Unerwartetes Duell

Von: Malte Arndt

Brandon JenningsEs ist wohl das Duell der beiden Überraschungsteams im Osten. Mit Atlanta durfte man in den Playoffs rechnen,  53 Siege waren indes doch überraschend. Milwaukee wurden dagegen vor der Saison wohl eher gute Chancen auf den ersten Pick denn auf eine Endrundenteilnahme eingeräumt. Und obwohl beide überrascht haben, könnte die Situation der Teams gegensätzlicher kaum sein. (mehr…)

Gemeint ist natürlich die Verletzung von Andrew Bogut, die die doch recht großen Hoffnungen der Bierstädter für die Playoffs pulverisierte. Ohne ihren starken Mann im Zentrum, der nach dem All Star-Break zu einem der ligaweit besten Center avancierte, fehlt den Bucks einfach zu viel, um ein wirklich gefährlicher Gegner in den Playoffs zu sein. Den Einfluss des Australiers auf Milwaukees Spiel kann man gar nicht hoch genug einschätzen, wobei er besonders defensiv seinem Team enorm half. Das Verwunderliche ist nur, dass Milwaukee auch nach dem schicksalsträchtigen Spiel gegen Phoenix am 4. April vier der letzten sechs Partien gewann, was nicht gerade für einen starken Leistungsabfall spricht.

Aber trotz der guten Form sehe ich hier - ähnlich wie bei der Serie Cleveland-Chicago - zu viele Probleme für den Außenseiter, als dass eine Überraschung wirklich gelingen könnte. Das fängt schon damit an, dass die Bucks eines der defensiv schwächsten Teams am Perimeter sind, wenn nicht gerade Charlie Bell auf dem Parkett steht (ob er das aber überhaupt tun sollte, wenn man in den Playoffs bestehen will, ist eine andere Frage…). Keine guten Voraussetzungen, wenn man auf Joe Johnson und Jamal Crawford trifft. Letztgenannter feiert zwar sein Debüt in den Playoffs und es wird deshalb abzuwarten sein, inwiefern er Verantwortung übernehmen kann und will, aber Johnson bietet sich eine mehr als gute Gelegenheit, die enttäuschenden Playoffs des letzten Jahres vergessen zu lassen.

Das eigentliche K.O.-Kriterium für alle Upset-Träume der Bucks ist aber das Duell auf der Center-Position: Wenn ich mir einen Gameplan ausdenken soll, um mit Kurt Thomas und Dan Gadzuric Al Horford zu verteidigen, habe ich ein gewaltiges Problem. Während Thomas zwar noch als altbacken, aber solide durchgehen kann, ist Gadzuric als fester Rotationsbestandteil für jedes Playoff-Team natürlich eine mittelschwere Katastrophe. Scott Skiles, sonst für ausgetüftelte Defensivstrategien bekannt, kann wohl nur hoffen, dass sein Gegenpart Mike Woodson Horford so vergleichsweise spärlich nutzt wie in der Regular Season. Allerdings bezweifle ich das, da dieses Mismatch zu offensichtlich ist und die einzelnen Matchups in den Playoffs ohnehin eine prominentere Rolle spielen als in einzelnen Begegnungen während der regulären Saison.

Steht möglicherweise vor einer großen Serie: Al Horford

Steht möglicherweise vor einer großen Serie: Al Horford

Wo also kann Milwaukee ansetzen? Brandon Jennings dürfte sicherlich seine Freude am Matchup mit Mike Bibby haben, der nur noch eine schlechte Kopie früherer Tage ist und defensiv ein Verhalten an den Tag legt, das sich nur mit Alibiverteidigung umschreiben lässt. Auf der anderen Seite hat es bisher nur wenigen Teams geholfen, ihre Hoffnungen bezüglich der Playoffs in einen Rookie zu setzen und Jennings kam nach einem Fabelstart auch eher unkonstant durch die Saison. John Salmons hat mit Joe Johnson einen leicht überdurchschnittlichen Verteidiger gegen sich, dürfte aber dennoch bei der Form der letzten Wochen einen starken Punkteschnitt einfahren. Milwaukee muss dabei nur hoffen, dass Salmons nicht zu viele Würfe für seine Punkte braucht.

