Von: Malte Arndt
Vor zwei Wochen habe ich nach der Verpflichtung Stoudemires geschrieben: “Es liegt also an GM Donnie Walsh, das Team entsprechend zu formen. Die Verpflichtung Stoudemires ist ein Anfang, aber ein zweifellos riskanter. In eine sicherere Zukunft dürfen die Fans der Knicks jedenfalls kaum blicken.” Was seitdem passiert ist, stimmt mich durchaus positiv und zumindest auf dem Papier kann man sagen, dass Walsh seinen Auftrag erfüllt hat. Die Lücken im Kader wurden sinnvoll gestopft, dabei die Flexibilität in Hinblick auf die kommenden Jahre gewahrt und trotzdem ist dieser Kader jetzt schon ein Versprechen, dass man zum ersten Mal seit dem Frühling 2004 wieder Playoff-Basketball in der berühmtesten Halle der Welt wird sehen können. Weshalb ich so zuversichtlich bin?
Da wäre zum einen der Trade mit den Golden State Warriors, der Publikumsliebling David Lee nach Oakland schickte und mit dem Anthony Randolph, Ronny Turiaf und Kelena Azubuike an den Hudson River gelotst wurden. Zuerst einmal zum Abgang von Lee: Sicherlich schmerzt es ein bisschen, den besten Spieler der letzten zwei Jahre ziehen zu lassen, aber mit der Verpflichtung Stoudemires stand sein Abgang eigentlich fest - Walsh wusste genau, dass er sich nicht zwei defensive Schwachpunkte unterm Korb leisten konnte. Zudem steht immer noch im Raum, wie stark Lee wirklich ist. Das werden wir zwar auch in Golden State nicht wirklich erfahren, da er dort ähnliche Statistiken wie in New York abliefern sollte, aber ich bin immer noch ein Verfechter der These, dass er in etwa auf dem Niveau eines Andre Iguodala anzusiedeln ist - überdurchschnittlicher Rollenspieler, der aber kein echter All Star ist und seine Schwächen besitzt. Oder mit anderen Worten: Die klassische dritte oder vierte Option eines Contenders. Wie dem auch sei, die Abgabe Lees ist für mich jedenfalls logisch und sinnvoll.
Ebenso logisch und sinnvoll ist, was die Knicks im Gegenzug bekamen. Ronny Turiaf dürfte wohl eher als Ergänzungsspieler fungieren, bringt Hustle und Defense mit (was ihn dann doch unter Umständen in die Starting Five spülen könnte), gilt als großartiger Mannschaftskollege und ist somit ein durchaus solider Rollenspieler. Kelena Azubuike bringt ähnliche Qualitäten für den Perimeter mit, ist darüber hinaus aber auch offensiv begabt und kann sich in meinen Augen relativ schnell zum Steal entwickeln - gerade, da die Knicks bislang auf der Zwei und Drei durchaus defensiv anfällig waren. Und wer sich noch an das System D’Antonis aus Phoenix erinnern kann, weiß, dass die Perimeterverteidigung ein nicht ganz unwichtiges Mittel war (und bevor ich hier geköpft werde: Ja, die Suns waren damals defensiv schlecht, aber ein extrem starkes Dreierteam und haben diesen Vorteil durch eine exzellente Verteidigung desselbigen noch ausgebaut. Meiner Meinung nach einer der ganz großen Faktoren, weshalb Phoenix damals diesen Erfolg hatte). Wie dem auch sei, ein Spielertyp wie Azubuike hat den Knicks gefehlt und ich hielt ihn schon bei den Warriors für unterschätzt, wenn auch verletzungsanfällig.
