Von: Malte Arndt
Das gilt natürlich vor allem für die Orlando Magic, die ihr Team beisammen halten werden und somit nur punktuell nachbessern können und werden. Der eigentliche Mannschaftskern um Dwight Howard, Jameer Nelson und Rashard Lewis ist noch in Ansätzen entwicklungsfähig, weshalb mit den Magic auch 2010/2011 zu rechnen sein wird. Ob allerdings die in der Serie gegen Boston zu Tage geförderten Mankos abgestellt werden können, wage ich mal zu bezweifeln. Und das hat, simpel gesagt, folgenden Grund: Vince Carter wird auch im nächsten Jahr noch da sein und eine entsprechende Rolle im Team fordern.
Zu Beginn der Conference Finals habe ich ihm noch Respekt gezollt für seine Leistung in den ersten eineinhalb Spielen. Was danach passierte, war ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte „Wieso unsere Familie niemals Winner haben wird“, geschrieben von Vince Carter und Tracy McGrady. Während sich Carters Cousin immerhin oft mit respektablen Leistungen aus den Playoffs verabschiedete, wurde Carter ab dem dritten Viertel in Spiel Zwei nicht mehr gesehen. Wie zu erwarten war, forderte die härtere Gangart der Celtics ihren Tribut und Carter hat irgendwann für sich beschlossen, dass die Zone für ihn eine no-go-area sein würde, solange sich dort Hünen wie Perkins, Garnett oder Wallace befanden. Dass Boston nichts besseres passieren konnte, als einen Vince Carter gegen sich zu haben, der wie verrückt aus der Mitteldistanz ballert und dabei grausamste Würfe „off balance“ nimmt, wenn der Weg zum Korb frei ist, wussten alle Beteiligten.

"Hallo, ich bin Vince Carter, werde mein Talent nie voll ausnutzen und dir nie zu einer Meisterschaft verhelfen. Superstar bin ich aber trotzdem."
Für Orlando umso schlimmer, da Rashard Lewis nie seinen Drive fand – in Seattle hingen überall Steckbriefe mit „Gesucht: Drive von Rashard Lewis, Belohnung: NBA-Championship-Ring“ rum, bis jedem klar war, dass der offenbar schon im Urlaub war. Carter hätte also derjenige sein können, ja sein müssen, der das Offensivspiel an sich reißt, zum Korb zieht, die Big Men der Celtics in Foulprobleme verstrickt und Raum schafft für die zahlreichen Distanzschützen im Magic-Roster. Eigentlich hätte er also genau das tun sollen, wofür er im Sommer geholt wurde – was ich nach wie vor für eine absolute Schnapsidee halte. Wenn jemand Zeit seiner Karriere in den wirklich großen Spielen versagt – angefangen mit seinem Fehlwurf in den Conference Semifinals 2001 gegen Philadelphia, als er die Raptors in das Conference Finale hätte führen können – wird er das nicht plötzlich ändern, nur weil er in der Heimat spielt. Nein, Carter hat einmal mehr seinen Ruf gefestigt, ein Spieler mit bemerkenswerten Anlagen zu sein, der aber in den entscheidenden Momenten versagt.
Somit war es dann auch schnell um die Magic geschehen, weil Jameer Nelson zu spät entdeckte, dass es vielleicht die Aufgabe eines Point Guards ist, den völlig offenen Center nach Pick-and-Roll zu bedienen, weil Rashard Lewis seine Playoffs schon nach der zweiten Runde für beendet erklärt hat, weil Dwight Howard unbedingt beweisen wollte, dass er ein nicht vorhandenes Postgame hat, weil sich Stan van Gundy beharrlich weigerte, J.J. Redick genügend Minuten zu geben. Und weil Paul Pierce machen konnte, was er wollte, ohne auch nur annähernd verteidigt zu werden. Womit wir wieder bei Vince Carter wären, der neben seiner offensiven No-Show defensiv kläglich auftrat und einen nicht unwesentlichen Antel daran hatte, dass Pierce die Serie nach Belieben dominierte.
