Anything is possible

Von: Malte Arndt

Darren CollisonEs geschehen noch Zeichen und Wunder in der NBA dieser Tage - zum Beispiel ein Trade, bei dem mal nicht die Hoffnung der Fans genährt werden soll, im Sommer 20xx den großen Star an Land ziehen zu können, sondern der das Team rein sportlich verbessern soll. Und dann auch noch gleich mit vier beteiligten Teams - da lohnt sich ein genauerer Blick auf dieses Tauschgeschäft. (mehr…)

Zunächst einmal mag dieser Trade nicht für wirklich viel Aufmerksamkeit gesorgt haben, obwohl er es sogar auf die Flashbar von nba.com schaffte - was sonst nur passiert, wenn wenigstens Ex-All Stars getradet werden und ein weiterer deutlicher Beleg dafür ist, dass die NBA momentan in einem tiefen Sommerloch ihr Dasein fristet. Jedenfalls wäre in den vergangenen Jahren kaum eine Sendung, die die Spielbegegnungen der Saisoneröffnung, des Weihnachtsfeiertages und des Martin Luther King Day, auf mehrere Stunden aufgebläht und Tage im Vorraus auf der hauseigenen Internetseite beworben worden. Aber gut, lassen wir das. Fakt ist, dass die Houston Rockets, New Jersey Nets, Indiana Pacers und New Orleans Hornets uns endlich wieder neuen Gesprächsstoff liefern.

Lohnt sich zunächst ein Blick auf das Kellerkind der Liga: Die Nets, schwer gebeutelt durch die enttäuschende Free Agency und den verpassten No.1-Pick in John Wall, geben mit Courtney Lee einen zweifellos talentierten, aber auch recht unbeständigen Akteur ab, der zudem verletzungsanfällig ist. Im Gegenzug erhält man Troy Murphy aus Indiana, dem ich eher skeptisch gegenüberstehe. Sicherlich ist Murphy ein guter Power Forward, der zudem mit seiner Shooting Range den einen oder anderen Big Man aus der Zone locken kann. Aber das Problem fängt schon an, wenn ich mir den Kader New Jerseys ansehe und dort auf den großen Positionen Brook Lopez und Derrick Favors sehe. Lopez hat sich bereits einen Ruf als einer der besten jungen Center gemacht, zwei Saisons lang super Leistungen abgeliefert und dürfte sich seines Platzes sicher sein. Favors gilt als einer von ganzen vier Spielern dieses Jahrgangs, die das Zeug zum (All) Star haben und ist ohne Diskussion die Zukunft der Nets auf der Vier. Jemand wie Murphy ist da einfach fehl’ am Platz, da er auch zu gut für die Bank ist. Zudem ist Murphy in Indiana jeglichen Beweis schuldig geblieben, sich selbstständig Würfe zu erarbeiten, was angesichts der doch eher dürftigen Aufbauspieler in New Jersey ein Problem werden kann (spätestens, sobald Devin Harris verletzt ist). Und selbst wenn Harris verletzungsfrei bleibt - wie viele Überschneidungen der Spielzeit gibt es zwischen einem Bankspieler wie Murphy und einem Starter wie Harris? Ich habe insgesamt noch nicht ganz den Sinn dieses Trades für die Nets verstanden, aber vielleicht folgt ja noch ein weiterer Trade, der Licht ins Dunkel bringt.

