NBA-Playoffs 2010: Power-Rankings

Von: Dmitrij Karle

Jameer NelsonEs scheint so, als würden sich die vier Spitzenteams schon jetzt für das Conference Finale warm spielen. Die Orlando Magic, L.A. Lakers, Phoenix Suns und die Cleveland Cavaliers dominieren in der zweiten Runde der NBA-Playoffs ihre Gegner. In der gestrigen Nacht gelang sowohl den Magic als auch den Lakers bereits der dritte Sieg. In beiden Serien ist ein Sweep nicht unwahrscheinlich. (mehr…)

1. Orlando Magic, 7:0 (in den letzten fünf Spielen 5:0)

Die Orlando Magic sind momentan das heißeste Team der diesjährigen NBA-Playoffs. Auch in der gestrigen Partie bewiesen sie es erneut. Die Atlanta Hawks haben in dieser Serie nicht den Hauch einer winzigen Chance gegen das dominante Spiel von Dwight Howard & Co. Der “Superman” spielt befreiter auf als noch in der ersten Runde gegen die Charlotte Bobcats und fabriziert Abend für Abend Fabel-Statistiken. In den drei Siegen kam der Magic-Center im Schnitt auf 23,7 Punkte und 15 Rebounds. Doch nicht nur Howard ist es zu verdanken, dass es bei Orlando läuft wie geschmiert. Der Rest der Mannschaft greift ihm unter die Arme. Neuzugang Vince Carter überrascht die Kritiker mit seinem Spiel in diesen Playoffs. Er steigert sich von Runde zu Runde und ist nun der zweitbeste Scorer (16,1 Punkte) der Magier hinter Point-Guard Jameer Nelson (21,1). Nelson spielt die besten Playoffs seiner noch recht jungen NBA-Karriere. Als Howard gegen die Bobcats kein Offensiv-Faktor war, schulterte Nelson die Verantwortung und führte seine Mannschaft zu wichtigen Siegen. Ach ja, und nebenbei können die Magic die beste Verteidigung und die beste Offensive aller noch verbliebenen Teams ihr Eigen nennen (Hollinger Team Efficiency Stats). Orlando ist momentan der Favorit auf den Titel.

2. Phoenix Suns, 7:2 (5:0)

Goran Dragic

Goran Dragic

Hat jemand vor der Serie gegen die San Antonio Spurs gedacht, dass die Phoenix Suns den Texanern derartig starke Kopfzerbrechen bereiten würden? Ehrlich gesagt, nein. Doch spätestens nach der großartigen Performance von Steve Nashs Altersvorsorge Goran Dragic im dritten Spiel, befinden sich die Spurs in einem so großen schwarzen Loch (0 Siege; 3 Niederlagen), aus dem kein einziges Team in der Geschichte der NBA-Playoffs je einen Ausweg fand. Endlich, nach Jahren Demütigung durch San Antonio, können sich die Suns für all den Schmerz revanchieren. Man merkt den Spurs an, dass sie an der Spitze ihres Könnens spielen und trotzdem haushoch unterlegen sind. Weiterhin ist es das starke Spiel von Phoenix’ Bankspielern, die Abend für Abend für Entlastung der Startformation sorgen. Mal ist es ein Channing Frye der eben kurz fünf Dreier gegen die Spurs einnetzt. Oder ein Goran Dragic, der in 17 Minuten 26 Zähler verbuchen konnte. Heute Nacht kann Phoenix die Serie mit einem Sweep beenden. Eine bittersüße Rache nennt sich das.

3. Los Angeles Lakers, 7:2 (5:0)

Nach dem holprigen Start in die NBA-Playoffs gegen die jungen Wilden aus Oklahoma, scheint es so, als würde sich der amtierende Meister langsam aber sicher gefangen zu haben. Nach dem knappen gestrigen Sieg in fremder Halle bei den Jazz ist das Selbstvertrauen wieder auf dem Höchstpunkt angelangt. Die Erfahrung hat sich am Ende doch noch ausgezahlt. Als Kobe Bryant und Derek Fisher im Alleingang ihr Team zum Sieg führten. Somit scheint der Wille der Utah Jazz nach diesem entscheidenden Spiel drei endgültig gebrochen. Der Größenvorteil der Lakers macht den Jazz enorm zu schaffen. Weiterhin fand Defensiv-Ass Ron Artest sein Offensiv-Spiel wieder. Gegen die Thunder legte er Kevin Durant Handschellen an (35 Prozent aus dem Feld, 28 Prozent von der Dreierlinie). Verständlich, dass wenig Kraft für den Angriff übrig blieb. Gegen Utah kommt der Prügelknabe im Schnitt auf knapp 15 Punkte pro Partie. Über sechs Zähler mehr als noch gegen Oklahoma. Ähnlich wie die Spurs haben auch die Jazz am Limit gespielt. Dagegen ist das Spiel der Lakers noch steigerungsfähig. Vor allem Center Andrew Bynum, der mit einer Knieverletzung spielt, muss 100 prozentig fit sein, damit die Lakers den Repeat vollbringen können.