Der wahre Coup ist für mich aber die Verpflichtung Anthony Randolphs. Wieso Don Nelson ihn kaum hat spielen lassen, ist mir immer noch ein Rätsel - vermutlich, weil er sich zu sehr um die Defense gekümmert hätte. Randolph ist über-athletisch, ein exzellenter Shotblocker und Rebounder und lässt sich auch sonst defensiv nicht allzu schnell abkochen. Offensiv habe ich ihn eher als jemanden in Erinnerung, der Punkte vor allem durch Putbacks und Fastbreaks macht, aber jemand, der ihn da intensiver verfolgt hat, mag mich gerne eines besseren belehren. Was ich weiß, ist, dass Randolph massig Talent und Potential hat und in einem Run’n'Gun, wie es die Knicks spielen, aufblühen kann. Auch wenn die Lineup wohl erst im Training Camp und der Preseason manifestiert wird - ich hoffe inständig, dass mit Stoudemire und Randolph Smallball gespielt wird. Es wäre zu schön…
Um kurz die Aktivitäten auf den großen Positionen abzuschließen: Timofey Mozgov wurde ebenfalls für einen flexiblen Vertrag (9 Millionen für 3 Jahre, aber nur erstes Jahr ist garantiert) geholt und gilt in der Fachwelt als großes Talent. Ich freilich habe ihn noch nie spielen sehen und mag ihn deshalb nicht beurteilen, sondern zitiere Draftexpress.com: “Er scheint sich jedes Jahr zu verbessern und ist mit Sicherheit kein ‘fertiger’ Spieler. Mit seinen herausragenden physischen Eigenschaften und vor allem mit der Art und Weise, wie er das Parkett rauf- und runter rennt, könnte er vielleicht besser zum Up-and-Down-Style der NBA als zum europäischen Stil passen.” Und das, obwohl er bei der letzten EM 11 Punkte, 4,6 Rebounds und 1,3 Blocks im Schnitt auflegte. Ja, es scheint schlechtere Ideen zu geben, als Mozgov zu verpflichten…

Auf Raymond Felton ruhen im kommenden Jahr viele Hoffnungen leidgeprüfter Knicks-Fans
Die wirklich große Lücke, die nach dem Trade immer noch im Kader klaffte, war der Aufbau, da Toney Douglas wohl noch nicht so weit ist, ein NBA-Team dauerhaft zu dirigieren; zumal er als Combo-Guard von der Bank flexibler einsetzbar ist. Mit Raymond Felton haben die Knicks einen Aufbau verpflichtet, der für mich die bestmögliche Wahl war: Schnell, herausragend im Pick and Roll (womit allerspätestens jetzt die Zweifel meinerseits bezüglich Stoudemire und den Knicks weg sind), dazu auch fähig, den Distanzwurf zu versenken und defensiv keine reine Slalomstange. Aber besonders die ersten beiden Attribute, die ich genannt habe, sind im System der Knicks essentiell und lassen mich jetzt schon darauf schließen, dass Felton einer der Kandidaten für eine echte Breakout-Saison ist. Und selbst wenn es (was ich mir kaum vorstellen kann) nicht klappen sollte: Walsh gab ihm lediglich einen Zweijahresvertrag über 16 Millionen Dollar, womit die Verpflichtung kein allzu großes Risiko darstellt.
Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass Walsh die Fehler seiner Vorgänger nicht wiederholt und keine langfristigen (mit Ausnahme von Stoudemire), überzogenen Verträge abschließt, die den Salary Cap killen. Der Frontcourt wurde komplett saniert, gefällt jetzt aber durchaus mit Tiefe und vor allem wurde (sofern Draftexpress Recht hat, was aber meistens der Fall ist) darauf geachtet, dass alle Big Men zum Run’n'Gun passen. Der Aufbau wurde, wie erwähnt, deutlich verbessert und auch die Flügel sind einigermaßen tief und variabel (vom Shooter Gallinari bis zum Slasher Azubuike) besetzt. Dass das Talentlevel insgesamt nicht reichen wird, um die höchsten Regionen der Conference anzupeilen, werde ich niemandem erzählen müssen. Allerdings sieht es so aus, als sei das Team durchdacht zusammengestellt, als wüssten Walsh und D’Antoni genau um die Qualitäten, die sie im Kader sehen wollen und somit kann man - Stand heute - konstatieren, dass New York noch nicht zur Belletage des Ostens gehört, ich ihnen aber schon beinahe sicher einen Platz in den Playoffs geben würde. Womit dann die Offseason 2010 doch nicht als die Enttäuschung in die Knicks-Chroniken eingehen wird, die viele zunächst befürchtet haben.
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Schlagworte: Amare Stoudemire, Andre Iguodala, Anthony Randolph, Danilo Gallinari, David Lee, Don Nelson, Donnie Walsh, Golden State Warriors, Kelena Azbuike, LeBron James, Mike D'Antoni, Phoenix Suns, Raymond Felton, Ronny Turiaf, Timofey Mozgov, Toney Douglas




Gut, mit dem ganz großen Traum hat es leider nicht geklappt: Weder wird LeBron James künftig das Jersey der Knicks überstreifen, noch andere Superstars, die im Big Apple hoch gehandelt wurden. Dennoch kann man Donnie Walsh zu einer geschickten Personalpolitik gratulieren, die Vorfreude weckt auf die kommende Saison - was wahrlich eine Seltenheit in New York ist.
Zu den oben genannten kommt mMn noch Landry Fields dazu. Eine Entdeckung der Summer League mit 26 MPG - 15,6 PPG - 4,8 RPG - 1,6 SPG. Ein junger Forward der stark wirft und sehr Mannschaftsdienlich spielt.
Könnte der Draft-Steal 2010 werden… wenn er genug Minuten bekommt!
Und wer weis, vielleicht spielt sich Bill Walker wieder in Form! Wäre ja sehr talentiert der Junge (nur leider schon zu oft verletzt mit knapp 23 Jahren)!