Folgen wir dem Spieler, der die Nets verlies - Courtney Lee. Die Houston Rockets bzw. deren GM Daryl Morey gelten gemeinhin als sehr clevere Tradepartner und auch in Courtney Lee kann ich einiges positives entdecken - seinen sicheren Dreier, seine herausragende Verteidigung am Perimeter und sein Entwicklungspotential, das mit (bei Saisonbeginn) 25 Jahren noch lange nicht ausgeschöpft sein dürfte. Dem gegenüber stehen die schon vorher aufgeführten Punkte wie Unbeständigkeit, die aber generell jungen Spielern zugestanden werden sollte, aber im dritten Jahr besser nicht mehr allzu oft zum Vorschein kommt, und eine zumindest kleine Verletzungsanfälligkeit (immerhin schon 16 verpasste Spiele in zwei Jahren). Und - was im speziellen Falle der Houston Rockets hinzu kommt - Kevin Martin. Martin ist ohne Wenn und Aber Starter der Rockets auf der Zwei und einer der wichtigsten Spieler der Texaner. Lee ist aber für die Drei zu klein und wird deshalb wohl von der Bank kommen. Somit darf der Trade wohl eher als Zugeständnis an Shane Battier gewertet werden, da sein direkter Konkurrent Trevor Ariza nun weg ist - für mich als hoffnungsvollen Beobachter aber ist die Dark Horse-Rolle im Meisterschaftsrennen mit diesem Trade gestorben. Ariza hat ohne Zweifel viel Potential gehabt und einfach besser in den Kader gepasst als Lee, der zwar Qualitäten hat, aber diese in der aktuellen Kaderzusammenstellung kaum einbringen kann. Es sei denn, Adelman will Smallball spielen lassen, aber das kann ich mir nicht vorstellen, solange Yao Ming fit ist. Insgesamt hat Houston bestimmt keinen schlechten Spieler bekommen, aber einen besseren (sowohl individuell als auch kadertechnisch) abgegeben.

Ob Trevor Ariza der Spieler ist, der den Hornets zu neuer Stärke verhilft?

Ob Trevor Ariza der Spieler ist, der den Hornets zu neuer Stärke verhilft?

Eben jener Trevor Ariza ist dagegen der neue Hoffnungsträger in New Orleans, das bislang eher durch das Wechseltheater um Franchise-Spieler Chris Paul aufgefallen ist. Um jenen zu besänftigen und wieder in die verloren gegangene Rolle des Titelaspiranten zu schlüpfen, dürfte Ariza allein zwar noch zu wenig sein, aber es ist immerhin ein Anfang. Bei den Hornets wird er auf jeden Fall gebraucht - sei es als Shooting Guard oder Small Forward. Die Liste der Spieler, die hier im blau-weißen Trikot enttäuschten, ist lang: Julian Wright, James Posey, Morris Peterson sind die prominentesten Mitglieder. Auch Peja Stojakovic kommt langsam in die Jahre, womit der Trade umso verständnisvoller wird. Ariza kann den Hornets als knallharter Verteidiger am Perimeter immens helfen, da hier der einzige halbwegs talentierte Akteur - der schon erwähnte Julian Wright - weiter auf der Suche nach seinem eigenen Talent ist und jeglichen Kredit (sofern der denn überhaupt noch vorhanden war) im letzten Jahr verspielt haben dürfte. Außerdem kann Ariza auch offensiv Akzente setzen, wobei ihm aus meiner Sicht gut tun dürfte, dass er in New Orleans als dritte Geige nicht die ganze Verantwortung tragen muss, die er zeitweise in Houston inne hatte. Vielleicht findet er so auch seinen Distanzwurf wieder, der ihn in den Playoffs 2009 ins Rampenlicht katapultierte.

Der eigentliche Beweggrund dieses Trades ist aber eher zwischen den Zeilen zu finden - eine Art Sicherheit der Hornets, dass Pauls Wechselgedanken tatsächlich ad acta gelegt sind. Wieso hätte man sonst Aufbautalent Darren Collison getradet? Eben. Die vermeintliche Versicherung der Hornets für den Super-GAU ist hinfällig geworden, man hat für ihn, kombiniert mit dem insgesamt doch enttäuschenden James Posey, einen sehr guten Spieler bekommen und kurz- wie langfristig die Perspektiven am nicht nur von sportlichen Krisen geplagten Golf von Mexiko erhöht. Mir gefällt der Trade jedenfalls außerordentlich gut, sofern noch mindestens ein Backup für Paul den Weg nach New Orleans findet, was aber machbar sein sollte.

