Schicksalsspiel in Florida

Von: David Lorenz

Dwight HowardDie Orlando Magic stehen vor der heutigen Partie gegen die Los Angeles Lakers (3:00 Uhr deutscher Zeit) bereits mit dem Rücken zur Wand. Verliert das Team um Dwight Howard (Foto) auch die dritte Begegnung der NBA-Finals 2008/2009, ist die Meisterschaft so gut wie verspielt. Nie zuvor gelang es einem Team in der Geschichte der Liga, einen 0-3 Rückstand noch zu drehen. (mehr…)

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Für Die Orlando Magic geht es heute Nacht bereits um alles oder nichts. Im Anschluss an die enttäuschenden Niederlage nach Verlängerung aus der zweiten Begegnung mit den Los Angeles Lakers braucht das Team von Headcoach Stan Van Gundy unbedingt einen Sieg, um in der Serie „Best of Seven“ den 0-2 Rückstand zu verkürzen. Die Champions der Eastern-Conference haben jetzt drei Heimspiele in Folge die Gelegenheit, das finale Duell um die NBA-Meisterschaft wieder etwas offener zu gestalten.

Der größte Druck lastet dabei auf den breiten Schultern von Dwight Howard. Im bisherigen Verlauf der Finals wusste „D-12“ mit insgesamt 29 erzielten Punkten offensiv noch nicht zu überzeugen. Die Annahme, Howard hätte sein Angriffsspiel nach der 40-Punkte-Gala im sechsten Aufeinandertreffen mit den Cavaliers auf ein neues Level gehoben, hat sich bisher noch nicht bestätigt. Und das liegt zum größten Teil am gegnerischen Frontcourt. Im Gegensatz zu Clevelands Zydrunas Ilgauskas, Anderson Varejao und Ben Wallace präsentieren sich Pau Gasol, Andrew Bynum sowie Lamar Odom von einem anderen Kaliber. Dem Trio gelang es bisher äußerst effektiv, Howard seiner bevorzugten Waffe im Angriff zu berauben: dem krachenden Mosterdunk. Erst nach sechs absolvierten Vierteln konnte der 2,11-Meter-Hüne den Ball zum ersten Mal während der laufenden Serie durch die gegnerische Reuse stopfen.

Andrew BynumAuf die Frage, ob es Los Angeles im bisherigen Verlauf der Finals gelungen sei, Howard zu kontrollieren und zu demotivieren, antwortete Lakers-Center Bynum (Foto) nur knapp: „ja“. Gleichzeitig war L.A.’s Youngster aber fair genug zuzugeben, dass seine Mannschaft dafür meist zwei bis drei Verteidiger benötigt hatte.

Das Manko im Spiel Orlandos leitete sich demzufolge auch nicht aus Howards mäßig erfolgreichen Offensiv-Bemühungen ab, sondern aus der Tatsache, dass die Schützen der Magic zuletzt ihr Zielwasser nicht getrunken hatten und teils auch weit offene Würfe von jenseits der Dreierlinie nicht verwandeln konnten. Dadurch sahen sich die Magic ihrer gefährlichsten (böse Zungen behaupten auch einzigen) Waffe im Angriff beraubt.

Rashard LewisDemzufolge wird für einen heutigen Erfolg Orlandos vieles, wenn nicht sogar alles von Rashard Lewis (Foto, der im zweiten Spiel der Serie immerhin sechs seiner 12 Dreier verwandeln konnte), Hedo Turkoglu, Rafer Alston, Mickael Pietrus und mit Abstrichen J.J. Redick sowie ihrer Trefferquote aus „Downtown“ abhängen. Sitzen die Würfe von außen, wird auch Howard unter dem gegnerischen Korb automatisch mehr Platz bekommen, da es sich L.A. dann nicht mehr leisten kann, zwei bis drei Mann auf den 23-Jährigen abzukommandieren.

„Wir müssen Dwights Job in der Offensive einfacher machen, keine Frage“, so Turkoglu vor der heutigen Begegnung.

Auf Seiten der Lakers wird in der Offensive neben den Scorer-Qualitäten von Kobe Bryant abermals viel vom zuletzt so starken Passspiel des Superstars abhängen. Der 30 jährige Shooting-Guard konnte im bisherigen Serien-Verlauf neben 69 Punkten starke 16 Vorlangen markieren und erbrachte somit eindrucksvoll den Gegenbeweis zur weit verbreiteten Meinung, er sei lediglich ein hoch talentierter Einzelspieler. Bryants Nebenleute wussten von den neu entdeckten Spielmacherqualitäten des All-Stars enorm zu profitieren. Das Auftreten der Lakers gewinnt dadurch an Tiefe und wird unberechenbarer. Spieler wie der zuletzt so starke Gasol haben bewiesen, dass sie mit zusätzlichen Kompetenzen im Angriff gut zurechtkommen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das war während der Zweitrunden-Serie gegen Houston sowie in einigen Partien des Duells mit Denver noch nicht der Fall. Ganz zum Leidwesen Orlandos.

Derek FisherAuch die Formkurve des zuletzt so gescholtenen Derek Fisher (Foto) zeigt mittlerweile wieder steil nach oben. Konnte der etatmäßige Point-Guard der Lakers während der kompletten Serien gegen die Nuggets lediglich 15 seiner 57 Würfe aus dem Feld verwandeln, sind es aktuell gegen Orlando bereits überzeugende acht Treffer bei 17 Versuchen. Fisher wusste somit das Duell auf der Spielmacher-Position mit Alston und Jameer Nelson bisher deutlich zu seinen Gunsten zu entscheiden.  Daneben war der Veteran an drei spielentscheidenden Szenen in der Verlängerung der zweiten Partie gegen Orlando verantwortlich, als er zunächst Howard in aussichtsreicher Position auf einen Dunking den Ball stibitzte, nur um zwei Minuten vor Ende der Overtime abermals einen Steal an Redick zu verbuchen. Dieser wusste sich nur durch ein Foul an Fisher zu helfen, der daraufhin die fälligen Freiwürfe sicher zu einer Dreipunkt-Führung der Lakers verwandeln konnte.

„Dereks Fähigkeit, unser gesamtes Spiel zu organisieren, ist von unschätzbarem Wert für uns“, weiß auch Bryant die Talente seines Mitspielers ins richtige Licht zu rücken.

Für die anstehende Begegnung darf derweil mit einem spannenden Spielverlauf gerechnet werden. Los Angeles hat das Selbstbewusstsein der vergangenen beiden Partien im Rücken, Orlando den Heimvorteil.

Tipp für Spiel Nummer drei der Serie: knapper Sieg Orlandos

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2 Kommentare zu „Schicksalsspiel in Florida“

  1. Jascha sagt:

    Und was wäre dein Tipp für den Ausgang der Serie? 4:1?

  2. David Lorenz sagt:

    4:2 L.A.

    Vom Potenzial her wäre sicher mehr drin für Orlando. Doch sie sind einfach zu abhängig von ihren Dreiern. Wenn die nicht sitzen, sieht es düster aus. Defensiv schenken sich beide Teams nicht viel, hier sehe ich die Magic sogar leicht vorne. Doch offensiv ist L.A. einfach vielseitiger und auch erfahrener. Zudem scheint das Comeback von Nelson seine Mitspieler Alston und Johnson ziemlich zu verunsichern oder zu bremsen. Im Nachhinein vielleicht nicht der cleverste Schachzug Van Gundys. Aber vielleicht belehrt mich Jameer ja heute Nacht eines Besseren.

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