Von: Malte Arndt
Es ist jedenfalls unbestritten, dass beide Teams relativ wenig Gründe hatten, etwas an der Kaderzusammenstellung zu ändern. Das betrifft vor allem die Lakers, die mit einer ohnehin relativ jungen Mannschaft zwei Meisterschaften in Folge feiern konnten und, solange Kobe Bryant weiterhin sein Niveau halten kann, auch kaum Anlass für gravierende Veränderungen sehen dürften. Da es aber nicht nur die Phrase “Never change a winning team”, sondern auch “Stillstand bedeutet Rückschritt” gibt, hat man das Team eher punktuell verändert, um den möglichen Threepeat zu erreichen.
Ein Problem, dass in den Playoffs mal wieder offenkundig wurde: Die Bank der Lakers gehört wahrlich nicht zu den besten der Liga. Gerade Jordan Farmar und Shannon Brown taten sich immer wieder schwer, den Spielaufbau zu leiten - und das, obwohl die Triangle Offense eher wenig von den Point Guards abverlangt. Aber mehreren Spielern fehlte schlicht und ergreifend das nötige Spielverständnis, Lamar Odom war mehr unkonstant als alles andere (die Serie gegen Phoenix mal ausgenommen) und Spieler wie Josh Powell oder Sasha Vujacic fragten sich wahrscheinlich selber, was sie teilweise auf dem Parkett machten. Um etwas Ordnung in die zweite Fünf zu kriegen, wurde Steve Blake geholt - für mich eine absolut geniale Verpflichtung. Blake ist ein erfahrener Aufbau mit tödlichem Distanzwurf, immerhin solider Defense und durchaus in der Lage, Platzhirsch Derek Fisher (der dem Werben Miamis widerstand) aus der ersten Fünf zu verdrängen. Überraschen würde es mich jedenfalls nicht. Mit seiner Verpflichtung war dann auch der Abgang von Farmar besiegelt, der nach Jahren der Stagnation ohnehin vorprogrammiert schien.
Ebenso dürfte Adam Morrison (ich gehe stark davon aus, dass die Lakers ihm nicht eine Verlängerung anbieten werden) und Josh Powell, der fortan in Atlanta die Bank wärmen wird, kaum eine Träne nachgeweint werden. Zumal die Ersatzleute Matt Barnes und Theo Ratliff das Niveau der Bank signifikant steigern werden: Barnes hat zwar eine recht unrühmliche Serie gegen die Celtics vorzuweisen, war aber durch eine Verletzung gehandicapt. Sonst ist er uns allen wohl am ehesten als tough guy in Erinnerung, der knallharte Defense spielt, jedem Ball hinterherhechtet und offensiv mindestens den Dreipunktewurf exzellent beherrscht. Keine schlechte Option, zumal die Lakers am Perimeter doch arge Verteidigungsprobleme kriegen bzw. keinen adäquaten Ersatz haben, wenn Ron Artest mal ausfällt oder ins Foul Trouble kommt. Theo Ratliff wird die Rolle von Josh Powell übernehmen - Handtuch wedeln, in der Garbage Time mal auf dem Parkett auftauchen und als mögliche Versicherung für eine erneute Verletzung Bynums gelten (der übrigens seine Knieoperation gut hinter sich gebracht hat und vielleicht endlich mal verletzungsfrei bleibt).
Alles in allem hat sich der Meister also in der Tiefe verstärkt, während beim Vizemeister die Vertragsverlängerungen von Pierce, Ray Allen oder Nate Robinson im Vordergrund standen. Die erste Meldung des Sommers, die wirklich Schlagzeilen machte, war aber der Rücktritt von Rasheed Wallace, der bis heute nicht endgültig geklärt scheint, da die Celtics wohl jegliche Überzeugungsarbeit leisten, die möglich ist. Wenn mir das jemand nach Ende der Regular Season gesagt hätte, hätte ich ihn übrigens für verrückt gehalten. So oder so hat man aber schon einen Ersatz gefunden - Jermaine O’Neal wurde zu meinem Schrecken unter Vertrag genommen und bildet mit Wallace - sofern dieser wieder zurückkehrt - das wohl bizarrste Big Men-Duo der Liga (ein Glück nur von der Bank aus). Was sich Boston dabei gedacht hat, weiß ich nicht, aber ich habe O’Neals Totalversagen in den Playoffs genauso gut in Erinnerung wie jegliche Unfähigkeit, Verantwortung in einem erschreckend schwachen Heat-Team zu übernehmen, das zweimal in Folge durch abnormale Leistungen Dwyane Wades in die Playoffs geführt wurde. Immerhin ist er in Boston wohl nur Option sechs oder sieben, weshalb er dann hoffentlich nicht allzu sehr enttäuschen kann.