Wie gut Collison ist, dass er als ernsthafte Versicherung für Pauls Abgang galt, kann sich jeder ausrechnen. Insofern dürfen sich die Fans der Pacers freuen, nach Jahren der Wechselspiele auf der Eins mit Tinsley, Ford und Jack endlich den Aufbau gefunden zu haben, der auf Jahre hinaus die Geschicke im Hoosier State leiten kann. Dass er das auch noch für einen Spottpreis tut, wie Kollege Flo Holnburger in einem gelungen Portrait feststellte, macht die Sache natürlich noch viel besser. Posey musste wohl als Sidekick aufgenommen werden, da sein Vertrag nach seinen Verletzungen viel zu hoch datiert und in New Orleans ein strikter Sparkurs vorgesehen ist (oder war?). Da er aber dem Team dennoch Erfahrung und vor allem so etwas wie defensive Mentalität geben kann, muss er nicht der schlechteste Fit für die Pacers sein. Ob der Trade für den kurzfristigen Erfolg - sprich: Playoffteilnahme - taugt, muss abgewartet werden. Der langfristige Effekt ist aber um einen jungen Kern mit Danny Granger, Roy Hibbert oder Brandon Rush nicht zu verachten und kann dazu führen, dass in absehbarer Zukunft endlich wieder richtig guter und vor allem erfolgreicher Basketball in Indianapolis zu sehen sein wird.

(Photos by JMRosenfeld & B. Tse | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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5 Kommentare zu „Anything is possible“

  1. Daniel sagt:

    Sehr sehr guter beitrag!!
    GO PACERS

  2. Dmitrij Karle sagt:

    Die Playoffs sind zur Zeit wohl noch nicht drin, das stimmt. Abwarten, Danny Granger meinte vor ein Paar Tagen, dass ein weiterer Trade in den Startlöchern steht, der einen Big (Power-Forward) in die Mannschaft bringen wird.
    Ich hoffe, dass Collison sich gut im System der Pacers zurechtfinden wird, damit die Einser Problematik erst einmal vom Tisch ist.
    Mit Spannung erwarte ich die Saison von Hansbrough. Eine kuriose Ohrinfektion zwang ihn fast die komplette Saison auszusetzen.
    Er ist talentiert, ohne Frage. Und könnte die Lösung auf der Vier sein. Auf dem College hat er alles gewonnen, was man gewinnen kann. Ein Winner ist er allemal. Und wenn er auf dem Platz stand, konnte TH sein Können unter Beweis stellen.
    Langsam geht es mit den Pacers bergauf!

  3. Malte Arndt sagt:

    Von Hansbrough würde ich persönlich nicht zu viel erwarten - sicherlich ein guter Hustle-Spieler, aber in einem wirklich guten Team wohl doch eher von der Bank kommend. Da die Pacers das aber nicht sind, kann das vielleicht klappen. So oder so hata man aber ein Grundgerüst, auf dem man aufbauen kann - je nach Entwicklung von Rush wäre aber vielleicht ein Zweier, den man im Trade kriegen könnte, besser.

  4. Mr. Ecko sagt:

    Hervorragender Bericht, mein Kompliment. Für mich sind die Pacers der größte Nutznießer dieses Trades, “Zombie” Posey sollte verkraftet werden können, dafür hat man einen der talentiertesten Point-Guards der Liga bekommen.

  5. ClauztrufoTIBA sagt:

    new orleans nich zu verachten. mit ariza haben sie sich dann sehr sehr gute dienste gesichert. und wie schon oben beschrieben, mit nem gute backup für CP3 kann es endlich bei den hornets wieder bergaufgehen. vielleicht sind die playoffs ja auch mal wieder drin.

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