Rivalry, Part 2

Von: Malte Arndt

Manu GinobiliDer Zug schien abgefahren für die Mavericks: Zwei Erstrundenniederlagen in Folge, ehe Dallas in den letzten Conference-Semifinals deutlich mit 4:1 von den Nuggets rausgeworfen wurde. Ein selten einseitiger Trade hat aber die Titelhoffnungen zurück gebracht. In der ersten Runde warten die San Antonio Spurs, die im Vorjahr deutlich von Dallas geschlagen wurden. Zeit für die Revanche? (mehr…)

Es spricht jedenfalls recht wenig dafür, dass sich der viermalige Meister an den Mavericks für das Vorjahresaus rächen kann. Schon damals sah man (ohne Manu Ginobili) sehr alt aus, wieso sollte sich das gegen ein verbessertes Team aus Dallas ändern? Dafür spricht auch, dass sich Richard Jefferson nicht wie erwartet in das Spiel der Spurs einbringen konnte. Er wurde zwar nicht mit dem Ziel verpflichtet, wie in New Jersey oder Milwaukee mehr als zwanzig Punkte zu erzielen, sondern als eine Art Bruce Bowen mit höherer offensiver Durchschlagskraft eine Schlüsselposition im Team der Spurs besetzen. Nach 82 Spielen weiß man, dass Jefferson offensiv durchaus besser ist als Bowen, ingesamt aber doch enttäuschte und gerade defensiv nicht überzeugend agieren konnte. Das hat mich insgesamt doch sehr gewundert, weil ich ihn da nach seiner Zeit in New Jersey anders eingeschätzt hätte.

Ebenso haben die Spurs auch mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. In besonderer Weise traf es dabei Tony Parker, der große Teile der regulären Saison aussetzen musste und somit (zumindest nach dem ersten Spiel zu urteilen) seinen Startplatz an George Hill verlor, der im Übrigen auch nur angeschlagen in die Playoffs kommt. Zu allem Verletzungspech kommt noch die Erkenntnis, dass Tim Duncan (trotz seiner Throwback-Leistung im ersten Spiel) und Antonio McDyess doch nicht mehr die Güteklasse früherer Jahre haben, wobei beide natürlich immer noch sehr gut sind und gerade Duncan dafür bekannt ist, in den entscheidenden Momenten eine Schippe draufzulegen.

Trotzdem stimmen mich all’ diese Tatsachen nicht gerade zuversichtlich für San Antonio, zumal Dallas mit einem riesen Selbstvertrauen in die Endrunde geht. Die Bilanz von 23-7 seit dem Trade dürfte zu den zwei besten im Westen gehören, das Selbstverständnis, ein echter Titelanwärter zu sein, ist ebenfalls zurück in “The Big D”. Dazu haben Leistungsträger wie Nowitzki, Kidd, Dampier oder Haywood entweder die beste Saison ihrer Karriere (Nowitzki) oder seit langer Zeit gespielt, was diesen Akteuren noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen geben dürfte. Schlussendlich ist auch der Heimvorteil für Dallas ein großer Pluspunkt - lediglich den Arenen in Portland, Utah und Boston würde ich einen noch höheren Lärmpegel attestieren wollen.

Dirk Nowitzki dürfte einmal mehr eine starke Serie gegen die Spurs spielen

Dirk Nowitzki dürfte einmal mehr eine starke Serie gegen die Spurs spielen

Abseits von diesen allgemeinen Feststellungen lassen sich aber auch im direkten Matchup Vorteile für die Mavericks feststellen. Das betrifft in allererster Linie natürlich Nowitzki - schon in der regulären Saison hatte Gregg Popovich keine Antwort auf den Würzburger (29 PPG) und auch im ersten Spiel konnte der Go-to-Guy der Mavericks machen, was er wollte. Was zwar an sich nicht so überragend dramatisch sein muss, da Nowitzki nicht gerade der Typ Spieler ist, der seine Mitspieler wesentlich stärker macht (sondern eher dem Team als solchem hilft), kann gerade in engen Begegnungen fatale Folgen haben: Nicht erst seit seinen 29 Punkten im Schlussviertel gegen Utah weiß man, dass Nowitzki ein überragender Clutch-Spieler ist. Gegen die beste Offensivwaffe des Gegners gerade in den entscheidenden Minuten keine Antwort zu haben, ist bislang eher selten gut ausgegangen.