Da das auch mal in einem Spiel gelingen wird, glaube ich nicht, dass die Bucks gesweept werden. Das hätten sie nach einer derart starken Saison auch nicht wirklich verdient. Wesentlich mehr als diesen einen Sieg sehe ich aber auch nicht, weil Johnson (und wohl auch Crawford) ihre Privatparty gegen den Bucks-Backcourt feiern, weil Horford die Chance hat, eine unglaubliche Serie zu spielen (mein persönlicher Favorit für den Star der ersten Runde und somit Nachfolger von Derrick Rose), weil Milwaukee zu sehr auf Jennings angewiesen sein wird und weil kein Playoffteam dieser Welt Gadzuric, Stackhouse oder Bell größere Rollen zugestehen sollte. Bei optimalem Verlauf gewinnen die Bierstädter zwei Spiele, ich prognostiziere eher ein Weiterkommen der Hawks im fünften Spiel.

(Photos by fi_chince & Steve Paluch | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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8 Kommentare zu „Unerwartetes Duell“

  1. Fabou sagt:

    Schöner Artikel, freu mich schon auf deine Prognose zwischen den Celtics-Heat.

    ps. Willkommen hier bei nba-blog

  2. Daniel sagt:

    Jepp…echt mies für die Bucks ohne Bogut, würde mich der Prognose anschließen dass die Serie höchstens 4-1 enden wird….Eine Einschätzung zu Celtics gegen Heat wäre wirklich sehr interessant, ansonten fände ich auch das Nordwest-Derby zwischen den Jazz und den Nuggets spannend…

  3. Dima Karle sagt:

    No Bogut, no chance!
    Und ich bin mir nicht sonderlich sicher, ob Jennings in seinen, wohlgemerkt, ersten Playoffs glänzen kann.
    Zudem nur magere 8.7 Punkte und 3.7 Vorlagen pro Spiel bei horrenden Quoten aus dem Feld (FG% 27 - 3PT% 17) für den Bucks Frischling in den drei Partien der RS.

  4. Dominik sagt:

    Sehe auch wenig Chancen für die Bucks. Die Playoff Teilnahme an sich ist ja schon ein Riesenerfolg, einen Sieg als “Belohnung” würde ich ihnen wünschen. Mein Tipp: 4-1 Hawks

  5. Günther sagt:

    Al Horford vor einer grossen Serie ?
    Gegen Thomas und Gadzuric hätte selbst Zaza Pachulia eine grosse Serie.
    ;)
    Ganz langweiliges Duell !

  6. Malte Arndt sagt:

    Erzähl das Mike Woodson. Scott Skiles hat immerhin seinen Fehler erkannt (wieso um alles in der Welt wird Delfino gegen Smith gestellt? Wieso????), Woodson kommt dagegen nicht auf die Idee, Horford exzessiv anzuspielen. Ich hasse schlechtes Coaching….

  7. nbachef sagt:

    Bist du echt so überrascht von 53 Siegen ?
    Die Hawks verbessern sich seit 6 Jahren stetig, letztes Jahr waren es 47.
    Siehe auch hier nbachef.blogspot.com/2010/04/nba-playoffs-hawks-bucks.html
    Ich denke 50+ waren jederzeit realistisch.
    Glaube aber, dass dieses Team eine Obergrenze hat, auch in kommenden Spielzeiten: Conference Halbfinale.

  8. Malte Arndt sagt:

    Mich haben die 53 Siege ehrlich gesagt schon überrascht. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich zu Saisonbeginn dem Crawford-Trade skeptisch gegenüber stand und mir die letzte Saison mit 47 Siegen plus zweiter Runde schon nahe am Optimum für Atlanta vorkam. Zumal das Team ja auch nicht mehr so jung ist, weshalb sich das Entwicklungspotential in Grenzen hält (sehe da nur bei Horford noch eine Menge Luft nach oben).

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