Von: Malte Arndt
- Auch wenn nach der überraschend knappen Niederlage gegen die Atlanta Hawks die Enttäuschung in Milwaukee groß sein dürfte - man hatte schließlich schon mit 3:2 geführt - kann man sich auf die nächsten Jahre freuen. Grund dafür ist Brandon Jennings: Nach famosem Saisonauftakt mit übertrieben großen Vorschlusslorbeeren bedacht, hat der Rookie in seiner ersten Playoffserie gezeigt, was in ihm steckt - und das ist eine ganze Menge. Zum Beispiel die Fähigkeit, jederzeit zum Korb ziehen zu können, wenn er will und dabei immer noch das Auge für den freien Mitspieler zu haben. Das Mismatch gegen Mike Bibby hat er hervorragend ausgenutzt. Ebenso hat er bewiesen, dass man sich auf ihn verlassen kann, wenn es drauf ankommt. Obwohl er im ersten Spiel im letzten Viertel abbaute, hat er insgesamt eine klasse Serie gespielt und später auch in der Crunchtime starke Leistungen gezeigt. Milwaukee darf sich jedenfalls glücklich schätzen, einen potentiellen Franchise-Spieler an zehnter Stelle gedraftet zu haben und nach dieser Vorstellung bin ich mir auch nicht mehr so sicher, ob Stephen Curry wirklich der zweitbeste Guard der Draft 2009 war.
- Bei allem Respekt vor Milwaukees Leistung: Was die Hawks in der ersten Runde abgeliefert haben, war insgesamt enttäuschend an der Grenze zur Peinlichkeit. Nach der standesgemäßen 2:0-Führung noch so in Bedrängnis zu geraten, ist eines Meisterschaftskandidaten unwürdig. Oder anders ausgedrückt: Was ich schon vorher dachte, hat sich bewahrheitet - Atlanta wird mit diesem Team nie einen Titel gewinnen können. Joe Johnson hat zwar eine insgesamt gute Serie gespielt, aber als Go-to-Guy hätte er das 2:3 niemals zulassen dürfen. Al Horford hätte wesentlich aggressiver agieren müssen, was für mich nach wie vor das größte Rätsel darstellt. Wieso nutzt Mike Woodson das Mismatch nicht aus? Horford hatte es relativ einfach, an gute Würfe zu kommen und konnte nur von Kurt Thomas passabel verteidigt werden. Für mich stellt das Coaching in Atlanta eine mittlere Katastrophe dar. Woodson kann sich eigentlich nur bedanken, dass Skiles einziger Fehler in der gesamten Saison war, Delfino gegen Smith in Spiel Eins zu stellen. Kaum vorzustellen, was sonst passiert wäre…
Wie dem auch sei, Atlanta wird gegen Orlando rausfliegen. Dwight Howard und Vince Carter hatten zwar keine sonderlich guten Auftritte gegen Charlotte, aber Mike Bibby wird wieder gegen einen athletischen, penetrierenden Point Guard spielen müssen - Jameer Nelson dürfte erneut eine verdammt starke Serie hinlegen. Wie Atlanta Dwight Howard verteidigen will, ist mir auch noch ein Rätsel, da Horford - bei aller Sympathie, die ich für ihn habe - körperlich gegen Howard so unterlegen ist, dass ich Angst kriege, wenn ich daran denke, dass Atlanta Howard nicht doppelt. Und selbst wenn - wie in Runde Eins geschehen - Howard sich selbst im Wege steht und Carter eben Carter bleibt, hat Orlando immer noch zu viele Antworten auf Atlanta. Die Entwicklung der Mannschaft aus Georgia mag zwar insgesamt erfreulich sein, aber man muss sich irgendwann eingestehen, dass der Kader in der Form eher nicht zum Erreichen der Conference Finals taugen wird.