Was Orlando ebenso fehlte (und das haben sie dann immerhin mit den Cleveland Cavaliers gemeinsam), ist die nötige Toughness für die wirklich großen Partien. Howard war drei Spiele lang Mr. Nice Guy, trat hinterher wie ein wild gewordener Stier in den Straßen Pamplonas auf und knallte jedem seinen Ellbogen ins Gesicht, der nicht bei drei aus der Zone verschwunden war. Eine gewisse Härte zeichnet alle großen Spieler aus, aber Howard hat es meines Erachtens in der Serie völlig übertrieben und sich damit keinen Gefallen getan. Natürlich war es völlig unabsichtlich, dass er innerhalb von drei Spielen Pierce, Rondo, Perkins, Davis und Garnett seinen Ellbogen vorstellte… Angesteckt hat er sein Team mit derlei Verhalten aber nicht, was vor allem Carter und Lewis demonstrierten und den Celtics so eine fortwährende Reboundüberlegenheit gewährten. Summa summarum braucht Orlando also einen Führungsspieler, der tough ist und in den entscheidenden Momenten sein Spiel auf ein anderes Level heben kann. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, den via Free Agency, Draft oder sonstwie zu finden, darf sich jeder selbst ausrechnen. Und so wird Vince Carter wohl auch im nächsten Jahr über Wohl und Wehe der Magic entscheiden – vielen Dank auch…
Unter anderen Vorzeichen steht hingegen die Situation in Phoenix. Den Suns mangelnde Toughness vorzuwerfen, wäre völlig verfehlt, solange Steve Nash in ihren Reihen steht. Was der Kanadier auch in diesen Playoffs wieder einstecken musste, war unfassbar und an dieser Stelle mein Kompliment, wie er sich trotz zugeschwollenem Auge und gebrochener Nase in der Endrunde präsentierte. Eigentlich kann man den Suns gar nicht mal einen so großen Vorwurf machen, weil sie schlicht und ergreifend gegen ein besseres Team ausgeschieden sind. Und vielleicht ist genau das die Krux in Arizona – kann man das Team derart verbessern, dass man gegen die Lakers bestehen kann? Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass zwei Leistungsträger (Nash und Hill) schon in ihren Mitt-Dreizigern sind?
Die erste richtungsweisende Entscheidung wird schon diesen Sommer fallen, wenn man sehen wird, ob Amare Stoudemire in Arizona bleibt oder anderswo dem Titel hinterherjagt. Wie ich schon mehrmals betonte, erkenne ich seine Leistungen trotz einer gewissen Skepsis ihm gegenüber an – zwischen Februar und Mai war er überragend gut. In der Serie gegen Los Angeles weniger, trotz seines 42 Punkte-Ausbruchs in Spiel Drei. Aber hier wurden wieder alte Vorurteile bestätigt, die mich zweifeln lassen, ob Stoudemire der richtige ist, um eine Meisterschaft zu gewinnen: Seine kapitale Schwäche in der Defensive wird nicht mehr verschwinden, weshalb er seinem Team wenigstens über Punkte und Rebounds helfen muss. Letztere hat er kaum eingesammelt, zu Punkten kam er auch viel zu oft über Mitteldistanzwürfe und nicht durch einen aggressiven Drive zum Korb, der für die Suns so wichtig gewesen wäre (Zufall, dass sie Spiel Drei souverän gewannen, als Stoudemire kontinuierlich zum Brett zog? Wohl kaum). Weshalb er so vorsichtig agierte, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass es mit einem Spieler, der diese Einstellung hat – nicht mit letzter Konsequenz dahin zu gehen, wo es weh tut – enorm schwer wird, eine Meisterschaft zu gewinnen. Vor allem, wenn man mit Nash schon eine defensive Schwachstelle hat und es sich eigentlich kein Team erlauben kann, sowohl am Perimeter als auch am Korb derart klaffende Lücken zu haben.

Amare Stoudemire lässt weiterhin die Frage offen, ob man mit ihm eine Meisterschaft gewinnen kann.
Was dann auch aus meiner Sicht der Hauptgrund für das Scheitern gegen die Lakers war – alle Welt bescheinigte den Suns eine verbesserte Defense, wovon gegen Los Angeles zu wenig zu sehen war. Wenn Stopps benötigt wurden, kriegte man sie zu selten, dazu ein völlig dominanter Kobe Bryant und – was ich schon zur Serie Lakers gegen Utah schrieb – gut aufgelegte Rollenspieler in Form von Artest und Fisher, was insgesamt einem (martialisch ausgedrückt) Todesurteil für jedes Team gleichkommt. Phoenix hat sich zu sehr darauf konzentriert, das Zonenspiel der Lakers auszuschalten, was nur bedingt klappte und dabei den Rest der Verteidigungsarbeit vergessen. Ein Matt Barnes, der noch im letzten Jahr für die Suns auflief, oder Spieler wie Tony Allen bei Boston hätten dem Team gut getan, um wenigstens am Perimeter nicht völlig anfällig zu sein. Hier sehe ich dementsprechend auch die größte Baustelle, wobei die Frage ist, inwiefern das überhaupt hilft. Vielleicht kommt man ja auch auf den Gedanken, dass man mit dem Duo Nash/Stoudemire eher nicht das ersehnte Meisterschaftsbanner unter die Hallendecke ziehen kann…
Dazu ist auch die Perspektive eine völlig andere als beispielsweise für Orlando. Im Westen sind einige Teams im kommen – Oklahoma City und Portland haben schon in diesem respektive letztem Jahr für Furore gesorgt und auch die Houston Rockets könnten in den Kreis der Meisterschaftsanwärter zurückkehren. Es wird schwer, überhaupt den diesjährigen Erfolg zu wiederholen und ich fürchte beinahe, dass wir in diesem Jahr die letzte Titelchance der Suns erlebt haben.
