Von: Malte Arndt
Abgesehen von den überragenden Einschaltquoten für ABC kann man sich auf jeden Fall auf eine enge Serie freuen. Beide Teams haben im Laufe der Playoffs deutlich gemacht, dass sie zurecht ihre Conferences in den Finalspielen repräsentieren: Los Angeles überlebte eine knappe Erstrundenserie gegen die Thunder, schaltete souverän die Utah Jazz aus und schickte letzte Nacht mit den Phoenix Suns das Überraschungsteam der Saison in den Urlaub. Boston hingegen, von eigentlich allen Experten (und den Schreibern dieses Blogs) vor Playoffbeginn abgeschrieben, gewann souverän gegen das heißeste (Miami), beste (Cleveland) und tiefste (Orlando) Team des Ostens. Man begegnet sich also auf Augenhöhe.
Was ebenfalls auf eine spannende Serie hoffen lässt: Boston kann zumindest von der Physis her mit den Big Men der Lakers mithalten. Beinahe jedes andere Team hat hier ein Mismatch zu verzeichnen, Boston dagegen dank der Wiederbelebung von Rasheed Wallace, der Energie von Glen Davis sowie den ohnehin konstanten Startern Kevin Garnett und Kendrick Perkins zumindest nominell die Mittel, um Los Angeles hier keinen großen Vorteil zu gewähren. Auch Paul Pierce kann es ohne Zweifel mit Ron Artest aufnehmen, was die körperlichen Voraussetzungen angeht - physische Vorteile sucht man somit auf beiden Seiten vergebens.
Gemein ist beiden Mannschaften auch, dass sie den jeweils besten Spieler des Gegners nicht problemlos verteidigen können. Kobe Bryant dürfte es wahrscheinlich wieder mit Ray Allen zu tun bekommen, nachdem er ja 2008 zuerst von Allen, dann von Pierce verteidigt wurde. Allen hat bisher eine gute Verteidigung in den Playoffss gespielt, wobei er gegen den einzigen qualitativ sehr hochwertigen Shooting-Guard (Dwyane Wade) eher bescheiden aussah. Nun ist Bryant nicht mit einem ähnlich aggressiven Zug zum Korb ausgestattet, was Allen grundsätzlich entgegen kommen sollte, aber der Star der Lakers dürfte dennoch ohne übertrieben hohen Aufwand zu Punkten kommen.
Die muss Rajon Rondo nicht einmal am Fließband erzielen, um seinem Team zu helfen, sondern er kann auch gut für seine Mitspieler kreieren, wenn er die entsprechenden Freiräume hat. Und an diesen sollte es gegen Derek Fisher nicht mangeln. Befürworter Fishers mögen mir entgegen halten, dass man ja schon Russell Westbrook, Deron Williams und Steve Nash “überlebte” - mag sein, aber der einzige Point Guard, der vom Spielstil her mit Rondo vergleichbar ist, ist Westbrook. Und wir alle wissen, dass Bryant ihn irgendwann verteidigen musste, um die Serie für die Lakers zu retten - was er diesmal aber nicht machen wird, weil Fisher gegen Ray Allen das Problem nur um eine Position verschiebt. Gegen Steve Nash sah Fisher relativ gut aus, weil Phoenix viel mit Pick and Roll arbeitet, um vor allem Stoudemire gefährlich zu machen, aber auch, um Nash die freien Wege zum Korb zu ermöglichen. Rondo wird dafür keine Hilfe nötig haben, sondern einfacher aus dem Dribbling seinen Gegenspieler hinter sich lassen - eine Spielweise, die von Westbrook und Aaron Brooks ebenfalls gegen die Lakers praktiziert wurde und zu sehr engen Serien führte. Und beide Teams sind nicht annähernd so stark gewesen wie diese 2010er-Ausgabe der Celtics.