KNICKS@PLAYOFFS.ny!!!!
Auf Mozgov bin ich auch schon sehr gespannt. Ich hoffe er kann ähnlich in der NBA Fuß fassen, wie Andrei Kirilenko. In Russland tummeln sich eine Menge hoffnungsvoller Spieler herum. Leider schaffen es nur sehr wenige in die NBA.
Der Warriors Trade ist natuerlich wirklich gut und bringt Tiefe, aber ob Raymond Felton jetzt eine Lösung für die 1 ist. Es gibt sicherlich schlechtere, aber das Niveau auf der 1 steigt in den letzten Jahren so stark an, dass ich Felton als eher einen der schlechteren, maximal guten Mitläufer bezeichnen würde.
Und auch wenn Big Man gekommen sind, ein legitimer Starter Center fehlt dem Team definitiv. Es ist zu befürchten viel Small Ball, viel Geballer, wenig Defense, wenig Erfolg.
Man kann ja nicht erwarten, dass New York da plötzlich einen vom Schlage eines Paul, Williams (Deron
), Rondo oder Nash aus dem Hut zaubert. Und ich finde, mit Felton hat man jemanden bekommen, der insgesamt sicher seine Schwächen und Grenzen hat, aber mit seinen Stärken (wie beschrieben) gut zu den Knicks passt. Und ein Upgrade zu Chris Duhon ist er allemal, zu Toney Douglas auch.
Und zu den Bigs: Mit Turiaf (obwohl etwas klein) und Mozgov hat man zwei, die problemlos Center spielen können. Dass die Combo Stoudemire/Randolph vielleicht eher zum Spielstil passen würde, steht auf einem anderen Blatt. Insgesamt ist es wirklich so, dass die Bäume für die Knicks nicht in den Himmel wachsen, aber eine positive Bilanz sollte mit dem Team drin sein. Zumal Smallball und Run’n'Gun zumindest in der Regular Season meistens sehr gut funktioniert…
super artikel, malte. ich sehe die personalpolitik von walsh (und d’antoni) auch als sehr sinnvoll und überlegt an. mit felton hat man den besten pg der free agency bekommen. er wird super ins system passen und wie du schon sagst, eine breakout-season haben. bei der verplfichtung von amaré war ich auch erst skeptisch, aber der kader der knicks gefällt mir nun doch sehr gut.
dieser kann zum sehr wichtigen mittel für einen trade werden. vielleicht werden sogar chandler und der überbezahlte fette fettsack zusammen für einen topspieler getradet.
ein lichtblick für ny war auch die summerleague (jaa ok, es ist nur die summerleague;)), wo nicht nur douglas sondern auch landry fields und marcus landry durchaus überzeugt haben, zumal bill walker ja auch noch ein talent ist.
mit hinblick auf die kommende saison müsste man vielleicht noch eddy curry als lichtblick erwähnen, womit ich natürlich seinen vertrag meine
wo ich gerade bei topspieler bin: chris paul hat letztens noch von einer “big three” in new york gesprochen: er, stoudemire & carmelo! wie hammer wäre das denn? ist zwar bisher noch ein gerücht aber ich halte es für durchaus möglich (muss man wohl auch, wenn man gesehen hat was bei den heat abgeht). steuern denver und new orleans weiter auf durchwachsene seasons zu, werden carmelo und cp3 sich sicherlich nach neuen teams umschauen, wo lebron und bosh es doch vorgemacht haben. big three vs big three in der eastern conference, ein traum!
naaaja, walsh hat erstmal einen vielversprechenden und talentierten kader zusammengestellt, der aber wie gemacht dafür ist, um mit mind. einem weitern topspieler bald ganz oben anzugreifen.
Haha, träumen darf wohl erlaubt sein, Dominik
Zumindest sind die Knicks flexibel genug, um auch im kommenden Sommer Free Agents der besseren Güteklasse zu holen. Und selbst wenn es nicht die Big Three werden - mit einem echten Star wie Anthony oder Paul hat man da unter Umständen schon einen Contender zusammen. Wobei Anthony wohl besser passen würde. Jedenfalls fehlt den Knicks mit dem Grundgerüst nicht allzu viel, denke ich.
GENIAL
http://deadspin.com/5585009/timofey-mozgov-is-cocksucker?skyline=true&s=i
guter artikel. klar, die knicks haben jetzt ein halbwegs gutes team zusammen, trotzdem muss man das auch immer noch vor dem hintergrund sehen, dass da eigentlich auf viel viel viel mehr gehofft wurde und man quasi über 2 jahre alles getan hat um james oder wade zu bekommen. von daher : schon enttäuschend aber eben auch nicht zu ändern und am Ende noch das Beste draus gemacht!