- Selbige erschienen vor Beginn der Playoffs in Boston auch nur Wunschdenken zu entspringen. Erwartungsgemäß geht es in der zweiten Runde gegen Cleveland und erwartungsgemäß sind die Cavaliers die Favoriten. Aber irgendetwas ist mit den Celtics passiert, als Pierce im ersten Spiel am Boden lag und der Ellenbogen von Garnett durch die Luft flog. Die Intensität ist plötzlich wieder da und auch wenn wir nicht darüber diskutieren brauchen, dass Garnett und Pierce nicht mehr in der körperlichen Verfassung der Meistersaison sind - mit einem besseren Rondo und einem abgebrühten Ray Allen, der seinen Touch von der Dreierlinie wiedergefunden hat, ist diesem Team eine Menge zuzutrauen. Sollte Boston heute Nacht das zweite Spiel gewinnen - und nach der Leistung im Auftaktspiel erscheint das gar nicht so unwahrscheinlich - haben wir eine nette Serie. Bei den Celtics muss natürlich alles zusammenpassen, um Cleveland viermal zu besiegen und ich glaube realistisch betrachtet auch eher an ein 4:2 der Cavs, aber Boston hat dennoch schon jetzt den katastrophalen Eindruck der regulären Saison vergessen machen können.

Der beste derzeit spielende Point Guard heißt Deron Williams
- Wir haben einen neuen besten aktiven Point Guard und er hört auf den Namen Deron Williams. Was er in der ersten Runde gegen die Denver Nuggets fabriziert hat, hat mich mehr als beeindruckt. Eigentlich dachte ich, dass Chauncey Billups der optimale Verteidiger für Williams sei, aber je länger die Serie dauerte, desto mehr hat man das fortgeschrittene Alter Billups’ gemerkt. Dass Williams neben seiner enormen Punkteausbeute auch noch zweistellige Assistzahlen auflegte, spricht Bände. Utah mag zwar defensiv anfällig sein und in der zweiten Runde gegen die Lakers Ronnie Brewer noch mehr vermissen (Wes Matthews gegen Bryant? Mir wird schlecht…), aber sie haben eine legitime Chance, den amtierenden Meister aus den Playoffs zu kegeln - je nachdem, wie lange Phil Jackson braucht, um zu merken, dass Derek Fisher noch nicht einmal mehr einen Pylon verteidigen könnte. Da Williams aber im ersten Spiel von Artest und Bryant übernommen wurde, können hier alle Lakers-Fans aufatmen. Dennoch: Mindestens sechs Spiele prognostiziere ich den Lakers erneut. Nur mit einem noch ungewisseren Ausgang als gegen die Thunder…
- Eine kurzer Überblick, was den bereits ausgeschiedenen Teams meiner Ansicht nach gefehlt hat: Milwaukee ein fähiger Center (mit Bogut hätten sie die Serie gewonnen), Miami 14 Basketballspieler, die diese Bezeichnung auch verdienen, Charlotte ein Verteidiger auf der Eins, Chicago ein scorender Flügelspieler, Dallas ein zum Korb ziehender Spieler und (viel eher noch) ein Verteidiger auf den kleinen Positionen, Oklahoma City ein starker Big Man, Denver jegliche defensive Einstellung und Portland ein gesunder Brandon Roy (mit Roy kein Nash - Fernandez-Matchup und wie Nash defensiv gegen Miller offensiv ausgeht, wissen wir alle).
- Am Ende freut es mich besonders, eine schon erloschen geglaubte Rivalität wiederzusehen: San Antonio gegen Phoenix ist ein super Matchup und nachdem Tim Duncan gegen die Mavericks gezeigt hat, dass er immer noch in der Lage ist, die entscheidende Schippe draufzulegen, wenn es wirklich wichtig wird, ist es ausgeglichener denn je. Ein gut aufgelegter Duncan wird nötig sein, um irgendetwas gegen Amar’e Stoudemire ausrichten zu können. Auf der anderen Seite wird Phoenix diesmal nicht mit dem schnöden Trick auskommen, Steve Nash gegen den emotionslosen und lethargischen Shooting Guard des Gegners stellen zu können (Rudy Fernandez ist für mich übrigens eine der ganz großen Enttäuschungen der ersten Runde) - Nash gegen Ginobili wäre einfach zu unfair. Wobei sich George Hill und Tony Parker auch darauf freuen dürften, gegen Nash zu spielen.