Abseits solcher Matchup-Spielchen gibt es aber auch eine Reihe anderer Faktoren, die eine spannende Serie versprechen: Da wäre zum einen die Heimstärke der Lakers (29-3 in den Playoffs seit 2008) gegen die Auswärtsstärke der Celtics in diesem Jahr (5-3 in den ersten drei Runden). Besonders pikant in diesem Zusammenhang wäre natürlich ein Verlust des Heimvorteils der Lakers während der beiden Auftaktpartien - nicht, dass er die Serie schon entscheiden würde, aber es weiß niemand, wie die Lakers darauf reagieren würden, da sie das Problem bislang nicht hatten. Zum anderen natürlich der Umstand, dass Kobe Bryant noch immer an der Niederlage 2008 knabbern dürfte - dass sie gegen die Celtics passierte, dass sein Team in den Spielen vier und sechs gedemütigt wurde, dass er hier offenbarte, dass er niemals an sein Idol Jordan herankommen wird. Bryant hat damals eine Menge verloren und zumindest einen Teil davon kann er in diesem Jahr zurückgewinnen. Dass er aber nicht der einzige Spieleer sein wird, der bis in die Haarspitzen motiviert ist, ist auch klar - die Veteranen der Celtics spielen vermutlich zum letzten Mal um eine Meisterschaft, Rondo somit auch zum vorerst letzten Mal in den nächsten Jahren. Dazu halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Doc Rivers nach der Saison zum Fernsehen wechselt - Grund genug also, ein allerletztes Mal alles aus sich herauszuholen. Die Bühne ist gerichtet für die spannendsten Finals seit langem.
(Photos by Aaron Frutman | License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
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Eine Neuauflage der Finalserie von 2008 und des wohl größten Basketballklassikers überhaupt steht uns nun also in den NBA-Finals bevor: die Los Angeles Lakers treffen auf die Boston Celtics. Wer vor Beginn der Playoffs 2010 darauf gesetzt hätte, würde vermutlich eine Menge Geld kassieren. Wie kam es dazu und was darf man sich von den Finals erhoffen?
Mein 4:2 Tipp für die Lakers (gegen die Suns) hat sich bewahrheitet!
Ich erwarte eine spannende Serie mit hoffentlich sieben Spielen.
Schwer einzuschätzen, wer am Ende die Nase vorn haben wird.
Aber, ich denke, ich bleibe weiterhin bei Kobe und den Lakers und tippe auf 4:3 LA
Als LakersFan tippe ich natürlich auf LA.
Die Serie dürfte spannend werden, spannender als beim letzten Mal.
Kobe brennt auf Revanche.
PS: 1A Artikel!!!
Guter Artikel.
Allgemein muss ich für mich jedoch feststellen, dass die diesjährigen Playoffs trotz des “Überraschungserfolgs” der Celtics eher eine Enttäuschung sind. Für mich war keine Serie wirklich spannend, die wenigen Überraschungen die es gab waren alles in allem relativ planbar. Fühlt sich für mich wie eine eine verlängerte Season an, solide, aber eben nicht magisch was ich eigentlich von den Playoffs immer erwarte. Vielleicht ist das ja aber auch nur mein subjektiver Eindruck.
Für die Finals würde ich mir eine spannende Serie wünschen. Aufgrund der aktuellen Form favorisiere ich die Celtics, mit einem guten Kobe Bryant kann es natürlich wieder anders aussehen. Ausgang relativ offen.
Gruß Dominik
ich stimme mir da ganz grundsätzlich zu, was den eindruck der bisherigen playoffs betrifft. allerdings muss man sich auch vor augen halten, dass es eben letztes jahr vielfach einfach eben wie beschrieben “magisch” war, gerade vor aus diesem grund fallen die disjährigen playoffs wohl als besonders “lame” ab.
an was ich von den playoffs 2010 in erinnerung bleuben wird (fragt sich nur wie lange *g*): -enttäuschende favoriten (magic, cavs) -ein lebron, der “choked”, -dick-kohle spieler, die völlig versagen (joe johnsin, lewis), der lauf der suns, rondos monster stats-game, die celtics, die allen, die sie schon abgeschrieben haben, den arsch aufreissen!
guter artikle, freuen wir uns auf hoffenltich spannende 7 spiele!