4. Cleveland Cavaliers, 6:2 (4:1)

Ellenbogen? Was für ein Ellenbogen? Im dritten Spiel war es wieder einmal LeBron James, der Schlagzeilen machte. Doch nicht mit einer potenziellen Ellenbogen-Verletzung, sondern mit einer, wieder einmal, beispiellosen offensiven Vorstellung. James netzte alleine im ersten Viertel 21 seiner insgesamt 38 Punkte gegen die Defense der Celtics ein. Wenn man dabei überhaupt noch von einer Verteidigung sprechen kann, da die Cavaliers fast 60 Prozent ihre Würfe an diesem Abend getroffen haben. Zu inkonstant ist das Spiel der Grünen bisher in dieser Serie. Den einzigen Sieg fuhr man bislang im zweiten Spiel ein, als es für Boston reibungslos lief und sogar ein Rasheed Wallace, der in dieser Serie überhaupt kein Faktor ist, mit 17 Punkten von der Bank brillieren konnte. Auch Paul Pierce spielt stark unter seinen Möglichkeiten. Gegen Miami waren es 19,6 Punkte bei soliden Quoten aus dem Feld. Gegen Cleveland trifft der 32-Jährige kein Scheunentor (31 Prozent aus dem Feld). Er wirkt zu alt und zu langsam. Die Celtics können die Serie nur noch mit viel Glück drehen.

(Photos by Chamber Of FearKeith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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10 Kommentare zu „NBA-Playoffs 2010: Power-Rankings“

  1. Malte Arndt sagt:

    Dass Boston nicht gerade der Favorit in der Serie ist, ist mir klar. Aber wie man sie so derart schlecht reden kann, wenn sie in den beiden Spielen in Cleveland sieben der acht Viertel grandiosen Basketball gezeigt haben (unter anderem 18 Punkte-Blowout ;) ) und jetzt zum ersten Mal in diesen Playoffs deutlich besiegt wurden, verstehe ich nicht. Objektiv betrachtet sollten sie in diesen Power Rankings nur knapp hinter Cleveland rangieren, weshalb ich nun nicht davon reden würde, dass sie viel Glück brauchen. Kommt eben darauf an, ob sie heute das vierte Spiel gewinnen können, dann haben sie meines Erachtens auch durchaus realistische Chancen auf die Conference Finals.

  2. Fabou sagt:

    Da spricht wohl der Fan aus Malte ;). Aber ich gebe ihm, besonders als Fan, Recht. Ich glaube nicht, dass man die Celtics unterschätzen darf, vor allem wenn die Bankspieler gute Spiele liefern, wie Tony Allen in der Miami Serie oder Sheed in Game 2 zwischen den Cavs-Cel. Ich bin der Meinung, dass gerade sie konstanter spielen müssen, damit die Celtics noch in die Conference Finals einziehen können.

  3. Magnus sagt:

    Und ich als Cavs Fan bin der Meinung, dass Boston das zweite Spiel nur aufgrund LeBrons Passivität gewinnen konnte, denn ohne ihn läuft offensiv einfach nichts.

  4. Magnus sagt:

    Sehr geiler Artikel :)! Mittlerweile bin ich auch am zweifeln ob die Cavs eine Chance gegen Orlando hätten. Aber Orlandos bisherige Playoffs erinnern stark an die der Cavs im letzten Jahr und wir alle wissen wie es da gekommen ist. Also ich als Cavs Fan kann nur hoffen, dass Orlando sich selbst zu stark findet und die Cavs einfach unterschätz ansonsten wirds echt schwer für LeBron & co.

