Entscheidung vertagt

Von: Dmitrij Karle

Entgegen aller Trade-Gerüchten, die um den Star Point-Guard der New Orleans Hornets, Chris Paul (Foto), in letzter Zeit kreisten, scheint es, dass der dreimalige NBA All-Star weiterhin an seiner Mannschaft festhalten möchte. Im gestrigen Meeting mit Headcoach und General Manager war von der Abwanderungslust Pauls nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil. Beide Parteien haben nun ein  Ziel. (mehr…)

Nach über einer Stunde gingen der neue Headcoach der Hornets, der 38-jährige frühere NBA-Spieler Monty Williams, und General Manager Dell Demps zuversichtlich aus dem Gespräch mit ihrem Starspieler Chris Paul hervor. Demps bestätigte nach der Konversation, dass ihr Publikumsliebling und Franchisespieler in der kommenden NBA Saison 2010/2011 im Hornetstrikot auflaufen wird.

Das Ziel der beiden Parteien war klar und unmissverständlich formuliert worden: das Erreichen der NBA-Playoffs. Anscheinend haben die Argumente der New Orleans Hornets Verantwortlichen eine immens große Wirkung auf Paul hinterlassen. Denn der erst 25-Jährige äußerte sich optimistisch nach dem Treffen. Der Frust vergangener Tage schien wie vom Erdboden verschluckt worden zu sein.

Chris Pauls Vertrag endet mit Ablauf der Saison 2011/2012. Für das nächste Jahr besitzt er eine Spieleroption und kann somit aus seinem Kontrakt aussteigen, um als Unrestricted Free-Agent den Markt zu testen. Paul hofft auf eine erfolgreiche und vor allem lange Zukunft in New Orleans. Die Hornets verpassten in der abgelaufenen Saison zum ersten Mal nach drei Jahren wieder die Playoffs und belegten mit einer Bilanz von 37 Siegen bei 45 Niederlagen den letzten Platz in ihrer Division (Southwest-Division).

Mit von der Partie im gestrigen Aufeinandertreffen war zudem auch Pauls Agent Leon Rose. Rose traf sich in der letzten Woche mit zahlreichen Mannschaften (Orlando, Portland, New York), die sicherlich nichts dagegen hätten, Paul in ihren Reihen zu präsentieren. Es ist demnach kaum verwunderlich, dass es jeden Tag neue Trade-Gerüchte um seinen Schützling gab, da Rose mit diesen Aktionen immer neues Öl ins Feuer goß.

Denn bisher tat das Front-Office der Hornets nicht allzu viel, um die Mannschaft konsequent zu verstärken. Daher verwundert mich die Tatsache, dass Paul positiv gestimmt aus der Besprechung ging. Auf dem Free-Agent-Markt hat man bis dato nur Center Aaron Gray einen neuen Vertrag über zwei Jahre (mit Spieleroption) gegeben. Neue Akteure im Kader sind nur die Rookies Craig Brackins und Quincy Pondexter.

In der Summer League konnte vor allem der Letztere für etwas Aufmerksamkeit sorgen. Der 1,98 Meter große Forward verbrachte vier Jahre Jahre im College bei den Washington Huskies und legte in fünf Partien für die Hornets-Auswahl solide 15,2 Zähler auf. Laut Monty Williams war er außerdem einer der besten Verteidiger im Turnier.

In sein letztes Vertragsjahr geht der Serbe Peja Stojakovic. Er verdient in der kommenden NBA-Saison stattliche 15,3 Millionen US-Dollar. Stojakovic absolvierte in den letzten beiden Jahren nie mehr als 62 Spiele für seinen Arbeitgeber. Seine stärkste Waffe, der Distanzwurf, verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Zwar traf der 2,08 Meter große Small-Forward in der vergangenen Saison 37 Prozent von jenseits der Dreipunktelinie, doch konnte dieser Umstand kaum seine enormen Defizite in der Verteidigung ausgleichen.

Bleibt Chris Paul den Hornets treu?

Bleibt Chris Paul den Hornets treu?

Auch der litauische Power-Forward Darius Songaila wird nächsten Sommer Free-Agent. Ihm überweisen die Hornets in dieser Saison respektable 4,8 Millionen US-Dollar. So viel wird er wohl nie wieder während seiner NBA-Karriere verdienen. Allerdings ist Songaila ein gestandener NBA-Profi, der durchaus in der zweiten Fünf aufspielen kann.