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Der mediale Fokus ist seit Samstag Abend auf Los Angeles gerichtet, wo am kommenden Donnerstag die NBA Finals beginnen. Ehe es soweit ist, lohnt ein Blick nach Orlando und Phoenix auf die Verlierer der Conference Finals – die Gründe des Scheiterns sind vielfältig, ein neuer Anlauf im nächsten Jahr aber nicht unwahrscheinlich, sofern die Teams im Sommer richtig agieren.
Finde es nicht ganz treffend Vince für den Misserfolg der Magic verantwortlich zu machen, wenn er gleichzeitig die geistige Abwesenheit von Lewis in den Conference Finals kompensieren musste. Gerade im letzten Spiel (was ja auch immer das wichtigste ist) hat Carter gezeigt, welche große Bedeutung er (an einem guten Tag) für das Team haben. Klar spielt er eine sehr durchwachsene Saison, das Problem ist grundsätzlich aber eher, dass Orlando es eigentlich nie verstanden hat die Dominanz (oder Doppelverteidigung) von Howard wirklich angemessen auszunutzen. (Was wohl teilweise auch an Howards relativer Offensivschwäche liegen mag.)
Naja, man kann sich aber auch fragen, wofür Carter geholt wurde. Natürlich ist er nicht verantwortlich dafür, dass Lewis plötzlich wie jemand auftritt, der zum ersten Mal in der NBA spielt, aber er selber hat, wenn man ehrlich ist, nach SPiel zwei nichts mehr gebracht. In Spiel Drei ging das Team kollektiv unter, die Spiele Vier und Fünf waren von ihm grauenhaft und Spiel Sechs ebenso unterirdisch von ihm - kaum zum Korb gezogen, schlechte Defense gegen Pierce, das übliche Verletzungsdrama bei ihm am Ende. Und er muss sich daran messen lassen, dass er den Unterschied zwischen einem Finalteilnehmer und einem Meister machen sollte und das hat er für alle offensichtlich nicht geschafft. Und das nicht zum ersten Mal in seiner Karriere, wenn man nach New Jersey zurückblickt (OK, Finalteilnehmer direkt vor Carters Ankunft waren sie nicht, aber trotzdem…)
Also ehrlich gesagt kann ich mich an eine Doppelverteidigung der Celtics an Howard gar nicht erinnern. Vielleicht war das in Spiel 5 der Fall, als Big Baby, Perkins, Wallace & Daniels verletzt wurden, aber sonst hat jeder einzelne einen guten Job abgeliefert. Sie hatten es eigentlich auch nicht nötig bei den ganzen Big Men im Kader. Der Fokus von Rivers war das Ausschalten der Schützen vom Perimeter, was ziemlich gut funktioniert hat.
Ich stimme Malte zu, dass Carter versagt hat, vor allem weil die Athletik ja noch da ist, um zum Korb zu ziehen. Aber ihm die Hauptschuld zu geben? Ok er war schlecht, aber Lewis war ja mal unterirdisch. Er hat zwar behauptet, dass er an einer Erkältung leide, aber so wie er gespielt hat, litt er wohl eher an eine Überdosis Hypnotikum…
Bin für einen Trade von Nowitzki für Lewis. Da Nowe einen starken Center an seiner Seite braucht um einen Ring zu bekommen, weil nur dann seine schlechte Defence nicht so ins Gewicht fällt.
Vorteile:
- die Magic werden den langen Vertrag von Lewis los.
- haben eine verlässliche Option im Angriff (in and out bis der Arzt kommt)
- Nowe lernt vielleicht Defence und macht noch mal nen Entwicklungschritt ähnlich wie Gasol bei den Lakers.
- Dallas ist froh, dass Dirk einem sign and trade zustimmt und nicht nur kündigt und weg ist.
