Herzschlagfinale

Von: Malte Arndt

Jerry SloanDass das dritte Spiel der zweiten NBA-Playoff-Runde für die Utah Jazz ein richtungsweisendes sein würde, war klar. Nach den beiden Niederlagen in Los Angeles bei den Lakers stand die Franchise aus Salt Lake City unter Zugzwang, wäre doch ein 0:3 beinahe gleichbedeutend mit dem Ausscheiden in den Western-Conference Semifinals. Wieso es letztlich auch so kam? Gute Frage. (mehr…)

Schließlich hätte das Spiel aus Sicht der Jazz über große Teile nicht besser laufen können: Kobe Bryant spielte zwar eine großartige erste Halbzeit, war damit aber bei den Lakers alleine auf weiter Flur. Shannon Brown und Jordan Farmar zeigten zwar auch mal wieder, weshalb die Bank der Lakers wenigstens ab und zu den Namen auch verdient, aber das war es auch schon. Andrew Bynum? Kein einziger Wurfversuch in der ersten Halbzeit, wobei er von Carlos Boozer und Fesenko komplett abgemeldet wurde. Richtig gelesen, von Kyrylo Fesenko

Auch Pau Gasol und Lamar Odom, sonst mit einer bislang starken Serie, waren lediglich in der Defensive auffällig, konnten aber dem Team kaum helfen, Punkte zu erzielen. Das alles kombiniert mit den Tatsachen, dass Utah durch die Rückkehr Andrei Kirilenkos eine Menge Momentum bekam, die Lakers tatsächlich mal Derek Fisher gegen Deron Williams stellten und Kyle Korver schon in der ersten Hälfte heiß lief (allerdings nicht so spektakulär wie im späteren Spielverlauf), hätte eigentlich zu einem “lockeren” Heimsieg führen sollen, sofern es das in diesem Stadium der Saison überhaupt gibt. Dann passierte allerdings etwas sehr merkwürdiges bei den Lakers.

Ron Artest hat in den bisherigen Playoffs meine Erwartungen voll erfüllt - und zwar im negativen Sinne. Ok, die Verteidigungsleistung gegen Kevin Durant war - ebenfalls entgegen meiner Erwartungen - sehr stark. Aber offensiv trug er bislang kaum was zu den Erfolgen der Lakers bei und war bislang in dieser Serie in Ermangelung eines starken Flügelspielers auf Seiten der Jazz ein absoluter Nonfaktor. Böse Zungen behaupten, dass er mit seinen ständigen Dreierversuchen bei grauenhaften Quoten sogar negativ auf die Lakers eingewirkt hat. Wie dem auch sei, irgendwas im dritten Viertel hat bei Ron Artest “klick” gemacht, weshalb er sich in der Folge ein nettes Distanzduell mit Korver liefern sollte. Utah war offensichtlich so geschockt, dass sie sich aus ihrer Defensivstarre kaum lösten und so Artest das ein ums andere Mal völlig frei von Downtown werfen konnte.

Ron Artest überraschte mit dem ersten starken Playoffspiel seit langer Zeit

Ron Artest überraschte mit dem ersten starken Playoffspiel seit langer Zeit

Ebenso hat Utah Derek Fisher nicht in den Griff bekommen. Bei seinem Matchup kann man sich zwar vorstellen, dass Fisher vor allem aus dem Catch and Shoot gefährlich war, aber hier muss man einem sonst bärenstarken Williams vielleicht einen Vorwurf machen: Wenn ein Shooter wie Fisher alles trifft, darf ich ihm keinen Zentimeter Platz geben. Klingt zwar nach einer typischen Plattitüde, wurde aber im Spielverlauf immer wieder bestätigt. Williams, vielleicht auch durch ein zweifelhaftes Wurffoul kurz vor der Pause verunsichert, hat das jedenfalls nicht getan, weshalb die Offensive der Lakers im dritten Viertel vor allem von Fisher und Artest getragen wurde. Selbst Kobe Bryant nahm sich in dieser Phase vornehmlich zurück.

Der Punkt, auf den ich hinaus will, ist folgender: Utah darf niemals zulassen, dass die beiden genannten Spieler eine so tragende Rolle einnehmen - jedenfalls nicht im positiven Sinne. Bryant war erwartungsgemäß nicht zu stoppen, aber die Big Men der Lakers waren drei Viertel lang eine No-Show. Im Prinzip spricht es ja für den Gameplan der Jazz, dass Artest und Fisher so viele Würfe nehmen (mussten). Wieso allerdings gegen die beiden so gut wie keine Defense gespielt wurde, verstehe ich dann auch nicht. Bei aller Häme, sowohl Artest als auch Fisher können noch (wie gesehen) Spiele entscheiden. Für mich bleibt es der Hauptgrund der Niederlage - dass eben nur die eine Hälfte der Lakers gut verteidigt wurde.

Allein daran liegt es natürlich auch nicht - Wesley Matthews darf ruhig offene Dreier treffen, Carlos Boozer (obwohl mit etlichen wichtigen Rebounds in der Crunchtime) darf ruhig seine Freiwürfe machen, Kyle Korver darf auch den Ball zu Boozer werfen (und nicht zweimal ins Seitenaus befördern). Ebenso kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, eine vier Punkte-Führung kurz vor Ende noch so zu verspielen. Fest steht, dass die Jazz mit dieser Niederlage wohl nur noch theoretische Chancen auf die nächste Runde haben. Einen Sieg im vierten Spiel will ich nicht ausschließen, aber ein Ende der Serie nach der fünften Partie erscheint mir ob der gesehenen Partien und der Staples Center-Allergie der Jazz als sehr wahrscheinlich. Und selbst wenn - glaubt jemand an vier Siege in Folge der Jazz? Es war zwar mehr als herzzerreissend, aber gestern wurde die Saison der Jazz mehr oder weniger beendet. Hands down.

(Photos by k1k0.com & kris247 | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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3 Kommentare zu „Herzschlagfinale“

  1. Michael sagt:

    War das ein geiles Spiel!!!
    Endlich mal ein offensiver Artest und ein Derek Fisher, der mal wieder 20 Punkte machte.
    Die Dreier auf beiden Seiten waren schön anzusehen und das knappe Finale waren an Spannung kaun zu überbieten.
    Ich sehe es auch so, die Jazz können sicher Spiel 4 für sich entscheiden, doch nach Spiel 5 in LA ist die Saison beendet.

  2. Flo sagt:

    Sofortlöslicher Klassiker! Ich liebte Kiris 6-Minuten-Stints. Mehr von dem bitte. Er und das freie Fastbreak-Spiel setzten den Lakers gewaltig zu.

    Meine Güte, Bynums neu aufgebrochene Knieverletzung scheint ihm heftig zu behindern. Er ist ja nur noch ein Schatten seiner selbst. Derart schwerfällig, sollte er überlegen, zumindest Spiel 4 auszulassen.

    netter text btw

  3. Malte Arndt sagt:

    Danke

    Und ja, Bynum ist mir auch negativ aufgefallen. Wenn man sich von Kyrylo Fesenko so vorführen lässt, sollte man sich ernsthafte Gedanekn über eine Pause machen. Und ich meine hier nicht nur, dass er offensiv nicht zu Stande gebracht hat, sondern auch defensiv eher unglücklich agierte (und einen Sliding-Slam-Dunk von Fesenko kassiert hat - autsch).

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