Die beiden Akteure kommen zusammen auf über 20 Millionen US-Dollar an auslaufenden Verträgen. Man müsste nun Mannschaften finden, die bereit sind, für Stojakovic und Songaila besseres Spielermaterial zu opfern, um womöglich im kommenden Free-Agent-Sommer mehr Flexibilität zu erlangen.

Was die Jugendarbeit angeht, so hatten die Hornets im vergangenen Draft viel Glück. Sowohl der viel verschriene Aufbauspieler Darren Collison als auch Shooting-Guard Marcus Thornton entwickelten sich prächtig im Laufe der Saison. Als Chris Paul zeitweise ausfiel, zeigte Collison, dass er ohne Probleme ein NBA-Team anführen kann. Im Februar, März und April erzielte der 1,83 Meter kleine Point-Guard sehr gute 19 Punkte und über acht Vorlagen pro Spiel.

Auch der Zweitrundenpick, Marcus Thornton, zeigte in seiner Rookie-Saison, wozu er fähig ist. Mit 14,5 Zählern im Schnitt war er der drittbeste Scorer der Hornets hinter Paul und David West. Thornton überzeugte weiterhin mit seine starken Quoten aus dem Feld (45 Prozent) und aus dem Dreierbereich (37 Prozent).

Und die Entwicklung der beiden ist noch lange nicht abgeschlossen. Collison kann sicherlich noch wichtige Aspekte vom Spiel eines Aufbaus wie Chris Paul abschauen. Auch die jetzigen Drafties sehen auf dem Papier vielversprechend aus. Ob allerdings das Spielermaterial ausreicht, um die Hornets wieder in die Playoffs zu führen, lässt sich momentan nicht ermitteln.

Dazu muss das Trio um Chris Paul, David West und Emeka Okafor die Zügel in die Hand nehmen und eine perfekte Saison abliefern. Darüberhinaus muss ein Okafor mehr in die Offensive eingebettet werden. Der Center erzielte mickrige 10,4 Punkte pro Partie in der vergangenen Saison. Es waren in Okafors Karriere noch nie so wenige (Rookie-Saison: 15,1 Punkte pro Begegnung). Es kam mir zweitweise so vor, dass der Nummer-Zwei-Pick im Draft 2004 lustlos aufspielen würde.

Forward Julian Wright scheint in seiner Entwicklung stehen geblieben zu sein. Nach drei Jahren spielt er kaum eine Rolle in der Rotation der Hornets. Auch in der kommenden Spielzeit sehe ich für ihn wenig Chancen, da nun zwei weitere Rookies auf ihre Möglichkeit aufzuspielen warten.

Auch einen in die Jahre gekommenen James Posey sollte man an dieser Stelle nicht vergessen. Er ist immer noch eine solide Scoring-Option von der Bank, wenn auch nur beschränkt einsetzbar.

Schlimm sieht es natürlich nicht aus. Da gibt es Mannschaften, denen es noch deutlich schlechter geht. Momentan hofft man, dass die oben genannten Spieler eine bessere Saison spielen werden. Ein solider Small-Forward fehlt an allen Ecken und Enden. Die jungen Spieler brauchen noch Zeit. Quincy Pondexter könnte die Zukunft auf der Drei einläuten. Ich glaube jedoch fest daran, dass, wenn alles glatt läuft, mit diesem Kader mindestens das Erreichen der Playoffs möglich sein sollte. Wir lassen uns überraschen, ob das Hornets Front-Office noch etwas aus dem Hut zaubern kann.

(Photos by Keith Allison | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

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13 Kommentare zu „Entscheidung vertagt“

  1. Mattes sagt:

    Eigentlich traue ich den Hornets in dieser Besetzung durchaus die Playoffs zu. Wenn Paul die gesamte Saison durchspielen kann und sich die letztjährigen Rookies weiter entwickeln, ist durchaus ein Platz unter den besten acht Teams des Westens möglich.
    Die Coference ist ja nach dem Abgang von Boozer und Stoudamire ohnehin etwas “schwächer” geworden. Ich denke das sich Teams wie New Orleans, Houston, Memphis und Utah um die begehrten Plätze streiten werden.

