The Green Monster

Von: Dmitrij Karle

Shaquille O'NealNach nur einer Saison in Cleveland zieht es Shaquille O’Neal (Foto) wieder zurück an den Ozean. Nein, nicht nach Los Angeles oder Miami. Dieses Mal entschied sich der “Diesel” für die Boston Celtics. Vergangenen Mittwoch unterschrieb Shaq einen Zweijahresvertrag in Höhe von knapp drei Millionen US-Dollar. Boston ist sein viertes Team in den letzten drei Jahren. Ein Kommentar. (mehr…)

Und mit seinen 38 Jahren wird Shaquille O’Neal der älteste Spieler in Reihen der Celtics sein. Sein Namensvetter, Jermaine O’Neal, ist zwar nur “blutjunge” 31 Jahre alt. Doch körperlich ist “JO” sicherlich auf dem Niveau von Shaq einzuordnen. Ray Allen und Rasheed Wallace, beide 35 Jahre alt, Kevin Garnett (34) und Paul Pierce (32) - eine Rentnerbank, die sich durchaus sehen lassen kann.

Zusammen können sie über 70 Jahre NBA-Erfahrung vorweisen, fast 6.000 Spiele (sowohl reguläre Saison als auch Playoffs) und über 30 All-NBA-Team Auszeichnungen. Wenn es nur um die Ehrungen ginge, so würde die nächste Titelparade in den Straßen von Boston stattfinden. Ein wandelndes NBA-Museum.

Boston erhält einen 2,16 Meter großen und mindestens 150 Kilogramm schweren Centerkoloss, der sich immer noch über genug Aufmerksamkeit des Gegners unter dem Korb freuen darf. Solange “Lepreshaq” dort auch angepasst wird. Und wehe wenn nicht.

Im letzten Jahrzehnt dominierte O’Neal phasenweise das Spiel auf der größten Basketballbühne der Welt. Dass sich das Spiel derweil weiterentwickelt hat und viele athletische und agile Big-Men a la Dirk Nowitzki oder Pau Gasol, die in der Lage waren, nicht nur ihren Jumper sicher zu verwandeln, sondern auch ihren Gegner aus dem Dribbling heraus zu schlagen, in die Liga kamen, all diese Tatsachen kümmerten O’Neal recht wenig. Um es auf gut deutsch zusagen: Es ging ihm am Allerwertesten vorbei.

Shaq gastierte weiterhin in der Zone des Gegners und stopfte ohne Rücksicht auf Verluste. Wie viele Spieler sich nach seinen Aktionen seitdem beim Psychologen anmelden mussten ist nicht bekannt. Fakt ist: O’Neal hat einige auf seinem Gewissen. Im Laufe seiner 18 Jahre in der NBA veränderte er kaum etwas an seinem Spiel. Warum auch? Und in seinen hoffentlich letzten beiden ist es schon etwas zu spät.

Shaquille O'Neal

O'Neal unterschreibt für zwei Jahre in Boston

Trotzdem muss man an dieser Stelle erwähnen, dass O’Neal stets weiß, wie er zu seinen Punkten kommt. Letztes Jahr erzielte er für Cleveland in nur 23 Minuten Spielzeit pro Partie im Schnitt solide 12,0 Punkte und schnappte sich außerdem noch 6,7 Rebounds. In der letzten Saison war Boston das zweitschlechteste Team, wenn es um die Reboundstatistik ging (die Warriors belegten den letzten Platz). Da ist auch ein Ray Allen zuversichtlich, dass O’Neal mit seiner Präsenz in dieser Hinsicht den Celtics unter die Arme greifen kann.

Dass O’Neal gegen Ende des Spiels mit Hack-a-Shaq auch in Boston rechnen muss, ist, denke ich, für niemanden mehr etwas Neues. Der “Shaqtus” wird wohl als einer der miserabelsten Freiwürfschützen in die NBA-Annalen eingehen. Aber auch diese Tatsache wird ihm “schnurzpiepegal” sein.

In der Verteidigung sieht es freilich nicht mehr allzu rosig aus für den LSU-Absolventen. Solange O’Neal sich in der Zone befindet, weist er kaum Defizite auf. Muss er hingegen das Pick-and-Roll verteidigen und sich aus seinem Biotop hinauswagen, fangen die Probleme erst richtig an. Die Verteidigung war die Stärke der Celtics in den vergangenen Jahren. Es ist nun die Aufgabe von Lawrence Frank, der die Rolle von Tom Thibodeau übernommen hat, O’Neal in das Konzept einzubinden.

