Das Ende eines Fluchs: Dallas gewinnt hitzige Nervenschlacht

Von: David Lorenz

Dirk NowitzkiDie schwarze Serie von sieben Niederlagen in Folge gegen die Denver Nuggets ist gebrochen, die Ehre der Dallas Mavericks wieder hergestellt. Durch einen an Spannung kaum zu überbietenden 119:117-Sieg verkürzt die Truppe aus Texas den Rückstand in den Conference-Semi-Finals auf 1:3 Siege. Dirk Nowitzki (Foto) zeigte dabei sein stärkstes Spiel während den laufenden Playoffs. (mehr…)


 

Rick Carlisle, Headcoach der Mavs, gebührt daneben großer Respekt. Er schaffte es während der laufenden Spielzeit ein ums andere Mal, seine am Boden liegende Mannschaft wieder aufzurichten. So auch vergangene Nacht.

Nach der enttäuschenden Niederlage im dritten Aufeinandertreffen zwischen Dallas und Denver fand Carlisle einen Weg, das Team abermals zu motivieren und ihm neues Selbstvertrauen einzuimpfen. In der Vereinsgeschichte gingen die Mavericks niemals zuvor ohne Sieg aus einer Playoff-Serie - und daran wird sich dank der überwältigenden Moral der Truppe vorerst auch nichts ändern.

„Es war ein unglaubliches Spiel“, so Nowitzki nach der Begegnung. „Wir haben uns nie aufgegeben. Genauso müssen wir in die kommende Partie gehen.“

Angeführt vom überragenden Deutschen stellte Dallas den Sieg mit einem ganz abgeklärten Schlussspurt sicher. Nachdem Dallas während der kompletten zweiten Halbzeit einem Rückstand hinterherlaufen musste, gelang dem achtfachen All-Star 2:44 Minuten vor Schluss per Jump-Shot der Ausgleich zum 110:110. In der Folge war es Nowitzki, der zunächst von der Freiwurflinie abermals ausgleichen konnte. Eine Minute vor Abpfiff besorgte der Würzbuger dann mit einem Wurf ins Gesicht von Kenyon Martin die 114:112-Führung seiner Mannschaft, nur um sie kurz darauf abermals mit zwei verwandelten Freiwürfen auf 118:114 auszubauen. Nowitzki beendete die Partie mit 44 Punkten, 19 davon im finalen Viertel, und 13 Rebounds. Jegliche Spekulationen über private Probleme, die sein Spiel beeinflussen würden, oder die Vorwürfe, er hätte mit Abschlussschwächen während der entscheidenden Phase einer Begegnung zu kämpfen, verbannte Nowitzki ins Reich der Fabeln.

„Es gibt in dieser Liga vielleicht eine Handvoll Spieler, die einen ähnlich starken Willen wie Dirk besitzen“, so Carlisle nach der Begegnung über seinen besten Mann.

Doch die Partie war währenddessen noch nicht entschieden. Carmelo Anthony, der mit 41 Punkten (neben 11 Rebounds und fünf Steals) eine neue persönliche Playoff-Bestmarke aufzustellen vermochte, versenkte drei Sekunden vor Ertönen der Schlusssirene einen Dreier zum 117:118. Böse Erinnerungen an den Spielausgang der vorherigen Partie wurden wach. Im Gegenzug foulten die Nuggets den ballführenden Jason Terry, der den ersten seiner beiden Freiwürfe sicher versenkte. Den zweiten Versuch vergab der „Sixth Man of the Year“, doch ohne Auszeit konnte Anthony, der sich den Rebound schnappte, weit aus der eigenen Hälfte nicht mehr verwandeln.

„Wir kontrollieren diese Serie immer noch“, so Anthony anschließend trotzig. „Wir werden im nächsten Spiel auf alles vorbereitet sein.“

Der vergebene Wurf des 24-Jähirgen markierte den Schlusspunkt einer teils hitzigen, teils hart geführten Partie. Die Schiedsrichter vergaben sieben technische und zwei unsportliche Fouls. Mehrere Male sahen sie sich Szenen der Begegnung in der Wiederholung an, um eine Entscheidung treffen zu können.

