Und wenn er die Phase mal für einen längeren Zeitraum hat, wird Charlotte auch ein Spiel gewinnen.

Was mich dann zur abschließenden Prognose bringt. Vince wird natürlich irgendwann denken, dass er ein Spiel alleine entscheiden muss und somit wird sich Charlotte auch ein Spiel holen. Wesentlich mehr Chancen sehe ich für Charlotte leider nicht. Gegen Atlanta, Boston oder selbst gegen die Cavaliers hätten sie bessere Möglichkeiten gehabt, aber Orlando war genau der eine Gegner, den sie nicht erwischen sollten. Gegen Howard haben sie kein Gegenmittel, was zusammen mit der Möglichkeit, dass Nelson Felton vorführen kann (und wird, wie es aussieht), die Perimeterdefense der Bobcats pulverisiert, weil ständig zum Aushelfen rotiert werden muss. Und ein nicht mehr exzellent verteidigter Perimeter hat gegen Orlando fatale Folgen. Und genau deshalb wird Orlando auch nach fünf Spielen das Ticket für die Conference Semifinals in der Tasche haben.

(Photos by kevin813 & Keith Allsion | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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4 Kommentare zu „Den Weg zu Ende gehen…“

  1. Schokobert... sagt:

    Guter Beitrag aber warum wird nur auf Vince Cater so ein Hass geschoben … ?

  2. Malte Arndt sagt:

    Ist nur meine persönliche Meinung, die da vielleicht etwas zu stark durchkommt. Aber nach seiner Aktion damals in Toronto kann ich ihn gar nicht mehr leiden und auch in New Jersey kam es mir immer so vor, als ob er über lange Zeit lustlos auftreten würde. Darüber hinaus konnte er seinen Ruf als Superstar niemals mit entsprechenden Leistungen in den wichtigen Partien rechtfertigen - weder machte er New Jersey besser (wobei die beiden Finalteilnahmen der Nets aus einem erschreckend schwachen Osten resultierten - das sei fairerweise angemerkt), noch hat er ein damals durchaus talentiertes Team aus Toronto in die Conference Finals führen können (2001, war aber denkbar knapp). Und seine Lustlosigkeit und Lethargie in der Defense ist das, as mich am meisten an ihm stört. Er nimmt für sich in Anspruch, ein Star zu sein, verhält sich aber nicht wirklich wie einer. Daher meine Antipathie gegen ihn. Und ich finde es auch immer traurig, wenn solche Leute ihr Talent nie voll ausschöpfen. Damit steht er aber in seiner Familie auch nicht alleine da…

  3. stavros sagt:

    wie is das mit “in seiner Familie” gemeint?

  4. Mike sagt:

    Er ist der Cousin von Tracy McGrady…

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