Manu Ginobili kann zwar ebenso schwer von den Mavericks gestoppt werden und hat seit März seine Gene von 2005-2007 wiedergefunden, sprich: Spielt seitdem eine unglaubliche Saison, aber mit Caron Butler kann man ihm das Leben wenigstens etwas schwerer machen. Zumal auf der anderen Seite Butler auch kein schlechtes Matchup mit Ginobili hat, wenn sich der Ex-Wizard etwas mehr Richtung Korb oder Highpost orientiert (was er im ersten Spiel recht erfolgreich tat). Jedenfalls ist dieses Matchup nicht so dramatisch einseitig wie das bei Nowitzki der Fall ist.

Auch sonst sehe ich einige Vorteile auf Seiten der Mavericks - mit ihrem Centerduo Dampier/Haywood können sie Duncan unter den Körben Paroli bieten, Marion als defensiver Stopper kann Jefferson und/oder Ginobili übernehmen, dazu hat Dallas mit Jason Terry einen echten Energizer von der Bank, der immer mal wieder auftretende Scoringtiefs von Butler oder Marion auffangen kann. Auch J.J. Barea, in diesem Jahr mit einer weniger prominenten Rolle im System von Rick Carlisle ausgestattet, kann für Probleme sorgen, wie schon die letztjährigen Playoffs zeigten. Hier muss fairerweise aber gesagt werden, dass sich George Hill so eklatant gesteigert hat, dass ich Barea nicht noch einmal eine solche Serie zutraue.

Das ändert aber insgesamt nichts daran, dass Dallas insgesamt einfach die bessere Mannschaft ist. San Antonio stellt nicht die Matchup-Albträume dar, die (um mal wieder dieses beliebte Beispiel zu bemühen) die Warriors 2007 darstellten. Sie haben dem besten Spieler der Mavericks nichts, aber wirklich gar nichts entgegenzusetzen (ich traue da lediglich Duncan eine effektive Verteidigung zu, aber Popovich will ihn berechtigterweise wohl nicht aus der Zone ziehen), haben ein richtig gutes Heimteam gegen sich und müssen darauf bauen, dass ihr einziges wirklich starkes Matchup - Manu Ginobili - eine Menge von dem auffängt, was woanders liegen gelassen wird. Da der Faktor Kidd in der Defensive durch die Verpflichtungen von starken Helpdefendern wie Haywood oder Marion ebenfalls nicht mehr so negativ auffällt (und somit Hill und Parker nicht völlig durchdrehen werden), erscheint mir diese Aufgabe für Ginobili wie für die Spurs doch zu groß und ich denke, dass die Mavericks nach sechs Spielen die zweite Runde erreichen werden.

(Photos by The Brit_2 & Keith Allsion | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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3 Kommentare zu „Rivalry, Part 2“

  1. nbachef sagt:

    Ich hätts nicht schöner sagen können.
    Siehe auch nbachef.blogspot.com/2010/04/nba-playoffs-mavs-spurs.html
    Dallas in 6 oder 7

  2. Stefan Stahl sagt:

    Nur eine Kleinigkeit am Rande:

    Vielleicht kann man es ja noch ändern und diesen Beitrag unter “NBA-Playoffs 2009/2010″ statt unter “Allgemein” einstellen?

    Davon abgesehen war es wieder ein echter Genuss, ihn zu lesen!

  3. Malte Arndt sagt:

    Kleine Nachlässigkeit meinerseits - wird sofort ausgebessert.

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