Daneben musste die Mutter von Kenyon Martin, die nach der letzten Partie heftig mit Mark Cuban aneinander geraten war (Cuban angeblich über Martin: „Dein Sohn ist ein Gangster, ein Punk“) sowie die Freundin von Anthony unter Polizeischutz das Spielgeschehen verfolgen. Ganz im Gegensatz zu Spiel Nummer drei der Serie waren die Zuschauer vergangene Nacht kaum zu bändigen und unterstützten ihre Mannschaft durchgehend frenetisch und lautstark.

Chauncey Billups„Ich habe nichts dagegen, wenn die gegnerischen Fans ihre Mannschaft anfeuern“, so Denvers Chauncey Billups (Foto) nach der Begegnung. „Aber wenn sie persönlich und beleidigend werden, geht das eindeutig zu weit. Sie betrinken sich bereits vor der Partie und lassen sich während dem Spiel weiter vollaufen. Die Atmosphäre lief heute etwas aus dem Ruder.“

Neben Nowitzki punkteten fünf Mavericks im zweistelligen Bereich, darunter der rechtzeitig genesene Josh Howard mit 21 Zählern (11 Rebounds), Jason Kidd mit 13 (sechs Vorlagen, zehn Rebounds), Terry mit 12, Brandon Bass mit 11 und J.J. Barea mit 10 Punkten. Auf Seiten der Nuggets, die Chris Andersen aufgrund von Magenproblemen ersetzen mussten, zeigten außer Anthony Spielmacher Billups mit 24 und J.R. Smith mit 19 Zählern eine ansprechende Partie.

Begegnung Nummer fünf des Zweitrunden-Duells findet in der Nacht auf Donnerstag im Pepsi Center zu Denver statt, wenn die Mavericks durch einen weiteren Sieg versuchen können, als erste Mannschaft in der Geschichte der NBA-Playoffs einen 0:3 Rückstand während einer „Best-of-Seven“-Serie noch zu drehen.

Zusammenfassung der Partie (Full-Screen per Doppelklick ins Bild):

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4 Kommentare zu „Das Ende eines Fluchs: Dallas gewinnt hitzige Nervenschlacht“

  1. Mr. Ecko sagt:

    LOL, der Billups soll mal nach Europa kommen und sich ein Fußball-Spiel anschauen.

    Ist doch super, wenn die spießigen Amis mal auftauen und bisschen Atmosphäre aufkommt.

  2. turkleton sagt:

    Da hatte Billups anscheinend die Hose gestrichen voll. Der sollte sich mal ein Bundesligaspiel angucken, dann wüsste er, was wirklich Stimmung ist. Ich konnte es natürlich nicht lassen und hab mir auch das Spiel angeguckt. Absolut überragende Vorstellung von Dirk. Die Leute, die ständig monieren, Dirk sei nicht clutch genug, hat er wieder einmal lügen gestraft. In den entscheidenden Situationen war er es, der die Mavs am Leben hielt. Rick Carlisle hat es ja richtig gesagt, Dirk hat seinen starken Willen gezeigt. Natürlich ändert es nichts daran, dass dieser 1-3 Rückstand drückend auf den Mavs liegt. Aber ich habe die Hoffnung, dass sie den Leuten in Denver noch mal zeigen, wie die wahren Mavs spielen und dort zum Abschluss einen Auswärtssieg noch mitnehmen könnten. Dass sie die Qualität besitzen, dürfte heute Nacht geklärt worden sein.
    Also: GO MAVS!

  3. David sagt:

    So fokussiert wie heute Nacht hab ich den Dirk glaube ich noch nie gesehen. Seine üblichen emotionalen Gesten blieben fast völlig aus, er war einfach nur konzentriert.

    Mir hat heute eine Freundin erzählt, er würde sich während der schweren privaten Phase völlig in seinen Job, dem Basketball, vertiefen und darin eine Art Zuflucht finden. Keine Ahnung ob ich mir das nur einbilde, aber vergangene Nacht hat er auf mich einen anderen Eindruck gemacht als sonst. Abgezockter, emotionsloser im Sinne von eiskalt, schlicht: fokussierter.

  4. Matze Ulmer sagt:

    Ich sag nur:::::

    Hey Jungs wehr nicht werfen kann spielt Fußball

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