Ähnlich unverständlich wie die Verpflichtung O’Neals finde ich den Abgang Tony Allens. Das hat aber mehr damit zu tun, dass Allen hinterher meinte, in Boston nicht genug geschätzt worden zu sein - bei aller Liebe, die ich ihm nach den ersten beiden Playoffrunden zugestanden habe: Wir reden hier immer noch über “Trick-or-treat-Tony”, wie ihn Bill Simmons taufte - über jenen Tony Allen, der reihenweise Layups auf den Ring setzte und unbeständiger als jeder andere Celtics-Akteur war. Ich bezweifle ohnehin, dass er in Memphis mehr Spielzeit sehen wird, aber was weiß ich denn schon. Immerhin haben die Celtics einmal nicht für einen Rollenspieler überbezahlt, ihn ziehen lassen und mit Daniels die potentiell bessere Variante behalten.
Macht summa summarum eine für die Lakers sehr gelungene Offseason und jetzt dürfen Leute auch gerne behaupten, dass sie eines der tieferen Teams der Liga sind. Die Neuverpflichtungen haben Sinn ergeben und lassen die Chancen Los Angeles’ auf den dritten Ring nacheinander nicht unbedingt kleiner werden. Boston hat das Problem, dass der Großteil des Teams altert, man hat mit O’Neal einen unbeständigen Center geholt und dazu die unerfreuliche Tatsache, dass in Miami ein sehr starker Konkurrent gewachsen ist. Die Maxime, das Team so zu belassen, kann man nach den letzten Playoffs durchaus verstehen, aber ich glaube eher, dass Boston ohne tiefgreifende Änderungen nicht noch einmal in einem Jahr Gegenstand eines solchen Eintrags ist, wenn es darum geht, die Offseason der Finalisten zu beleuchten.
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Diese alte Weisheit lässt sich auf beinahe jeden Sport und so natürlich auch auf den Basketball beziehen. Während in Miami, New York und Chicago neue Stars anheuerten, Phoenix das Team radikal umgebaut hat und auch in Sacramento eine Menge Spieler geholt wurden, haben die beiden Finalisten eher durch Vertragsverlängerungen auf sich aufmerksam gemacht. Ein Fehler?
Steve Blake, da gebe ich dir Recht, eine sehr gute Verpflichtung für die Lakers. Mehr kann man dazu echt nicht sagen. Ein Spieler, der weiß wie man eine Mannschaft als Aufbauspieler anführt!
O’Neal spielt schon sehr lange nicht mehr auf dem Level, wie noch zu Zeiten in Indiana (vor dem Brawl). Er will einen Ring vor dem Ende seiner Karriere. Dies gab er auch offen und ehrlich in einem Interview zu.
Aber ich bezweifle, dass er in Boston seinem Ziel näher kommt. Ich hätte ihn gerne in Oklahoma gesehen. Mit seiner Erfahrung und Größe könnte er den jungen Spielern enorm helfen.
Schade. War/ist einer meiner Lieblingsspieler in der NBA. Wenn doch nur die Sache in Detroit nicht dazwischen gekommen wäre, hätte Indiana sicherlich in dem Jahr Meister werden können…
Lakers für mich zur Zeit wieder Favorit auf den Titel. Miami muss noch zeigen, wie gut sie in der Crunchtime als Mannschaft funktioniert.
Ich würde sagen die Championship wird zwischen den Lakers, Magic und den Heat ausgemacht. Bei allen anderen Teams sehe ich nicht die größten Chancen. Mal abgesehen von Chigaco, dieses Team gefällt mir sehr gut, wobei ich denke, dass die Bulls noch ihre 1 bis 2 Jahre brauchen um ganz oben für Aufruhr zu sorgen.
super eintrag. würde mir solch eine analyse der offseason auch für andere teams wünschen