  2. Dominik sagt:

    @mattes: utah wohl kaum ;)

    collison und thornton ham’ mir letzte saison echt extrem gut gefallen. dem rest des teams kann ich kaum was abgewinnen, auch wenn okafor & west natürlich noch top sind.
    man muss bedenken, dass paul die ganze trade-geschichte öffentlich gemacht hat. und so was macht man ganz bestimmt nicht, wenn man nicht extrem frustriert ist. ich denke paul ist ein smarter und vernünftiger kerl, daher schätze ich die angelegenheit der letzten wochen nicht als eine kurzschlussreaktion ein. sein agent hat sich immerhin mit anderen teams getroffen. ich denke nicht, dass dies nur ein druckmittel war, sondern dass paul durchaus noch woanders hinmöchte.
    aber er hat jetzt vermutlich erstmal alles das, was er von den hornets hören wollte, gehört und ist erstmal ruhig gestellt. verläuft diese saison schlecht, und davon gehe ich aus, wird paul wieder einen trade fordern… nur dann wird er allerdings nicht mehr ruhig zu stellen sein.

  3. Ace sagt:

    Es glaubt doch wohl nicht ernsthaft jemand, die beiden Parteien hätten sich geeinigt. Die Argumente der Verantwortlichen haben eine immens große Wirkung bei Paul hinterlassen? Das gemeinsame Ziel ist das Erreichen der Playoffs? Damit soll Paul zufrieden sein?
    Er hat in den letzten Wochen ganz klar verlauten lassen, dass er erfolgreich sein will. Das heißt nicht, dass er die 1. Playoff-Runde erreichen möchte. Am liebsten hätte er es, wenn die Verantwortlichen 2-3 richtige Verstärkungen geholt hätten um zu zeigen “Wir greifen oben an!”. Das geschieht aber einfach nicht.

    Nach außen hin wird jetzt auf heile Welt gemacht, aber so ist es doch immer im NBA-Geschäft. Paul ist ein netter, cleverer Typ und will nun auch nicht die Hölle hinaufbeschwören. Trotzdem wird er, da bin ich ziemlich sicher, mit geballter Faust zu Hause sitzen und vergeblich auf die richtigen Moves der Franchise warten. Er ist doch nicht jetzt zufrieden, weil ihm gesagt wurde, dass man unbedingt gewinnen sprich in die Playoffs will (was für außergewöhnliche Ziele).

    Die Lage sieht mMn so aus: Paul & sein Agent haben erkannt, dass er jetzt noch nicht getradet werden kann. Die Hornets und CP reden die Situation gut und einigen sich drauf, nach außen auf völlig heile Welt zu machen. Denn ein Rosenkrieg könnte die ganze Franchise ziemlich kaputt machen und das Image schädigen. Das ganze Spektakel soll erstmal vergessen werden und die Fans sollen denken, alles sei wieder super. Im Hinterkopf behalten beide Parteien jedoch die Möglichkeit des Trades und werden weiter 500 Optionen abwägen.

    Ich vermute spätestens im Februar trennen sie sich…

  4. Philmriss sagt:

    @ace: genau … denn wie sie nach außen hin nicht so tun würden, als wre alles in ordnung würde das auch den potenziellen gegenwert des vermeintlichen tauschpartners reduzieren.

    ich kann mir außerdem einfach nicht vorstellen, wie paul und collison zusammen spielen sollen? wenn es jemanden gibt, soll er mir das bitte mal erklären!! :)

  5. Chris sagt:

    Ich schätze Ace wird recht haben.

    CP’s Zeil kann unmöglich sein die Playoffs zu erreichen, um in der ersten Runde direkt wieder nach Hause geschickt zu werden. Nur mit dem aktuellen Kader sehe ich keine großen Chancen, dass Runde 1, geschweige denn Runde 2 erreicht werden kann.

    Ich denke, dass CP Verstärkung haben will. Warum sollte er sich denn alleine auspowern für nichts und wieder nichts ? Er bräuchte, wie schon gesagt, jemand konstanten auf der 3!
    Die Hornets haben sich nicht bemüht Verstärkung zu holen. Von daher wird das Projekt meiner Meinung nach voll in die Hose gehen …

  6. Ace sagt:

    Ich könnte mir eventuell vorstellen, dass während der Saison Andre Iguodala für Stojakovic getauscht wird - wenn es für Philly schlecht läuft und die Kombination Iggy - Evans nicht funktioniert. Die Sixers wären ihn dann mit seinem dicken Vertrag los und bekommen dafür ‘nen Dreier-Schützen, der bitter benötigt wird. Zumindest für den Rest der Saison, danach sparen sie die Kohle.
    NO hätte somit ‘ne Bombe auf der 3 und würde bestimmt zum Contender werden.

