Von: Dmitrij Karle
William Henry Walker (Foto) kam in West Virginia, im Osten der USA, in einem kleinen Städtchen namens Huntington mit knapp 50.000 Einwohnern zur Welt. Seine Schulzeit verbrachte der nun 22-Jährige an der Seite von Grizzlies-Guard O.J. Mayo an der North College Hill High School, wo er sehr erfolgreich war und mit vielen Ehrungen überhäuft wurde.
Walker half seiner Mannschaft zu zwei Ohio Division III Titeln in Folge und wurde im Jahr 2006 zum „Most Valuable Player“ seiner Liga gekrönt. „USA Today“ platzierte ihn auf dem dritten Rang ihrer „Super 25 High-School Rankings“, nachdem Walker während der erfolgreichen Saison 2006 im Schnitt 21,7 Punkte und 10,1 Rebounds verbuchen konnte - als Shooting-Guard/Small Forward.
Ein Jahr zuvor spielte er an der Seite von Greg Oden, Center-Talent der Trail Blazers, im USA Youth Development Festival in San Diego. Das Team von Walker und Oden gewann alle fünf Partien. Als dreimaliger MVP wurde Walker zum Reebok ABCD Camp eingeladen (LeBron James und Kobe Bryant lassen grüßen).
In der Folge lag es nur nahe, dass Walker genug Aufsehen mit seinem Können erregt hatte und zahlreiche Top-Colleges an dem jungen Talent interessiert waren. Tatsächlich erhielt Walker Zusagen von Universitäten wie Connecticut (Ray Allen, Richard Hamilton), Illinois (Deron Williams) oder auch Syracuse (Carmelo Anthony).
Nach langem Überlegen entschied sich Walker für die Kansas State Universität. In Kansas angekommen konnte Walker dem Spiel sofort seinen Stempel aufdrücken und überzeugte die Coaches auf ganzer Ebene. Doch nach nur sechs absolvierten Partien (11,3 Punkte, 4,5 Rebounds) zog sich Walker einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und musste die Saison vorzeitig abbrechen.
Im Jahr 2003 musste Walker aufgrund einer ähnlichen Verletzung am rechten Knie bereits die Basketballschuhe für längere Zeit zur Seite stellen.
Während seiner zweiten Saison in Kansas kam Walker stärker zurück als alle vermutet hatten. Er beendete die Spielzeit als zweitbester Kansas-Scorer mit 16,1 Punkten pro Partie und erzielte an der Seite von Michael Beasley (Foto, Miami Heat) in einer Partie 31 Punkte, so viel wie noch nie zuvor in seiner College Karriere. Beasley und Walker waren damals für 75 der 86 Punkte ihrer Mannschaft verantwortlich. Anfang April 2008 entschieden sich beide, am NBA-Draft teilzunehmen.
Aufgrund seiner Knieverletzungen waren Walkers Chancen auf einen hohen Pick ohnehin schon gering, als es erneut passierte: Walker verletzte sich während eines Tryouts bei den Golden State Warriors abermals am Knie. Die erste Runde im Draft konnte er folgerichtig abschreiben. Und es war auch nicht sicher, ob man Walker überhaupt draften würde. Er blieb hartnäckig und traf trotz der Verletzung die Entscheidung, weiterhin für den Draft verfügbar zu sein.
Es sollte sich ausgezahlen. Am Tag des NBA-Drafts 2008 zogen ihn die Washington Wizards in der zweiten Runde an 47. Stelle. Walker wurde umgehend nach Boston verfrachtet, wo er drei Tage zuvor zum Vorspielen war.
In Boston angekommen musste sich Walker ganz hinten anstellen. Spielanteile gab es wenig in seiner Rookie-Saison. Nur 29 Begegnungen absolvierte der athletische Guard/Forward für seinen neuen Arbeitgeber. Im Schnitt stand Walker etwas mehr als sieben Minuten auf dem Parkett und erzielte durchschnittlich drei Punkte bei einer Quote von über 60,4 Prozent aus dem Feld.
Wiederholt wurde der 1,98 Meter große Walker in die Entwicklungsliga (D-League) geschickt, wo er sehr solide Leistungen abliefern konnte. Jedoch reichte es nicht, um bei den Celtics mehr Minuten zu bekommen.
Vielleicht war der Trade zu den New York Knicks wie eine Erlösung, als die Celtics Walker, J.R. Giddens und Eddie House für den dreimaligen Dunk-Champion Nate Robinson abgaben. Dass Walker Potential besitzt, steht außer Frage. Anscheinend hat Knicks-General-Manager Donnie Walsh ein feines Nässchen für Talente.