  5. Malte Arndt sagt:

    Sicher ist James der wichtigste Spieler auf Seiten der Cavs, aber auch im ersten Spiel lag Boston lange, lange Zeit in Führung und hat erst am Ende (mal wieder) den möglichen Sieg hergeschenkt. Dass das Team besser ist als noch in der regulären Saison, ist offensichtlich und wie gesagt, die Heimniederlage gegen Cleveland war das erste richtig schlechte Spiel in den bisherigen Playoffs. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich heute noch einmal so abfertigen lässt und wenn man dann mal die Auswärtsstärke der Celtics betrachtet, kann man als Cavs-Fan (ein 2:2 vorausgesetzt) auch mal nervös werden. Was natürlich nichts an der Favoritenstellung ändert, aber so klar sehe ich die Serie auch noch nicht 8was natürlich auch gerne an meiner Fanbrille liegen darf ;) ).

  6. Dominik sagt:

    ich muss dimitrij da eher recht geben. die celtics zeigen hier und da noch mal, dass sie elitäre spieler in ihren reihen haben und tollen teambasketball spielen. allerdings sind spieler wie pierce, allen & KG oft nur noch schatten ihrer selbst und können ihr alter kaum verstecken. beim 2. spiel lief alles zusammen für boston, alle spieler waren super aufgelegt (karriere game von rondo) und die bank lieferte ebenfalls starke leistungen ab, siehe sheed. aber das wiederholt sich maximal noch 1 mal, mehr nicht. die celtics können sich niemals mit dem king und der tiefe der cavs messen, ich bitte euch. hab sie noch vor einem monat live im madison square garden gesehen als sie gegen barron, rodriguez, giddens, walker, douglas sogar alt aussahen. das ist die postseason, doch die dieses team hat keine konstanz mehr, keine klasse um gegen die cavs zu bestehen. mit maltes worten: hands down ;-)

  7. Dima Karle sagt:

    @ Magnus

    Vor allem hat Orlando genug Leute, um LeBron in der Defense zu beschäftigen. Nicht stoppen, um Gottes Willen ;)
    Wer soll es bei den Celtics machen? Pierce? Sowohl in der Verteidigung als auch in der Offensive ein Schatten seiner Meisterjahre. Tony Allen? Ich bitte euch!
    Mit Barnes und vor allem Pietrus hat Orlando Spieler, die LeBron auch mal mit unerlaubten Mitteln das Leben etwas erschweren könnten.

    Klar sollte man die Celtics nicht unterschätzen. Aber die Spieler sind einfach zu ausgebrannt. Einzig und allein Siegeswille reicht da einfach nicht mehr aus, wenn der eigene Körper nicht mehr mitspielt. Und wenn KG, Allen und Pierce versagen, ist es mit der Mannschaft am Ende. Denn es gibt kaum jemanden, der einspringen könnte (Rondo ist gut, aber noch lange nicht auf einer Ebene wie Deron Williams oder Chris Paul).
    Regular Season ist eine Sache, aber 4 Spiele gegen den Panzer LeBron und die Cavs zu gewinnen, einer andere. In meinen Augen sind die Celtics am Ende. Und die Zukunft sieht nicht mehr allzu rosig aus. Aber das war schon nach der gewonnenen Meisterschaft vielen klar.

  8. Magnus sagt:

    @ Dima Karle

    Jop du hast recht ;). Ich hab schon echt ziemlich schiss vor den Magic, ich kann nur hoffen, dass die Cavs oder eher James das packen, aber sicher bin ich mir da nicht mehr ^^

  9. Malte Arndt sagt:

    War gerade Tony Allen wirklich zweitbester Spieler der Celtics? Ich weiß nicht, mit wem er seine Gene vor Playoffbeginn getauscht hat, aber das ist wirklich unglaublich, was er seit Mitte April spielt. Und von Rajon Rondo sowieso… Freut mich jedenfalls, dass man wenigstens eine ernsthafte Serie in den Semifinals hat. Und unabhängig von allem Fandünkel: So herrlich und emotional - wer will da auf ein siebtes Spiel verzichten?

  10. Fabou sagt:

    “Einzig und allein Siegeswille reicht da einfach nicht mehr aus, wenn der eigene Körper nicht mehr mitspielt”.
    Ich glaub Dimi sollte dieses Zitat kennen ;). Den Kritikern hier, wurde wieder einmal das Gegenteil bewiesen. Ein historisches Spiel für Rondo, Glückwunsch an den kleinen Mann mit 18 Boards. Es war einfach nur traumhaft ihm zuzusehen, go on young fella.

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