    Viele solcher Szenarien kann ich mir aber nicht vorstellen. Sollte so was also erwartungsgemäß nicht klappen, verschwindet CP3 sicher.
    Denke mal wenn man ihm sagen wird “Quincy Pondexter kann doch die Zukunft auf der 3 werden” klatscht der einem links und rechts was um die Ohren… ebenso bei dem verlauteten Ziel “Wir wollen die Playoffs schaffen” - Chris, bitte komm schnell da weg ;-)

  7. Mattes sagt:

    Um ehrlich zu sein verstehe ich auch nicht das Anspuchsdenken einiger Stars. Klar versuchen die meisten Spieler einmal in ihrem Leben einen Ring zu gewinnen, aber das Gegenteil ist deutlich wahrscheinlicher. Es kann nunmal nicht jeder halbwegs gute Spieler die Meisterschaft holen…

    Zurzeit habe ich ohnehin die Sorge, dass sich alle Superstars der Liga zu zweit oder zu dritt zusammen tun und somit kein ordentliches Spielermaterial mehr für die anderen Tams übrig bleibt. Uns Fans bringt es doch nichts, wenn nur noch fünf Teams wirklich was zu sagen haben und die anderen Mannschaften um die goldene Ananas spielen. Vielleicht spricht aus mir auch ein Raptors-Fan, aber ich wünsche mir die Zeiten zurück, in denen (scheinbar) eine Kräftegleichgewicht herrschte. Wahrscheinlich langweilen wir uns in der nächsten Saison bis zur zweiten playoffrunde zu Tode… Die NBA lebt doch eigentlich gerade davon, dass es kein “Bayern-München” Syndrom gibt. Deswegen hofft man doch in jedem Jahr, dass sein Team gut draftet oder sich einen key Free-Agent sichern kann… Dazu gibt es übrigens auch einen sehr interessanten Artikel auf NBA.com

    Beste Grüße aus Bordeaux
    Mattes

  8. Dmitrij Karle sagt:

    Ja, der Trend geht definitiv in diese Richtung. Leider.
    Siehe auch die Big Three der Celtics. Was einmal funktioniert hat, könnte durchaus auch ein zweites Mal klappen.
    Natürlich steigen mit dieser Taktik die Chancen auf die Meisterschaft deutlich.
    Aber ich bin eher gegen das Erzwingen eines Titels mit solchen Mitteln. Jedoch kann ich auch keinem verübeln, wenn man so schnell wie möglich um den Titel spielen will.

  9. Magnus sagt:

    Ich denke nicht, dass es so schnell wieder zu einem Starzusammenschluß dieser Größenordnung kommt, denn dafür müssen auch die entsprechenden Vorraussetzungen vorhanden sein.

  10. Soeren sagt:

    @ Magnus: das sehe ich auch so. Diese Konstellation wird es so schnell nicht noch einmal geben, ein Team um James, Wade und Bosh aufzubauen. Ich freue mich schon auf das 2K11….

  11. Chris sagt:

    @Soeren : 2k11 ?!

    2k miami :D

  12. Ace sagt:

    Das Anspruchsdenken ist in den USA natürlich noch ein anderes als bei uns. Es geht einfach nur um’s Gewinnen und in der NBA gibt es demnach 1 Sieger und 29 Verlierer - “two is not a winner and three nobody remember’s ;-)”. Extremer Leistungsdruck und himmelhohe Erwartungen treiben halt die Stars zusammen, damit sie endlich den Erwartungen gerecht werden können.
    Kann mich Mattes da nur anschließen. Die Ausgeglichenheit der NBA war echt immer der große Reiz… ich kann mich kaum dran erinnern, wann ich mir das letzte mal vor einer Saison so oft dachte “ne, das Team wird ganz sicher nix reißen”. Ich wünsche Miami nichts Schlechtes aber ich hoffe doch auf die ein oder andere Cinderella-Story kommende Saison. So wie OKC in der letzten Spielzeit :-)

  13. Chris sagt:

    Da haben wir’s …

    Ariza wird seine Unterstützung werden …
    Meiner meinung nach ne gute Wahl.
    Ariza ist athletisch relativ konstant und hat keinen schlechten Schuss…

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