Am 1. März gegen Cleveland stand Walker satte 35 Minuten auf dem Parkett. Ungewohnt für ihn. Aber damit konnte sich der Sophomore schnell abfinden. Zwar verloren die Knicks gegen die Übermacht aus Cleveland, doch ein Mann sorgte für Schlagzeilen. Walker erzielte von der Bank kommen 21 Zähler und schnappte sich fünf Abpraller. Gut, dachten sich einige, kann passieren, dass ein „Nobody“ eine nettes Spielchen absolviert. Doch zwei Tage später, beim Sieg gegen die Detroit Pistons, war es wieder Walker, nun schon als Starter, der für Aufmerksamkeit sorgen konnte. Er verwandelte neun Würfe bei 13 Versuchen aus dem Feld und beendete die Partie mit 22 Punkten (persönliche Karriere-Bestleistung). Aufgrund seiner Athletik vergleichen ihn viele mit Vince Carter (Foto). Man schaue sich nur einige Highlights aus dem Spiel gegen Detroit an.
“Es passiert bei mir ganz natürlich“, kommentierte „Sky“ Walker im Anschluss seine krachenden Dunks. „Ich mache das schon mein Leben lang.”
Es ergab sich nur nicht oft genug die Möglichkeit dazu.
“Ich wusste immer, dass ich auf diesem Level spielen kann“, so Walker weiter. „Es hat nur eine Zeit lang gedauert, bis ich die Chance dazu erhalten habe.“
Wie es aussieht, haben die Knicks einen Coup gelandet. Und Walker ist erst 22 Jahre jung und zeigt schon jetzt, warum er immer wieder mit „Vincanity“ höchstpersönlich verglichen wird.
Manchmal dauert es einfach etwas länger, um in der NBA voll durchzustarten.
(Photo by jasonpearce | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Schlagworte: Bill Walker, Boston Celtics, Carmelo Anthony, Cleveland Cavaliers, Deron Williams, Detroit Pistons, Eddie House, Golden State Warriors, Greg Oden, J.R. Smith, Kobe Bryant, LeBron James, Miami Heat, Michael Beasley, Mike D'Antoni, Nate Robinson, New York Knicks, O.J. Mayo, Ray Allen, Richard Hamilton, Vince Carter, Washington Wizards




Die neue Nummer 4 im Trikot der New York Knicks sorgte in den vergangenen Partien für mächtig
geiler artikel!
die seite gefällt mir mit jedem tag besser.
immer weiter so….
schöner artikel… gut auch mal so was über eher unbekannte spieler zu lesen.
mag man manchmal kaum glauben, dass solche “3.0ppg-spieler” auch so interessante geschichten zu bieten haben
Ja, wirklich ganz nett zu sehen. Wobei ich insgesamt mit einer Beurteilung Walkers nicht ganz so optimistisch bin, da er mir in den drei Spielen, die ich von New York seit dem Trade gesehen habe, zwar durchaus positiv aufgefallen ist, aber das vor allem am Ende von Fastbreaks, wenn er einen Dunk ausgepackt hat. Er ist auf jeden Fall super athletisch und angelt sich dadurch auch ein paar Rebounds, aber für meinen Geschmack ist er insgesamt ein Situationsspieler (lies: Nur im Run and Gun zu gebrauchen) mit recht wenig Upside. Sein Spiel im Halfcourt wird sich zwar noch verbessern, aber ich denke, dass er insgesamt im besten Falle ein brauchbarer Rollenspieler wird.
Walker ist einer der Spieler, die unter Mike D’Antoni “aufblühen”.
Das Run’n'Gun Game ist genau auf seine athletischen Fähigkeiten zugeschnitten.
Mein einziges Problem ist nur, dass ich nun immer weniger daran glaube, dass jemand wie Lebron James, Dwyane Wade oder Joe Johnson unter Vetrag genommen werden kann.
Die Knicks haben nun Tracy McGrady, Bill Walker, Danilo Gallinari und Wilson Chandler als Flügelspieler. Das sind meines Erachtens nach ein paar zu viele.
Also an der Anzahl der Flügelspieler wird der potentielle “LeBron - Wade etc. Deal” nicht scheitern. Sowohl TMac als auch Walker werden in diesem Sommer Free Agents. Knicks haben noch eine Team-Option für Walker parat. Und diese werden sie auch nuzen. Für gut 800 Tausend für die kommende Saison ist Walker ein solider Spieler, den man in seinem Team gebrauchen kann wie man sieht.
Und nur dank TMacs Vertrag können die Knicks sich zwei Max-Spieler leisten.
Die andere Frage ist natürlich berechtigt: ob die Top-Spieler nach NY gehen wollen oder nicht?
Aber das wurde hier schon zu genüge diskutiert!