Entscheidend für den Serienausgang wird demnach für mich das Duell auf der Zwei: Es ist mittlerweile eine der drei beliebtesten Statistiken aller NBA-Kommentatoren, dass Jason Richardson bei Siegen der Suns großartig spielt, bei Niederlagen aber weit unter seinen Möglichkeiten bleibt (die anderen zwei: Josh Smith nimmt kaum noch Dreier und Rasheed Wallace ist unsagbar gut im Post, aber unsagbar schlecht von Downtown). Inwiefern Manu Ginobili ihn erfolgreich in seinem Aktionsradius einschränken kann, bleibt unklar. Wenn ich mir die Leistungen von Caron Butler in der ersten Runde so ansehe, würde ich mir aber an Gregg Popovichs Stelle Gedanken machen. Es wird ohne Zweifel die Serie, die für mich am unklarsten zu prognostizieren ist. Sollte aber das Westfinale Utah gegen Phoenix lauten, wäre das nach derzeitigem Stand zwar überraschend, aber keine Sensation.
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Die ganz großen Überraschungen - sieht man einmal von dem 4:2-Sieg der San Antonio Spurs über die Dallas Mavericks ab - blieben in der ersten NBA-Playoffrunde des Jahres 2010 aus. Es gibt dennoch einiges, aus dem sich Schlüsse für die kommenden Spielzeiten und natürlich für die zweite Runde der Playoffs ziehen lassen. Was genau, erfahrt ihr hier.
Schöner Artikel, netter Schreibstil…hat Spaß gemacht, das ganze zu lesen. Weiter so
Danke! Meine Gebete wurden erhört
Toller Artikel. Da hast du wirklich schöne die erste Runde zusammengefasst.
Für mich war allerdings Oklahoma mit einem “entfesselten” Durant die größte Überraschung. Was dieses junge Team gegen die Lakers abgeliefert hat war echt beeindruckend. Das macht jetzt schon Lust auf die nächste Saison. Dann wird KD wohl auch eine wirkliche Gefahr für Lebrons MVP Titel.
cool, endlich wieder news!
Guter Artikel
Aber bittee
Waaaaas?
Miami braucht 14 Bballer?
Was ist mit WADE,Chalmers und Quentin???
Da ein Team aus 15 Rosterplätzen besteht und eigentlich nur Wade wirklich gut hat, brauchen sie 14 weitere
Und Chalmers, Richardson, Beasley oder sonstwer haben mittlerweile zu Genüge bewiesen, dass sie kaum zum Einzug in die zweite Runde taugen. Am ehesten traue ich von den genannten noch Chalmers etwas zu, wobei mich seine Saison insgesamt enttäuscht hat. Von Arroyo verdrängt zu werden, ist kein gutes Zeichen. Aber zu Miami wird bald noch etwas ausführlicheres von mir kommen…
Und wieder hat sich bewahrheitet das mit einem starken Sheed die C’s Spiele für sich entscheiden, aber ein 4-2 für die Cavs?? Das ist ja mal ne Beleidigung, obwohl ich zugeben muss, dass die Turnover ausbeute für die Celtics wieder einmal phänomenal war^^. Genau daran müssen sie arbeiten, dann steht ihnen ein Sieg in den kommenden Matchups nichts im Wege.
Ein 4-2 für die Cavs ist keine Beleidigung. Es ist realitätsnah. Ich meine wie viele Spiele liefern die Cav’s ab wo sie so schlecht treffen ? Und ich meine die C’s hatten Glück, dass James wegen seines Ellenbogens nicht so spielen konnte wie gewöhnlich.
Eine Beleidigung eher nicht, schließlich ist Boston neben Houston mein Lieblingsteam. Aber wenn man sich die Saison betrachtet, hat Cleveland eben das bessere Team. Was nichts daran ändert, dass Boston eine Wundertüte bleibt, die in den bisherigen Playoffs verdammt stark gespielt hat. Ich traue nach der regulären Saison nur nicht dem Braten, dass plötzlich Spieler wie Tony Allen, Rasheed Wallace oder Glen Davis dauerhaft diesen Basketball zeigenkönnen, den sie momentan zeigen.
@ Magnus
James hat doch selbst gesagt, dass nix ist mit seinem Ellenbogen sei, natürlich kann man denken dass er das geasgt hat, um die Fans zu beruhigen, aber glaub ich nicht.
@Malte
Natürlich kann man sich die Saison als Vergleichspunkt anschauen, aber die Postseason ist eben was anderes, allein schon wenn man Garnett oder Allen der Regular Season mit den jetztigen vergleicht, einfach nur verschiedene Welten, weil es ihnen um was geht. Es scheint als sei der Hunger noch immer da…
@ Fabou
dann hat er für seine Verhältnisse halt mal ein ziemlich passives Spiel gemacht.. Ich denke, dass wird nicht nochmal vorkommen.