Is auf jedenfall einer der wenigen Trades die für Nowitzki Sinn machen. Und Orlando hat nach der Vorstellung von Lewis eventuell auch intresse. Mit Nowe als erste oder zweite Option im Angriff wird auch ein Trade von Carter möglich.
Seitdem Isiah Thomas nicht mehr in der Verantwortung steht, wirst du keinen GM finden, der Lewis Vertrag aufnimmt. Den werden die Magic mindestens bis zum vorletzten Jahr aussitzen müsssen, ehe der Tradematerial wird.
Ichhab zwar keine Ahnung wie wahrscheinlich so ein Dirk/lewis Trade ist aber bei Lewis muss man mal die Kirche im Dorf lassen:
Dieses Jahr war er ja wirklich ein Totalausfall, aber er hat, im vergleich zu manch anderem (z.B. Carter), schon mal bewiesen das er auch in den Playoffs Top Leistung bringen kann – letztes Jahr war Lewis ein wichtiger Baustein beim erreichen der Finals. Wer weiss was ihn dieses jahr geritten hat und ob das nicht auch wieder vorbei geht.
schön ausführlicher artikel, malte.
meiner ansicht, ich bin kein orlando spezialist, aber etwas zu sehr auf carter rumgetreten. ich war viel viel eher von howard und lewis enttäuscht. howard kann einfach auf konstant hohem niveau keine offensiven leistungen bringen. da sind immer noch keine post-moves… und das soll der dominanteste spieler der liga sein? der typ war in den ersten spielen gegen boston ein schlechter schwerz nur noch unterboten von rashard lewis. meiner meinung nach neben der serie von joe johnson gegen die magic die schlechteste playoff serie eines stars überhaupt in diesem jahr. krankheit hin oder her.
Klar darf jeder anderer Meinung sein, aber ich lege an Lewis undd Carter unterschiedliche Maßstäbe an. Lewis ist ein Borderline-All Star, also ein sehr guter Spieler, aber für sein Niveau völlig überbezahlt (das wissen wir alle). Carter hat(te) den Anspruch, Superstar und einer der besten Spieler der Liga zu sein, da erwarte ich von ihm anderes. Zumal sich seine Auftritte ab der Halbzeit von Spiel zwei nur unwesentlich von denen eines Rashard Lewis unterschieden. Aber es geht mir hier nicht darum, den objektiv schlechtesten Spieler der Magic zu benennen (da liefert sich Lewis mit Barnes ein heißes Rennen9, weil auch Joe Johnson nichtt der schlechteste Akteur Atlantas war. Es geht hier um Anspruch und Wirklichkeit, wo bei Carter schon seit Jahren eine riesige Lücke besteht und die ist 2010 eher größer als kleiner geworden.
Um es kurz zu machen: Hättet ihr eher von Rashard Lewis oder Vince Carter erwartet, dass sie in einer engen Serie ein Spiel für Orlando entscheiden würden? Oder es wenigstens versuchen?
stimme dir was anspruch und wirklichkeit bei carter betrifft vollkommen zu und kann auf dieser grundlage deine gezogenen schlüsse (eben die krasse negative kritik an ihm) auch durchaus nachvollziehen. ich für meinen teil habe vince carter als “superstar” material aber schon lange abgehakt
dass er das für sich selbst in anspruch nimmt, einer der besten spieler der liga zu sein… geschenkt, aber kein ernsthafter nba fan/interessierter kann dies wirklich (seit ein paar jahren noch) gut vertreten, weil es einfach keine legitimation eines solches status für carter gibt.
du hast wohl gegenüber mir einfach viel mehr von ihm erwartet.
was deine letzte frage betrifft: so gebe ich dir natürlich recht, wäre wohl auf cater hinausgelaufen… wobei das bei den magic so eine sache ist. nelson und lewis halte ich durchaus auch immer dafür bereit.
Viel mehr von ihm erwartet habe ich auch niccht, weil ich, um ehrlich zu sein, genau das erwartet habe, was eingetreten ist: Ein bisschen Wille am Anfang und hinterher das Geballer aus der Mitteldistanz, kein Zug zum Korb, Dramatisierung irgendwelcher Verletzungen und diese Eiseskälte, mit der er seine beiden Freiwürfe im vorentscheidenden Spiel Zwei auf den Ring gesetzt hat
Die Kritik war eher daran gemessen, was er selbst und andere von ihm erwarten oder denken.
Hm, ein Artikel über die (Trade-)Optionen für Nowitzki wäre auch mal nett
Immer nur Lebron-Spekulation ist ja nen bisschen langweilig…