Die Celtics gehen mit O’Neal sicherlich ein Risiko ein. Man baut darauf auf, dass der Rest des Kaders seine Schwächen kaschieren kann. Viel wurde im Vorfeld über sein neues Team spekuliert. Am Ende lag es eventuell auch an O’Neals hohen Gehaltsvorstellungen, dass sich die Entscheidung so in die Länge gezogen hat.

In Cleveland war er noch das letzte Puzzlestück zum Titel für LeBron James. In Boston gilt Shaq nur als eine Art Versicherung, da Starter Kendrick Perkins aufgrund einer Knieverletzung erst Mitte Februar auf dem Feld erwartet wird und Jermaine O’Neal auch nicht mehr auf dem Niveau agieren kann, wie noch zu seinen Pacers-Zeiten. Rasheed Wallace steht zwar aktuell noch im Kader der Celtics. Es ist allerdings ungewiss, ob der Power-Forward in der kommenden Saison für Boston auflaufen wird, da er kürzlich in Erwägung gezogen hat, seine Karriere beenden zu wollen.

Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass O’Neal im Anschluss an die Saison in Cleveland sein NBA-Abenteuer nach 18 Jahren beendet. Aber es ist wahrscheinlich leichter gesagt als getan. Aus sportlicher Sicht kann man die Spieler durchaus verstehen, die sich vom Sport, den sie lieben und der sie zu Weltstars gemacht hat, nicht so leicht trennen wollen. Aber irgendwann mal sollte auch Schluss sein. Vor allem für Shaq, der sich sicherlich über fehlende Erfolge nicht beklagen kann.

(Photos by Keith Allison, uzi978 | License: Attribution Share Alike 2.0 Generic | Collage by Dmitrij Karle)

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare zu „The Green Monster“

  1. Michael sagt:

    Finde den Kommentar gut. Insbesondere die Passagen, was von Shaq noch zu erwarten ist und was nicht. Allerdings finde ich als alter Shaq-Fan nicht, dass er aufhören sollte. Warum auch?! Klar haften jene Erinnerungen des Shaqs der nicht aufhören will nun mehr, allerdings ist der Zug meiner Meinung nach ohnehin abgefahren. Zudem finde ich das Center ihr Privileg, lange spielen zu können, schon ausnutzen können. Meine Meinung: Shaq ist schon lange kein starting Center mehr, aber ein Back-up-Center allemal. Die Lakers haben auch Theo Ratliff geholt. Der ist immerhin auch 37. Zwar ist er mit sicherheit etwas fitter als Shaq aber dennoch alt. Will sagen, dass Shaq wissen muss wann genug für ihn ist. Die Meinung der Fans sollte für ihn da nebensächlich sein, oder haben Jordans Wizards-Zeiten etwas daran geändert, dass er der beste aller Zeiten ist und auch als solcher angesehen wird?! Shaq wird zumindest mir auch immer als Beast im Magic- und insbesondere im Lakers-Jersey in Erinnerung bleiben. Jeder wird im Alter schlechter, dass ändert jedoch nichts an der Qualität am Zenit der jeweiligen Karriere.

  2. Dmitrij Karle sagt:

    Du hast sicherlich Recht.
    Nur, Jordan sprang nicht gegen “Ende” seiner Karriere von Team zu Team. Und auch bei den Wizards spielte er zwei Jahre und legte auch ordentliche Stats an den Tag (im Schnitt 21 Punkte, 6 Rebounds und 4 Vorlagen während der 2 Jahre).
    Natürlich hat Shaq dem Spiel seinen persönlichen Stempel aufdrücken können. Aber er wird nicht als der beste Center in die Analen eingehen. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass er spätestens nach der Saison in Cleveland aufhört. Aber dass es ihn wenig kratzt, ist eine andere Geschichte.

  3. Daniel sagt:

    Ich finds gut das Shaq noch weiter spielt! Er ist einmalig in der Liga und es macht immer spass im zuzusehen! Ein riesen fan bin ich zwar nicht , jedoch denke ich das O neal grossartiges geleistet hat, und bitte solange weiterspielen möge wie er kann!

  4. Dmitrij Karle sagt:

    Zu Boston:

    Die Celtics haben nun offiziell Rasheed Wallace entlassen. Nach 15 Jahren beendet der Forward seine mehr oder weniger erfolgreiche NBA Karriere.

    Erfolge:

    1x Meister (2004 Detroit)
    4x All-Star (2000,2001,2006,2008)
    NBA All Rookie Second Team (1996)

Kommentieren